GuineaDec 2002 - Jan 2003
Während ihre Familie die Feiertage zu Hause in Wien verbrachte, ging Corinne Grafl nach Guinea, um dort Flüchtlinge aus der Republik Elfenbeinküste zu betreuen und medizinisch zu versorgen.
Jeden Tag fuhr Corinne Grafl von Nzérékoré aus zu den verschiedenen Orten, wo Flüchtlinge über die Grenze kommen. Zudem besuchte sie das Flüchtlingslager von Nonah, wo 2.000 Flüchtlinge untergekommen sind, half den Kollegen bei einer Tetanus-Impfkampagne im Flüchtlingslager von Lainé, wo mittlerweile 8.000 Flüchtlinge leben, schrieb abends ihre Berichte und befragte immer wieder Flüchtlinge über die Bedingungen ihrer Flucht.
Brazda war eines der größten Auffanglager für Flüchtlinge aus dem Kosovo während des NATO-Bombardements. In Mazedonien gelegen, kaum 10 Kilometer von der Grenze entfernt, bot das ehemalige Flugplatzgelände bis zu 40.000 Menschen Unterkunft. "Täglich, meistens in der Nacht, kamen neue Flüchtlinge an, oft Tausende", erinnert sich Corinne Grafl. "Ich war damit beschäftigt, die Untersuchung der Ankommenden zu organisieren, manchmal bei einfachen Operationen zu assistieren." Das Leben in Brazda war hart. "Es war verständlich, dass alle Flüchtlinge versuchten, in irgendeinem Land Aufnahme zu finden."
Die medizinische Versorgung in Afghanistan war infolge des seit 1979 andauernden Krieges völlig zusammen gebrochen. Im armen Nordosten, in Badakhschan, war die Lage besonders schlimm. Gemeinsam mit ihren Kollegen zog Corinne Grafl (damals noch Beilhartz) 1987 auf dem Rücken von Pferden und Eseln über bis zu 5000 m hohe Berge nach Afghanistan. "Wir mussten viele Umwege nehmen" erzählt Corinne Grafl heute, "um den sowjetischen Kontrollposten zu entgehen." Doch trotz aller Strapazen lohnte der Einsatz: erstmals gelangten wieder Medikamente ins Spital von Teschkan, ein paar Wochen lang wurden die Menschen in der Region medizinisch versorgt. Das Wichtigste: sie wussten, dass sie nicht von der Welt vergessen waren.