Dr. Peter GROHR
Anästhesist
Wien
Einsatz für Gerechtigkeit
Dr. Peter Grohr kam 1999 zu Ärzte ohne Grenzen. Sein erster Einsatz führte ihn in den Kosovo und seither ließ ihn die Organisation nicht mehr los.
Peter Grohrs Motivation, ins Ausland zu gehen: "Bei uns gibt es zu viele Ärzte - und dort, wo die Patienten am dringendsten Hilfe brauchen, gibt es viel zu wenig. Es ist einfach ein Unrecht, wenn jemandem Leid zugefügt wird, der sich nicht wehren kann. Das tut mir weh, und dagegen etwas zu tun, hilft."
Der junge Kärntner Arzt, der meist im Radfahrertrikot im Büro auftaucht, ist alles andere als ein "Gott in Weiß". Tagsüber arbeitet er als Anästhesist am Hanusch-Krankenhaus in Wien, am Abend hält er oft Diavorträge oder führt Diskussionen über Ärzte ohne Grenzen und seine Einsätze im Kosovo und in Sierra Leone.
Peter Grohr war mehrere Jahre Teil des Vorstands von Ärzte ohne Grenzen Österreich.
Einsätze
LiberiaMay 2006 - May 2006
PakistanOct 2005 - Nov 2005
Dr. Peter Grohr war einen Monat in Lamno, einem bis heute nur aus der Luft zugänglichen Ort an der Westküste Acehs. Die Bevölkerung dort ist zwischen Meer und Bergen eingekesselt, der Ort ist großteils dem Erdboden gleichgemacht.
Ärzte ohne Grenzen versorgt dort die Bevölkerung (ca. 14.000 Personen) medizinisch sowie mit Wasser und Nahrungsmitteln. Peter Grohr war als Arzt im größten Obdachlosen-Lager von Lamno, einer umfunktionierten Schule mit ca. 2.300 Personen sowie als medizinischer Koordinator des Teams im Einsatz.
Peter Grohr stammt aus Villach, arbeitet am Wiener Hanuschkrankenhaus, ist einer der einsatzerfahrensten Ärzte und ehrenamtliches Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Er war erst im Dezember von einem dreimonatigen Einsatz in Darfur zurückgekommen, bevor er am 11. Jänner nach Sumatra aufbrach.
SudanSep 2004 - Dec 2004
Die nach wie vor anhaltende Gewalt im Land treibt immer wieder Menschen in die Flucht. Ärzte ohne Grenzen leistet den Vertriebenen im Sudan medizinische- und Ernährungs-Hilfe. Der Arzt Peter Grohr arbeitete mit einem Team von Ärzte ohne Grenzen in einem Krankenhaus in Darfur. Er behandelte hier viele Schussverletzungen. Die Sicherheitslage ist sehr prekär - auch für die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Aber die Menschen im Sudan brauchen nach wie vor unsere Hilfe.
Dieser Notfalleinsatz brachte den Arzt zum zweiten Mal nach Indonesien. Zahlreiche Krisen haben das Land in den letzten Jahren sozial und politischen gespalten und führen oft zu Gewaltakten. Zusätzlich kommt es immer wieder zu Naturkatastropen und Krankheitsepidemien, wie z.B. zu dem Malariaausbruch in der Provinz Maluku. Peter Grohr baute in Halmahera Kontakte zur örtlichen Gesundheitsbehörde auf, koordinierte das Einsatzteam, erhob den medizinischen Bedarf und half mit einen effizienten Aktionsplan zu entwickeln.
Nur durch diesen schnellen und professionellen Einsatz konnte der Bevölkerung rasch und wirkungsvoll geholfen werden.
IrakMar 2003 - May 2003
Vor Kriegsbeginn war es sehr schwierig die Lage im Irak abzuschätzen, da die Hilfsorganisationen bis dahin praktisch keinen direkten Zugang zu den Menschen hatten. Die Bevölkerung war ausschließlich auf staatliche Hilfe angewiesen.
Die Aufgabe von Peter Grohr bestand vor allem in der Erstversorgung der zahlreichen Kriegsverletzten und in der Unterstützung des irakischen Spitalpersonals. Ärzte ohne Grenzen versorgte das Spital auch mit chirurgischem Material und Medikamenten.
Ein Hilfseinsatz im Krieg ist immer eine besonders hohe physische und psychische Belastung - verschlimmert wurde die Situation noch durch die Entführung von zwei Teammitgliedern, die nach 11 Tagen aber wieder unversehrt auftauchten.
Ambon, die Hauptinsel der Molukken ist seit Jahren Schauplatz ethnisch-religiöser Auseinandersetzungen zwischen Christen und Moslems. Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten auch auf Ambon auf beiden Seiten des Konfliktes. Der Kärntner Anästhesist Peter Grohr war für einige Monate im Krankenhaus der Hauptstadt im Rahmen eines Fortbildungsprogramms von Ärzte ohne Grenzen für die einheimischen Anästhesisten tätig.
Das Connaught-Krankenhaus in Freetown ist das einzige funktionierende Spital in der Hauptstadt Sierra Leones. "Hier konzentriert sich die ganze Not der Bevölkerung des Landes, das seit Jahren unter dem Bürgerkrieg leidet", erzählte Peter Grohr nach seiner Rückkehr. "Mein Arbeitsplatz: ein kleiner grüner Raum, ohne Fenster mit einem uralten OP-Tisch und einer manchmal auch funktionierenden OP-Leuchte. Die Tagesroutine kann einen beinahe vergessen lassen, was hinter jeder Amputation, jeder Schussverletzung für ein Schicksal steht", berichtet er.
KosovoJul 1999 - Oct 1999
Nach der Rückkehr der albanischen Flüchtlinge in den Kosovo, wurde die Brücke von Mitrovica zum Symbol der ethnischen Teilung des Kosovo. Nördlich davon der serbische Teil, südlich der albanische Teil der Stadt. “Das Krankenhaus lag im serbischen Teil und war einige Zeit der einizige Ort, wo die beiden Gruppen im selben Haus tätig waren,” erinnert sich Peter Grohr. “Am Anfang, in den Zeiten des Umbruchs, stand die Versorgung der Patienten noch für alle im Vordergrund. Doch dann wurde der Druck der ethnischen Gruppen immer stärker. Zuletzt zerstörten der politische Druck und die schlechte Sicherheitslage das verletzliche Gleichgewicht.”