Stefanie KUTSCHERA
Krankenschwester
Wien
Der Realität ins Auge sehen
Bilder hungernder Kinder in Zeitungen veranlassen viele Leute, schnell weiterzublättern, um sie zu verdrängen. Doch die Bilder sind Realität.
Stefanie Kutschera wollte 1999 Berichte aus dem Kosovo nicht einfach verdrängen. Sie meldete sich bei Ärzte ohne Grenzen als Freiwillige. "Ich will dorthin gehen", schrieb sie uns damals,"gerade weil ich jeden Tag im Radio höre, wie schlimm die Situation dort ist".
Die Absolventin der Amerikanischen Schule in Wien hatte auch schon im Senegal und in Südafrika als Krankenschwester gearbeitet, und so ging sie bald auf ihren ersten Einsatz. Doch der führte sie nicht in den Kosovo. Für sie wurden andere Bilder zur Realität, die sie auch schon aus den Medien kannte.
Einsätze
NigerAug 2005 - Sep 2005
Die Stadt Zinder im Süden Nigers: 60 internationale und noch mehr lokale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen kämpfen rund um die Uhr um das Überleben von schwer unterernährten Kindern, die Opfer der akuten Nahrungsmittelkrise im Sommer 2005 sind. Stefanie Kutschera war nach ihrer Ankunft Anfang August zunächst mit einem mobilen Team in den Dörfern in der Umgebung von Zinder unterwegs, um unterernährte Kinder zu finden, ambulant zu behandeln und besonders schwere Fälle in das Ernährungszentrum in die Stadt zu bringen. Anschließend arbeitete sie auf der Intensivstation des Ernährungszentrums, überwachte die regelmäßige Medikation der jungen Patienten und war für den Aufbau einer Apotheke verantwortlich.
AngolaJun 2002 - Aug 2002
"Aus den Mauern der früheren Gesundheitszentren wachsen schon die Bäume." Mit solchen Beispielen schildert Stefanie Kutschera den Zustand der Gesundheitsversorgung in Angola. Zum dritten Mal arbeitete sie in dem vom Krieg schwer gezeichneten Land, in dem es seit April 2002 ein Friedensabkommen gibt.
Zum ersten Mal erlebte Stefanie Kutschera nun das Land im Frieden. Doch die Öffnung von lange isolierten Gebieten offenbart neues Elend. Das Land leidet unter einer furchtbaren Hungerkatastrophe.
Stefanie Kutschera war in einem der Ernährungsprogramme von Ärzte ohne Grenzen tätig. Diesmal besteht die reale Hoffnung, dass mit dem Krieg in naher Zukunft auch der Hunger endet.
AngolaDec 2000 - Apr 2001
Rückkehr: meistens bedeutet das Heimkehr. Für Stefanie Kutschera bedeutete es aber die Rückkehr nach Luena, wo sie schon früher gearbeitet hatte.
Seit 25 Jahren dauert der von der Welt "vergessene" interne Krieg in Angola an. Allein um die Stadt Luena leben rund 70.000 vor den Kämpfen geflüchtete Menschen in riesigen Lagern. "Seit meinem ersten Einsatz hat sich die Lage der Menschen hier nicht verbessert: unsere Ernährungszentren sind immer noch voll mit unterernährten Kindern" stellte Stefanie Kutschera nach ihrer Rückkehr fest. "Und doch: jedes einzelne Kind, dass gekräftigt entlassen werden kann, ist alles wert."
AngolaApr 2000 - Oct 2000
Stefanie Kutschera hatte schon in Kenia, bei ihrem ersten Einsatz erlebt, was es heisst, wenn völlig entkräftete Kinder durch regelmäßige Ernährung wieder ins Leben zurück kehren, wieder zu Kindern werden, die spielen und lachen können. Es klingt nach Klischee: aber es ist die Realität dieser Kinder im Osten Angolas. Realität ist auch der ganze Irrsinn des Bürgerkrieges in diesem an sich reichen Land. Irrsinn eines verminten Landes. "Wieder über Wiesen gehen können", war auch der recht einfache Wunsch von Stefanie nach ihrer Heimkehr nach Österreich. Wo keine Anti-Personen-Minen auf spielende Kinder lauern.
KeniaMay 1999 - Nov 1999
Mandera liegt im äußersten Nordosten Kenias, an der Grenze zu Äthiopien und Somalia. Die Ernährungslage in der Region ist katastrophal, besonders die Kinder leiden darunter. Oft wird die Frage nach dem Sinn gestellt, wenn über Jahre hinweg Ernährungshilfe in ein und der selben Region nötig ist. Zu einer Journalistin, die 1999 wegen der Verleihung des Friedensnobelpreises an Ärzte ohne Grenzen das Projekt in Mandera besuchte, meinte Stefanie Kutschera dazu: "Es sind hier 2200 Kinder, die wir am Leben halten, die sonst keine Chance hätten. Und stellen Sie sich vor, in Österreich würden auf einen Sitz 2200 Kinder sterben..."