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Montag, 24. November 2014 | 01:53 CET
Pakistan, 24.08.2010: Seit Beginn der Flutkatastrophe haben Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen mehr als 16.000 medizinische Konsultationen in den betroffenen Gebieten durchgeführt.Foto: Ton Koene
Veröffentlicht am 24.08.2010
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Ärzte ohne Grenzen baut Fluthilfe in Pakistan weiter aus, der Bedarf ist nach wie vor enorm

Mehr als vier Wochen nach Beginn des Hilfseinsatzes für die Opfer der gewaltigen Flutkatastrophe in Pakistan baut Ärzte ohne Grenzen die Hilfsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten weiter aus. Gleichzeitig vergrößern die Einsatzteams ihren Aktionsradius, um neue Orte abzudecken, an denen die Fluten Tausende Menschen von lebensnotwendiger Hilfe abgeschlossen haben.

 
Übersicht über die im Text genannten Einsatzorte
Zur Vollbild-Version der Karte

Um den Ausbruch von Erkrankungen durch verunreinigtes Wasser so gering wie möglich zu halten, weitet Ärzte ohne Grenzen die Verteilung von sauberem Wasser in den größten Städten und abgelegenen Dörfern der Distrikte Charssada, Swat, Nowshera, Lower Dir und Dargai in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa aus. In den kommenden Tagen wird Ärzte ohne Grenzen auch mit der Wasser- und Sanitätsversorgung in den Provinzen Sindh und Belutschistan beginnen. Die Teams planen unter anderem, das Wasserversorgungssystem der Stadt Dera Murad Jamali in Belutschistan sowie der Stadt Sukkur in der Provinz Sindh zu überprüfen, um sicher zu stellen, dass das Wasser der öffentlichen Versorgungseinrichtung chloriniert wird, bevor es die Bevölkerung erreicht.

Ärzte ohne Grenzen stellt derzeit über 540.000 Liter sauberes Wasser täglich an verschiedenen fixen und mobilen Wasserstationen in ganz Pakistan bereit - mittels Lastwagen, Tanks, Wasserhähnen und Haus zu Haus Verteilungen. Die Hilfsorganisation verteilt auch Kanister und Kübel an Familien, die keine ausreichenden Wasserbehälter haben. Weiters hilft Ärzte ohne Grenzen den lokalen Behörden bei den Aufräumarbeiten und der Instandsetzung von verunreinigten Brunnen.

“Es ist beunruhigend, dass einige Familien begonnen haben, ihre Trinkwasserquellen wieder zu benutzen. Das ist schlecht, weil das Wasser noch immer verunreinigt ist, was zu Erkrankungen führen kann. Wir werden weiterhin sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen, bis wir in der Lage sind, ein Kontrollsystem zu installieren, um sicherzustellen, dass das Wasser gut genug für den täglichen Gebrauch ist“, erklärt Muhammad Shakeel, Mitarbeiter des Wasser- und Sanitätsteams von Ärzte ohne Grenzen in Nowshera.

Überlebenswichtige Gesundheitsaufklärung

Gesundheitsaufklärung spielt eine entscheidende Rolle bei der Erhöhung des Bewusstseins für Gesundheitsrisiken. Während Hilfsgüterverteilungen zeigen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen den Menschen beispielsweise, wie Wasserreinigungstabletten verwendet werden, um zu Hause Trinkwasser aufzubereiten. Die verteilten Hilfspakete enthalten standardmäßig 20 Reinigungstabletten, welche bei richtigem Einsatz sauberes Wasser für eine siebenköpfige Familie für einen Zeitraum von zwei Wochen sicherstellen.

In Dera Murad Jamali in der Provinz Belutschistan musste Ärzte ohne Grenzen beobachten, dass sich zu den mangelhaften hygienischen Bedingungen die bereits bestehende Unterernährung verschlimmert. Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mindestens 300 schwer unterernährte Kinder unter fünf Jahren in dem in der Region bestehenden Nofall-Ernährungsprogramm, und integriert das Thema Ernährung in die Gesundheitsaufklärung.

Ausbau der mobilen Kliniken und Gesundheitsstrukturen

Seit 1. August hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 16.000 Konsultationen in verschiedenen Regionen Pakistans durchgeführt – die Hälfte davon im Rahmen von vierzehn mobilen Kliniken in Dera Murad Jamali, Khabula, Sobhatpur, Malakand, Swat, Lower Dir, Charsadda, Sukkur und Peshawar.

Aufgrund des Anstiegs der Zahlen von Patienten, die an akuten Durchfallserkrankungen leiden, hat Ärzte ohne Grenzen sechs auf die Behandlung von Durchfallerkrankungen spezialisierte Behandlungszentren in Swat, Lower Dir, Malakand, Hangu, Kot Addu und Dera Murad Jamali eingerichtet. Außerdem wurden Personal und die logistischen Kapazitäten zur Behandlung von Krankheiten wie Cholera massiv aufgestockt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind bereit, bei Bedarf weitere Behandlungszentren für Durchfallserkrankungen einzurichten.

Im Distrikt Swat in der Region Khyber Pakhtunkhwa wurde eine Isolationsstation mit 20 Betten im Krankenhaus von Mingora eingerichtet, die von einem Zelt zur Rehydrierung dehydrierter Patienten und Maßnahmen zur Hygieneaufklärung begleitet wird. In Dera Murad Jamali in der Region Belutschistan haben Teams von Ärzte ohne Grenzen ein 20-Betten Behandlungszentrum eingerichtet, um dem massiven Zustrom von Patienten aus den benachbarten, noch immer überfluteten Distrikten gerecht zu werden. In Kot Addu, Punjab, hat Ärzte ohne Grenzen ein bestehendes Behandlungszentrum mit 30 Betten um 70 weitere aufgestockt, um mehr Patienten aufnehmen zu können.

In den vergangenen Wochen haben die Einsatzteams ungefähr 1.600 Fälle akuter Durchfallerkrankungen in den Hochwassergebieten behandelt.

Fortsetzung der Hilfsgüterverteilungen

Unter der drohenden Gefahr neuer Fluten setzt Ärzte ohne Grenzen die Verteilung von Gütern des täglichen Bedarfs weiter fort, um einen minimalen Lebensstandard zu garantieren und der Ausbreitung von Krankheiten vorzubeugen. In Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa haben die Teams bereits 14.675 Pakete mit Hilfsgütern und 4.855 Zelte an Betroffene verteilt. Typische Hilfsgüter sind Eimer, Seife, Zahnbürste, Kanister, Hygieneartikel, Handtücher, Kochutensilien, Plastikplanen, Zelte, Matratzen sowie Tabletten zur Wasserreinigung. Für die kommenden Tage sind weitere Verteilungen geplant.

Weiterer Bedarf und Aktivitäten an neuen Orten

In Belutschistan und dem nördlichen Sindh hat der steigende Pegelstand des Flusses Indus 90 Prozent der Menschen in Gegenden wie Usta Muhammad, Dera Allar Yar und Ganakha dazu gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Im Süden von Kashmor und Sindh mussten Familien Zuflucht auf Hügeln oder kleinen Erhebungen zwischen den Wasserströmen suchen – etwa auf Bahngleisen oder Straßendämmen.

In Sukkur im nördlichen Sindh hat Ärzte ohne Grenzen mit der Verteilung von Hilfsgütern begonnen und drei neue mobile Kliniken gestartet. Die mobilen Teams begegnen dabei immer wieder Gruppen von bis zu Tausend Menschen mit dringenden medizinischen Bedürfnissen, darunter vor allem Kinder. Ärzte ohne Grenzen unterstützt eine Kinderstation mit 30 Betten für Kinder unter 5 Jahren in Sukkur.

Im südlichen Sindh hat Ärzte ohne Grenzen in Hyderabad einen neuen Stützpunkt eingerichtet, um die Hilfe in der Region zu koordinieren.

Erkundungsteams setzen ihre Arbeit in Khyber Pakhtunkhwa, Punjab, Sindh und Balutschistan fort.

Derzeit sind mehr als 110 internationale Mitarbeiter gemeinsam mit 1.200 pakistanischen Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen in Pakistan im Einsatz.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1988 medizinische Hilfe für die lokale Bevölkerung und afghanische Flüchtlinge in Pakistan. Ärzte ohne Grenzen nimmt für die Arbeit in Pakistan keine öffentlichen Gelder an und finanziert die Hilfsprogramme einzig aus privaten Spenden.

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