Haiti: Fast 100.000 Cholera-Patienten behandelt
Port-au-Prince, 14. Jänner 2011: Während Haiti jener Menschen gedenkt, die beim schweren Erdbeben vor einem Jahr ums Leben kamen, verlangsamt sich die Ausbreitung der Cholera in Port-au-Prince und im Norden des Landes. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind jedoch weiterhin in Alarmbereitschaft, da der Verlauf des Ausbruchs unberechenbar bleibt.
In den meisten Cholera-Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince, im Nord- und im Nordwest-Department sinkt die Zahl der neuen Patienten. In der Region Artibonite, wo die Cholera als erstes ausgebrochen war, sind die Zahlen stabil. Im Süden gibt es derzeit eine geringere Anzahl an Patienten, die Ärzte ohne Grenzen behandeln muss, die Zahl der Neuaufnahmen steigt aber leicht.
In einigen Behandlungseinrichtungen von Ärzte ohne Grenzen sind Zelte, die vor kurzem noch mit Patienten gefüllt waren, nun leer. Die Behandlung von Cholera zeigt rasch Wirkung, sodass Betroffene normalerweise innerhalb weniger Tage heimgehen können. Wenn die Zahl der Neuaufnahmen sinkt, nehmen daher auch gleichzeitig die gesamten Aktivitäten schnell ab.
Kampf gegen Cholera noch nicht vorbei
Das ist jedoch kein Grund für Nachlässigkeit. „Die sinkenden Patientenzahlen bedeuten nicht, dass wir den Kampf gegen die Cholera gewonnen haben“, warnt Kate Alberti, Epidemiologin von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. „Cholera kann unberechenbar sein, besonders in einem Land, indem es keine Erfahrung mit der Krankheit gibt. Die erwarteten Regenfälle können die Situation beeinflussen und die sozialen Unruhen können ebenfalls negative Auswirkungen haben.“ So schränkten etwa Demonstrationen und Gewalt den Zugang der Menschen zu Behandlung während des Höhepunkts des Cholera-Ausbruchs in der Hauptstadt Port-au-Prince Ende des vergangenen Jahres erheblich ein.
Während der vorangegangenen Woche behandelte Ärzte ohne Grenzen landesweit 5.000 Patienten und Patientinnen in 50 Cholera-Einrichtungen. Damit steigt die Zahl der von Ärzte ohne Grenzen behandelten Menschen auf 97.000 seit Ausbruch der schweren Epidemie. Das sind mehr als die Hälfte der 181.829 von den Gesundheitsbehörden gemeldeten Cholerafälle. Diesen offiziellen Zahlen zufolge starben seit dem 22. Oktober 2010 3.759 Menschen an der Cholera.
Ärzte ohne Grenzen unterstützt außerdem die Versorgung mit Flüssigkeit zur Rehydrierung in Gebieten, in denen sich die Epidemie noch weiter ausbreiten wird. Ebenso wie in entlegenen Regionen und in Dörfern mit schlechter Gesundheitsversorgung.
Ärzte ohne Grenzen führt zudem in sieben eigenen Krankenhäusern und zwei Regierungskrankenhäusern in Port-au-Prince die laufende medizinische Hilfe fort. Die Teams leisten Notfallhilfe und Intensivmedizin, kümmern sich um Verbrennungsopfer und Risikogeburten. Außerhalb der Hauptstadt betreibt die Organisation ein Krankenhaus in Léogane und unterstützt eine öffentliche Klinik in Jacmel.
Rund 7.500 haitianische und 430 internationale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiten in den Programmen einschließlich der Cholera-Projekte.
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