Haiti: Tag drei nach dem Erdbeben
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince konzentrieren sich im Moment darauf, die chirurgischen Aktivitäten auszuweiten. Im Krankenhaus Choscol im Distrikt Cité Soleil hat Ärzte ohne Grenzen derzeit zwei funktionsfähige Operationssäle, in die gerade 300 Patienten überwiesen wurden. Die verbleibenden medizinischen Mitarbeiter kümmern sich weiterhin in ihren Kliniken um die Hunderte Menschen, die dringend Erste Hilfe und grundlegende medizinische Versorgung benötigen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, da die infizierten Wunden schnell behandelt werden müssen. Ein aufblasbares Krankenhaus und zusätzliches medizinisches Personal sind auf dem Weg nach Haiti.
Material, das aus den Trümmern des zerstörten Krankenhauses Materinité Solidarité geborgen werden konnte, wurde in das Choscol Krankenhaus gebracht. Vor dem zerstörten Trinité Krankenhaus und dem ebenfalls beschädigten Rehabilitationszentrum Pacot behandeln Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen die Patienten weiterhin in schnell errichteten Zelten. Mehr als 1.500 Patienten wurden bereits behandelt. "Die medizinischen Prioritäten sind derzeit das Untersuchen der Menschen, deren Stabilisierung und Überweisung an die chirurgischen Teams", erklärt Mego Terzian, Mitarbeiter des Nothilfeteams von Ärzte ohne Grenzen. "Die Leichen sind dahingehend ein medizinisches Problem, da sie für die Überlebenden einen großen Stressfaktor darstellen. Da der Tod aber nicht durch Infektionen ausgelöst wurde, geht von diesen Leichen keine Gefahr für Epidemien aus."
Überwältigende Bedürfnisse
Im Moment sind die größten Probleme die Grundversorgung und der Zugang für die Transporte mit Nachschub. Nahrung wird knapp und die Wassersorgung bereitet Sorgen. Ärzte ohne Grenzen beginnt damit, Trinkwasser für die Patienten und die Menschen in der Nähe zum Choscal-Krankenhaus zu transportieren.
Die Bedürfnisse in der ganzen Stadt sind überwältigend und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erhalten Berichte von sehr schweren Zerstörungen und Verlusten aus den kleineren Städten nahe der Hauptstadt. Sie werden versuchen, in diese Regionen zu gelangen und zu ermitteln, was Ärzte ohne Grenzen dort tun kann. Die Entsendung mobiler Kliniken ist geplant. Die Teams wollen sich auch um Geburtshilfe kümmern, die immer zu den Schwerpunkten der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Haiti zählte. Auch besteht nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes bedarf an psychologischer Hilfe.
Bisher konnten zwei Frachtflugzeuge von Ärzte ohne Grenzen am Flughafen von Port au Prince landen, andere mussten auf die benachbarte Dominikanischen Republik ausweichen, oft wegen Mangel an Flugzeugbenzin in Haiti. Hilfskräfte und Hilfgüter müssen dann am Landweg nach Port-au-Prince gebracht werden. Bis heute abend werden 25 zusätzliche internationale Hilfskräfte von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince erwartet.
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