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Donnerstag, 23. Oktober 2014 | 11:16 CEST
Guéckédou, Guinea, 14.03.2012: Ein Gesundheitshelfer klärt mithilfe der Schautafeln Dorfbewohner über die Gefahren der Malaria auf. Foto: Marie Bachmann/MSF
Veröffentlicht am 19.02.2013
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„Heute werde ich euch vom Moskitonetz erzählen“

In Guinea hat  Ärzte ohne Grenzen zur Bekämpfung von Malaria ein Netzwerk von lokalen Gesundheitsarbeiterinnen und -arbeitern eingerichtet, deren persönliches Engagement von den Dorfgemeinschaften geschätzt und unterstützt wird.

Der 44-jährige André Millimouno ist Maurer von Beruf. Im September 2010 hat der fröhliche, dynamische Mann jedoch seinen Beruf aufgegeben und wurde Gesundheitsarbeiter. Zusammen mit seinen 47 Kolleginnen und Kollegen beteiligt er sich im Rahmen des Projekts von  Ärzte ohne Grenzen an der Malariabekämpfung in Guéckédou in der Region Waldguinea.

Ein einfacher Slogan

Heute Morgen besucht André das Dorf Kat-Kama, das 16 Kilometer entfernt vom nächsten Gesundheitsposten liegt. Auf dem kleinen Platz haben sich zahlreiche Dorfbewohner unter dem großen Baum versammelt. Sie wissen, dass André gekommen ist, um sie über die Malaria zu informieren und vor allem um sie zu testen und die Kranken zu behandeln. Auf seinem T-Shirt steht ein einfacher Slogan: „Die Gesundheitsarbeiter setzen sich gegen Malaria ein.“

André spricht mit lauter Stimme, um das Geschrei der Kinder zu übertönen, die seinen Besuch sehr aufregend finden. „Heute werde ich euch vom Moskitonetz erzählen und wie ihr es am besten verwendet, um euch und eure Kinder vor der Malaria zu schützen“, beginnt er. Zwanzig Minuten lang klärt André die Dorfbewohnerinnen und -bewohner zu diesem Thema auf und fragt dann nach, ob es im Dorf Kranke gibt.

Testresultat in einer Viertelstunde

Eine Mutter nähert sich ihm mit ihren zwei Kindern, und bald darauf folgen andere ihrem Beispiel. Die beiden Töchter von Delba Mara haben „einen heißen Körper“, wie man hier sagt. André misst ihre Temperatur. Das Thermometer zeigt beim einen Mädchen 37,8 °C an und 38,5 °C beim anderen. Nun zieht er Latex-Handschuhe über und entnimmt jedem Kind von der Fingerspitze einen Tropfen Blut, das er auf eine kleine Plastikscheibe gibt – ein Schnelltest für Malaria. Nach einer Viertelstunde bestätigt der Test die Diagnose in beiden Fällen. André gibt der Mutter ASAQ-Tabletten mit, ein hochwirksames Malaria-Medikament auf der Basis von Artemisinin. Er erklärt ihr, dass die Kinder drei Tage lang täglich eine Tablette einnehmen müssen und es äußerst wichtig ist, diese Dosierung genau einzuhalten.

Drei Stunden später hat André bei acht weiteren Personen Malaria festgestellt und auch ihnen Medikamente ausgehändigt. In den meisten Fällen handelt es sich um Kinder unter fünf Jahren. André kann nicht alle Malariafälle behandeln. Säuglinge von weniger als zwei Monaten, schwangere Frauen und Fälle von schwerer Malaria verweist er an den Gesundheitsposten.

Eine persönliche Entscheidung

„Seit ich Gesundheitsarbeiter geworden bin, komme ich kaum mehr dazu, auf dem Bau zu arbeiten“, sagt der Vater von acht Kindern. „Die Kranken nehmen mich stark in Anspruch und ich brauche viel Zeit für sie, doch es ist meine persönliche Entscheidung, mich als Gesundheitsarbeiter einzusetzen.“

Wie die anderen Gesundheitsarbeiterinnen und –arbeiter  im Einsatzgebiet von  Ärzte ohne Grenzen in Guéckédou wird auch André von seiner Gemeinschaft unterstützt. Sie erledigt für ihn bestimmte Arbeiten auf dem Feld und gibt ihm nach der Ernte ein paar Dutzend Kilo Reis ab. Ohne Beteiligung der Gemeinschaft wären derartige Aktivitäten nicht möglich. „Wenn ein Dorf sich dafür entscheidet, seinen Gesundheitsberater zu unterstützen und zu entlasten, übernimmt es aktiv die Verantwortung im Gesundheitsbereich. Die Chancen, dass das Projekt auch nach einem Rückzug von  Ärzte ohne Grenzen weitergeführt wird, steigen dadurch erheblich“, erklärt Philippe Latour,  Ärzte ohne Grenzen-Koordinator in Guéckédou.

Innovative Strategien im Kampf gegen die Malaria

„Das System der Gesundheitsarbeiter haben wir eingerichtet, um die einfache Malaria möglichst nahe bei der Bevölkerung behandeln zu können“, erklärt Jeannette Pedersen. Die Pflegefachfrau ist für den Bereich Dorfgemeinschaften des  Ärzte ohne Grenzen-Projekts zuständig. „Problematisch ist hier nicht nur die weite Entfernung zum nächsten Gesundheitszentrum, sondern auch der schlechte Zustand der Wege. Außerdem verfügen die Leute über keine Transportmittel.“

„Wir möchten, dass diese Strategie im ganzen Land umgesetzt wird“, sagt Charles Gaudry,  Ärzte ohne Grenzen-Einsatzleiter in Guinea. „Die Entwicklung ist vielversprechend. Das Gesundheitsministerium hat mit seinen Partnern bereits begonnen, zur Behandlung der einfachen Malaria auch in anderen Regionen des Landes ein System mit Gesundheitsarbeitern aufzubauen und stützt sich dabei auf die Erfahrung von  Ärzte ohne Grenzen in Guéckédou.“

2012 wurden im Gebiet von Guéckédou in den von  Ärzte ohne Grenzen unterstützten Einrichtungen insgesamt 77.000 Malariapatientinnen und -patienten behandelt, wovon 23.000 durch Gesundheitsarbeiter betreut wurden.

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