Noteinsatz in Haiti: Tag 7
In den Einrichtungen und Operationssälen von Ärzte ohne Grenzen in und um Port-au-Prince wird auch am siebten Tag nach dem Erdbeben unter Hochdruck gearbeitet. Die Mitarbeiter sind zunehmend besorgt wegen der Nachschubprobleme, die allmählich dramatische Auswirkungen für die Patienten haben könnten. Medikamente für chirurgische Behandlungen und Ausstattung wie Dialysegeräte werden dringend gebraucht, aber die Lieferprobleme bei Frachtsendungen führen zu Verzögerungen.
Stand: 19. Jänner 2010
Loris De Filippi, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Choscal Krankenhaus in Cite Soleil berichtet von schwierigen Arbeitsbedingungen: „Jedes mal, wenn wir aus dem Operationssaal kommen, sehen wir in den Gesichtern die Bitte um Behandlung. Die Menschen flehen uns vor dem Krankenhaus darum an. Es ist eine sehr schwierige Situation. Wir versuchen, unsere Kapazitäten auszuweiten, um diesen Menschen zu helfen. Aber wir brauchen den Nachschub vom Flughafen, und wir wissen nicht, weshalb die Flugzeuge umgeleitet werden.“
"Uns gehen die Vorräte aus"
Im Krankenhaus in Carrefour arbeiten die Mitarbeiter ebenfalls unter sehr schwierigen Bedingungen. Paul McMaster, ein Chirurg, berichtet vom enormen Bedarf: “Wir konnten die Ausstattung, die wir brauchen, wegen der Lieferprobleme noch nicht ins Krankenhaus bekommen. Uns gehen die Vorräte aus. Am Samstag fehlten uns Betäubungsmittel. Wir bekommen keinen Gips aus Paris, um Brüche zu versorgen, zudem haben wir zurzeit keine Verbände. Es ist einfach ein Albtraum.“
Warten auf weitere Dialysegeräte
In Martissant, einem weiteren Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen, wurden seit dem Erdbeben mehr als 1.500 Patienten behandelt. Derzeit befinden sich 120 Menschen in dem Krankenhaus, 20 von ihnen mit Verbrennungswunden. Außerdem versorgt Ärzte ohne Grenzen an sechs weiteren Orten Patienten mit ähnlichen, erdbebengbedingten Verletzungen. Eine der zuletzt wieder hergestellten Einrichtungen ist die Dialysestation des großen Allgemeinkrankenhauses von Port-au-Prince, wo Ärzte ohne Grenzen mit einer Dialysemaschine arbeitet, die das Beben unbeschadet überstanden hat. Die Nierenspezialisten von Ärzte ohne Grenzen führten gestern die erste Behandlung durch und werden die Aktivitäten ausweiten, sobald neue Dialysegeräte auf dem Landweg von der Dominikanischen Republik eintreffen.
Hilfe auch außerhalb der Hauptstadt
Eine der am stärksten vom Erdbeben betroffenen Städte außerhalb von Port-au-Prince ist Leogane. Ein Team unterstützt dort eine Krankenpflegeschule, deren Mitarbeiter medizinische Hilfe leisten. In der gleichen Stadt bereitet ein weiteres Team von Ärzte ohne Grenzen vier chirurgische Stationen in einem ehemaligen Missionskrankenhaus vor, um ein Referenzzentrum für die Region zu schaffen. In Jacmel, einer anderen schwer getroffenen Stadt, hat ein weiteres Team damit begonnen, im OP des bestehenden Krankenhauses zu operieren. Parallel dazu wird am Aufbau des aufblasbaren Krankenhauses mit zwei weiteren OPs in Port-au-Prince gearbeitet. Für den Aufbau benötigtes Material und Mitarbeiter waren mit großer Verspätung eingetroffen, da ein Frachtflugzeug in die Dominikanische Republik umgeleitet wurde.
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