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Dienstag, 16. September 2014 | 21:29 CEST
Guija, Mosambik, 05.02.2013: Die völlig überschwemmte Straße nach Guija. Foto: MSF
Veröffentlicht am 05.02.2013
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Nothilfe für Überschwemmungsopfer in Mosambik

Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Versorgung in einem Spital in der Provinz Gaza, die von den Fluten besonders schlimm betroffen ist. Der medizinische Koordinator, Lucas Molfino, ist soeben aus Chokwe zurückgekehrt und schildert die Lage.

„Bei den heftigen Regenfällen letzte Woche ist der aus Südafrika kommende Limpopo über die Ufer getreten und hat weite Teile der Provinz Gaza überflutet. Über 100.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Sie sind Hals über Kopf geflohen und stehen noch unter Schock. Die meisten von ihnen haben bei der Flucht all ihr Hab und Gut verloren.

Gebäude eingestürzt

Ärzte ohne Grenzen beschloss, direkt nach Chokwe vorzudringen, 225 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Maputo, wo die Lage gemäß unseren Informationen besonders schlimm war. In einigen Stadtteilen stand das Wasser eineinhalb Meter hoch. Ganze Gebäude waren eingestürzt und in einigen Quartieren war die Stromversorgung zusammengebrochen. Jetzt kehren die Menschen allmählich zu ihren Häusern zurück, um zu sehen, ob noch etwas davon übrig ist.

Auf dem Gelände des Spitals von Carmelo, der einzigen noch funktionierenden medizinischen Einrichtung in der Stadt, haben wir einen Gesundheitsposten eingerichtet. Innerhalb von zwei Tagen hat unser Team bereits 400 Sprechstunden durchgeführt. Wir behandeln Menschen, die bei den Fluten verletzt wurden, und stellen die Medikamentenversorgung für die HIV- und Tuberkulose-Patienten sicher, damit ihre Behandlung nicht unterbrochen wird.

Behandlung darf nicht unterbrochen werden

Die HIV-Prävalenz in Gaza ist eine der höchsten in ganz Mosambik. Es ist sehr wichtig, dass alle HIV-Patienten regelmäßig ihre antiretroviralen Medikamente bekommen. Nicht wenige Krankenakten sind verloren gegangen und die Patienten erinnern sich oft nicht mehr, welche Medikamente ihnen verschrieben wurden. Das kann die Kontinuität der Behandlung erschweren. Gleichzeitig kommen aber die Patienten sofort zu uns, was zeigt, wie wichtig ihnen ihre Gesundheit ist.

Zum Glück ist die monatliche Lieferung an antiretroviralen Medikamenten genau in der Woche vor den Regenfällen eingetroffen und die Pakete waren noch verschweißt. Die Arzneimittel sind nicht feucht geworden und wir haben für die kommenden Wochen genügend Vorrat auf Lager.

Auch die Tuberkulose-Patienten können noch aus den Beständen des Spitals von Carmelo versorgt werden. Bei ihnen kann jeder Behandlungsunterbruch schnell zu Resistenzen führen.

Fehlendes Trinkwasser

Im Lager Chiquelane sind ungefähr 40.000 Menschen aus Chokwe untergekommen, und hier fehlt es vor allem an Trinkwasser und sanitären Anlagen. Derzeit ist die Lage unter Kontrolle, aber wir müssen vor allem darauf achten, dass sich durch das verunreinigte Wasser keine Krankheiten, wie zum Beispiel die Cholera, ausbreiten. Wenn 40.000 Menschen auf so engem Raum zusammenleben, ist höchste Vorsicht geboten.

Unsicherheit über Wetter-Entwicklung

In Chokwe sinkt zwar langsam der Wasserpegel, aber noch ist nicht abzusehen, wie lange wir hier gebraucht werden. Ärzte ohne Grenzen bleibt so lange vor Ort, bis die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen wieder voll funktionsfähig sind und für alle der Zugang zu medizinischer Versorgung gewährleistet ist.

Bis hier wieder Normalität einkehrt, wird es noch einige Zeit dauern. Derzeit verfolgt das ganze Land ängstlich die Wetterprognosen für die kommenden Tage. Die Provinz Gaza wird voraussichtlich von weiterem Regen verschont werden, aber wir machen uns Sorgen um die Provinz Zambezia, wo hohe Wasserstände gemeldet wurden. Sollte es dort zu größeren Überschwemmungen kommen, weiß ich nicht, ob wir für einen zweiten Nothilfe-Einsatz noch genügend Kapazitäten haben.“

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