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Sonntag, 26. Mai 2013 | 08:49 CEST
Kolumbien, 10.11.2005: Die durch den anhaltenden Konflikt allgegenwärtige Gewalt stellt ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem für die Bevölkerung dar.Foto: Jesus Abad Colorado

Gewalt

In fast allen Einsatzgebieten behandelt Ärzte ohne Grenzen Menschen, denen körperliche Gewalt angetan wurde. Damit sie wieder Vertrauen ins Leben fassen können, müssen zuallererst ihre Wunden verarztet werden.


Jährlich 1,6 Millionen Tote durch Gewalt

Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation sind erschreckend: 1,6 Millionen Menschen sterben Jahr für Jahr an den Folgen von Gewalt; auf jeden Getöteten kommen mindestens 40 Verletzte. Hinter den Zahlen stehen Schicksale: Ein kleiner Bub, der in einem Slum vor Rio de Janeiro in einen Schusswechsel zwischen Drogendealern geraten ist. Eine junge Mutter in der Demokratischen Republik Kongo, die beim Wasserholen auf eine Mine getreten ist und ein Bein verlor. Ein Mädchen, das ein paar hundert Kilometer weiter bei einem Überfall auf sein Dorf mehrfach vergewaltigt wurde.

Diese Zahlen der WHO stellen gerade einmal die Spitze des Eisberges dar. Viele Gewaltopfer erreichen nie einen Arzt, werden nie behandelt und von keiner Statistik erfasst. Das liegt zum einen an der unzureichenden medizinischen Versorgung in vielen Ländern. Zum anderen aber auch am Tabu, mit dem manche Formen der Gewaltausübung - vor allem im privaten und sexuellen Bereich - nach wie vor behaftet sind.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind oft die ersten und einzigen, die diesen durch Gewalt traumatisierten Menschen professionelle Hilfe anbieten. Ihre Stärke ist, dass sie dort vor Ort sind, wo andere gar nicht erst hinkommen. Die medizinische Versorgung von körperlichen Wunden ist immer ein erster, wesentlicher Schritt. Ärzte ohne Grenzen setzt sich zunehmend dafür ein, weitere Schritte folgen zu lassen, denn die Behandlung von Gewaltopfern darf nicht aufhören, sobald ihre Schussverletzungen und Schnittwunden verheilt sind. Daher wird von Ärzte ohne Grenzen immer öfter auch psychologische Betreuung angeboten, ob für Kinder in den Palästinensergebieten, für Jugendliche in den Straßen von Guatemala, oder für vergewaltigte Frauen im Kongo.


Gewalt auch gegen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen

Nicht nur die Opfer, auch die Helfer bewegen sich in den Einsatzländern zunehmend auf einem schmalen Grat. Immer wieder müssen Teams aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Trotz hoher Sicherheitsauflagen und genauer Sicherheitsinstruktionen durch Ärzte ohne Grenzen verschärft sich das Klima der Gewalt in vielen Einsatzländern. Dies wird durch eine zunehmende Vermischung von humanitärer Hilfe und militärischen Zielen in der Wahrnehmung der Bevölkerung noch verstärkt. Die Folge: In Ländern wie Afghanistan oder Irak kann Ärzte ohne Grenzen - wie auch viele andere Hilfsorganisationen - aus Sicherheitsgründen keine, oder nur sehr eingeschränkt, unabhängige humanitäre Hilfe leisten.

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