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Eine in den Einsatzgebieten von Ärzte ohne Grenzen oft anzutreffende Form der Gewalt ist die Sexuelle Gewalt. Trotz internationaler Zusicherungen sind Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen nach wie vor an der Tagesordnung. Die Berichte von Betroffenen illustrieren auf schreckliche Art und Weise den Alltag der Frauen in den Einsatzgebieten von Ärzte ohne Grenzen.
In Krisengebieten spielen sich tagtäglich schreckliche Tragödien ab, und sehr oft sind es die Frauen, die durch ihre Verletzbarkeit am meisten unter den Gewalttätigkeiten leiden. Angesichts der von den Männern begangenen Grausamkeiten ist es umso bewundernswerter, mit welchem Mut und welcher Beharrlichkeit sie ihre Familien und Kinder schützen. Um den Frauen die Hilfe zu gewähren, auf die sie ein Recht haben, betreibt Ärzte ohne Grenzen vor allem in Konfliktzonen und Gebieten extremer Armut Mutter-Kind-Gesundheitsprogramme, richtet Zentren für Frauengesundheit ein und betreut Frauen sowohl medizinisch als auch nach Möglichkeit psychologisch.
Zahlen und Fakten
- 49.7 Prozent der Weltbevölkerung sind Frauen
- Weltweit wird eine von fünf Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung
- Mehr als 135 Millionen Mädchen und Frauen wurden Opfer weiblicher Genitalverstümmelungen. Weitere zwei Millionen Mädchen und Frauen laufen jährlich Gefahr, weitere Opfer zu werden (pro Tag 6.000)
Frauen und Krieg
In Darfur und in anderen Kriegsgebieten wie der Demokratischen Republik Kongo sind Vergewaltigungen Teil der Kriegsstrategie. Sexuelle Gewalt ist ein Kriegsmittel, das bewusst eingesetzt wird, um einen Teil der Zivilbevölkerung - oft eine ganz bestimmte Gruppe - zu destabilisieren und zu bedrohen.
- 80 Prozent der weltweiten Flüchtlinge sind Frauen und Kinder
- In 85 Prozent der Konfliktzonen wurde von Frauen- und Kinderhandel berichtet
- In Ruanda wurden während des Genozids 1994 zwischen 250.000 und 500.000 Frauen vergewaltigt
- In Bosnien und Herzegowina wurden während des Konfliktes zwischen 1992 und 1995 20.000 - 50.000 Frauen vergewaltigt
Problem Stigmatisierung
Frauen und Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt waren, erhalten von ihrer Umgebung oft keine Betreuung, sondern werden verstoßen. Wie Ärzte ohne Grenzen in Darfur beobachtet hat, ist es üblich, dass eher die Opfer eingesperrt werden als die Täter, was die ohnehin entsetzlichen Rahmenbedingungen noch verschärft. Trotz der verheerenden Konsequenzen der Vergewaltigungen haben diese aber bisher nicht die internationale Aufmerksamkeit erhalten, die die Schwere des Verbrechens und der Folgen verlangen würde.
Weil Vergewaltigungen auf der ganzen Welt mit einem Tabu behaftet sind und es den Frauen meist nicht leicht fällt darüber zu reden, integriert Ärzte ohne Grenzen die speziellen Hilfsprogramme immer in allgemeine Gesundheitszentren für Frauen. So können die Patientinnen Hilfe suchen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Aufklärungsarbeit ist immer eine begleitende Maßnahme. Ziel ist es, die Frauen in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und den Männer klar zu machen, dass Gewalt gegen Schwächere niemals normal sein kann.
Ärzte ohne Grenzen fordert ein Ende der Gewalt gegen Frauen
Ärzte ohne Grenzen fordert die Kriegsparteien in Konfliktzonen auf der ganzen Welt daher dringend auf, diese Form von Gewalt gegen die Zivilbevölkerung zu stoppen, die einen absoluten Verstoß gegen das Internationale Völkerrecht darstellt. Die lokalen Behörden sind aufgefordert, dieses abscheuliche Verbrechen nicht länger zu tolerieren und die Straffreiheit der Täter zu beenden. Ärzte ohne Grenzen appelliert an lokale Regierungen und medizinische Institutionen, eine umfassende und adäquate Behandlung für Opfer sexueller Gewalt zu gewährleisten und für ein Ende des Stigmas und der Zurückweisung zu sorgen, mit denen Opfer von Vergewaltigungen konfrontiert sind.






