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HIV/Aids
Seitdem Aids in den frühen 1970er Jahren im damaligen Zaire (der heutigen D.R. Kongo) zum ersten Mal aufgetreten ist, hat sich die Krankheit in den 80er Jahren explosionsartig ausgebreitet. Heute leben nach Angaben von UNAIDS (2007) weltweit 33.2 Millionen Menschen mit HIV. 95 Prozent von ihnen leben in ärmeren Ländern. Aids zählt neben infektiösen Durchfallerkrankungen, Pneumonien, Tuberkulose und Malaria weltweit zu den fünf häufigsten Todesursachen. In Afrika steht die Krankheit dabei an erster Stelle.
Symptome und Krankheitsverlauf
Befindet sich das HI-Virus (human immune deficiency virus) im Körper, greift es die sogenannten CD4-Zellen (T-Helferzellen) an, die einen Teil der weißen Blutkörperchen und damit des Immunsystems darstellen. Die Invasion und Vermehrung des Virus kann zu einer akuten HIV-Krankheit führen und eine kurze grippeähnliche Symptomatik mit Fieber, Lymphknotenschwellung und Hautausschlag auslösen. Im Anschluss daran kann das Virus über mehrere Jahre (bis zu über zehn Jahren) im Körper überdauern, ohne dass klinische Krankheitszeichen auftreten. Dabei vermehrt sich das Virus kontinuierlich. Das klinische Syndrom Aids (aquired immune deficiency syndrome) zeichnet sich dadurch aus, dass es aufgrund einer fortschreitenden Immunschwäche zum Ausbruch verschiedener Erkrankungen - so genannter opportunistischer Infektionen - kommt, die vom Körper nicht mehr bewältigt werden können. Das erste Zeichen für Aids kann ein langanhaltender, kräftezehrender Durchfall sein, der zu einem ausgeprägten Gewichtsverlust führen kann. Weitere Manifestationen sind eine schnell fortschreitende Tuberkulose, ausgedehnte Candida-Infektionen (Soor) und weitere so genannte opportunistische Infektionen wie Herpes simplex, Pneumocystis carinii-Pneumonie (Lungenentzündung), Kryptokokken-Meningitis (Hirnhautentzündung) und Toxoplasmose des Gehirns (eine diffuse Entzündung des Gehirns). Durch die fortschreitende Schwächung des Immunsystems kann jede einzelne dieser Infektionen zum Tode führen.
Infektionsweg
Das HI-Virus wird über Sexual- und Blutkontakte übertragen. Die häufigste Verbreitung des Virus erfolgt über Sexualkontakte, aber auch Transfusionen von infiziertem Blut oder Blutprodukten sowie das gemeinsame Benutzen von Spritzen durch Drogenabhängige führen zu einer Infektion. Auch auf Neugeborene kann das Virus entweder unmittelbar vor oder während der Geburt übergehen. Die Ansteckungsrate kann durch eine antiretrovirale Behandlung der Mutter vor der Geburt sowie durch einen Kaiserschnitt vor Wehenbeginn deutlich gesenkt werden. Vom Stillen sollte eine infizierte Mutter - wenn möglich - aufgrund der Ansteckungsgefahr absehen.
Behandlung
Bei der Therapie einer HIV-Infektion sowie Aids wird zweigleisig vorgegangen: Sobald opportunistische Infektionen auftreten, werden diese entsprechend medikamentös behandelt. Sinkt die Zahl der CD4-Zellen unter einen bestimmten Grenzwert, erhalten die Patienten so genannte antiretrovirale Medikamente. Diese Arzneimittel können die Krankheit nicht heilen, sie können jedoch das Leben der Betroffenen deutlich verlängern und ihre Lebensqualität verbessern. Die Industrieländer verfügen mittlerweile über ein großes Spektrum an spezifischen antiretroviralen Medikamenten, die durch eine Hemmung der Virusvermehrung zu einer Rückbildung der HIV-bedingten Symptome führen und einer Verschlechterung des Krankheitsprozesses entgegenwirken. Unterschiedliche Stoffgruppen bieten eine Vielfalt von Behandlungsmöglichkeiten. Um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen und der Bildung von Resistenzen entgegenzuwirken, werden in der Regel drei verschiedene Präparate miteinander kombiniert (Dreifachtherapie). Auch schwangere HIV-positive Frauen erhalten vor der Geburt eine antiretrovirale Behandlung. Die Übertragungsrate des Virus kann dadurch deutlich gesenkt werden.
In ärmeren Ländern sind diese Medikamente aufgrund ihres extrem hohen Preises häufig nicht verfügbar. 1999 hat Ärzte ohne Grenzen deshalb eine Kampagne ins Leben gerufen, die den Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten überall auf der Welt nachhaltig sichern soll ("Medikamentenkampagne"). Im Rahmen dieser Kampagne hat die Organisation zahlreiche Projekte gestartet, in denen die HIV/Aids-Patienten neben der Therapie opportunistischer Infektionen auch antiretrovirale Medikamente erhalten. Damit zeigt Ärzte ohne Grenzen, dass es möglich ist, diese Arzneimittel auch unter einfachen Bedingungen in ärmeren Ländern erfolgreich einzusetzen.
Derzeit behandelt Ärzte ohne Grenzen 100.500 Patienten in 32 Ländern mit antiretroviralen Medikamenten. Zirka 7 % dieser Patienten sind Kinder. Darüber hinaus erhalten die Patienten umfangreiche psychosoziale Unterstützung, die in Zusammenarbeit mit den einheimischen Mitarbeitern und Organisationen erfolgt. Dabei soll der Zugang zu angemessener Pflege sichergestellt und jegliche Form der Diskriminierung ausgeschlossen werden. Dies ist besonders bei Menschen wichtig, die ohnehin bereits zu den sozialen Randgruppen zählen, wie Prostituierte und Straßenkinder.
Vorbeugung
Die Übertragungswege für das HI-Virus sind bekannt. Die Schwierigkeit liegt jedoch darin, Gruppen und Einzelne davon zu überzeugen, das vorhandene Wissen über Schutz und Ansteckung auch umzusetzen. Ärzte ohne Grenzen wendet folgende Methoden an:
- Es werden kulturell angepasste Aufklärungsprogramme über "safer sex" durchgeführt.
- Freiwillige HIV-Tests werden angeboten, die eine ausführliche Beratung vor und nach dem Test beinhalten.
- HIV-positive Schwangere werden vor der Geburt medikamentös behandelt. Damit kann die Mutter-Kind-Übertragungsrate von über 30 auf unter 15 Prozent gesenkt werden.
- Krankenhäuser und Gesundheitszentren werden mit sterilem Material versorgt, so dass die Übertragung durch unsterile Spritzen und OP-Besteck verhindert wird.
- Kondome werden an Männer und Frauen aller Altersstufen verteilt und lokale Aufklärungsprogramme werden unterstützt.
- Örtliche "Vorbilder" werden geschult (einflussreiche Personen wie beispielsweise Stammesälteste, traditionelle Geburtshelfer, Lehrer und kulturelle Leitfiguren wie Musiker, deren Beispiel gerne nachgeahmt wird).
- Informationsprogramme für Prostituierte werden eingerichtet.
- Behandlungsprogramme für andere sexuell übertragbare Krankheiten müssen erstellt und durchgeführt werden, da sich gezeigt hat, dass die durch diese Krankheiten hervorgerufenen Entzündungen das Eindringen von HIV in den Körper begünstigen.
- Nationale Mitarbeiter des Gesundheitswesens werden hinsichtlich sauberer Sterilisationstechniken und Abfallbeseitigung geschult.
- Lobbyarbeit zugunsten der Aids-Kranken in einer Gemeinschaft wird unterstützt. Es muss gewährleistet sein, dass diese medizinisch und sozial betreut und nicht von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Tabus sollen abgebaut werden, um die Aufklärung über die Krankheit voranzutragen.
Ärzte ohne Grenzen auf der IAC 2010 in Wien
Alle Informationen: aids2010.msf.org


















