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Meningitis
Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- bzw. Rückenmarkshäute, das heißt der Membranen, die Gehirn und Rückenmark umhüllen. Es gibt eine Vielzahl von Erregern (Viren, Bakterien, Parasiten), die eine Meningitis auslösen können. Einer der gefährlichsten Erreger ist das Bakterium Neisseria meningitidis, meist Meningokokkus genannt. Er zeichnet sich durch eine hohe Ansteckungsgefahr (Virulenz) aus und löst im Gegensatz zu den anderen Meningitiserregern öfter Epidemien aus.
Die Meningokokkenmeningitis kann endemisch und epidemisch auftreten. Von einer endemischen Verbreitung spricht man, wenn die Krankheit in einem bestimmten Gebiet regelmäßig auftritt und es von Zeit zu Zeit zum sporadischen Auftreten einzelner Meningitisfälle kommt. Bei einer Epidemie hingegen kommt es zu einer überdimensional starken Zunahme der Meningitisfällen.
Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten ein Gebiet, das als "Meningitis-Gürtel" bezeichnet wird. Hier treten regelmäßig große Epidemien auf, die dann Tausende von Menschen betreffen. In solchen Fällen ist der Einsatz spezialisierter Teams wie beispielsweise von Ärzte ohne Grenzen erforderlich.
Symptome
Nach einem Beginn mit uncharakteristischen Allgemeinbeschwerden treten bei fast allen Erkrankten die drei klassischen Symptome hohes Fieber, Nackensteife und starke Kopfschmerzen auf. Es kommt zu Übelkeit und Erbrechen. Mit zunehmender Schwere der Erkrankung treten Bewusstseinsstörungen und Bewusstlosigkeit auf. Zusätzlich besteht bei schweren Verläufen meist auch ein Hautausschlag durch Blutungen in der Haut.
Der Erkrankungsbeginn kann dramatisch sein und innerhalb weniger Stunden zur Bewusstlosigkeit führen. In schwersten Fällen kann es innerhalb kurzer Zeit zum Tod durch Herz-Kreislaufversagen bei massivsten Blutgerinnungsstörungen kommen.
Die Sterberate (Letalität) bei unbehandelter Meningokokken-Meningitis liegt bei zumindest 50%. Selbst bei guter medizinischer Versorgung, bei raschem und richtigem Therapieansatz, gibt es in 5 bis 10% tödliche Ausgänge.
Bei bis zu 20% der Überlebenden bleiben dauerhafte Hirnschädigungen zurück, vor allem in der Form von Taubheit und Geistesschwäche.
Infektionsweg
Erregerreservoir der Meningokokken ist der Mensch. Häufig ist die Quelle für eine Infektion eine asymptomatische Besiedlung des oberen Respirationstrakts. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion, besonders in schlechten Wohnverhältnissen und bei engem Zusammenleben.
Viele der Infizierten erkranken nicht und werden gesunde Bakterienträger, die die Keime im Nasen-Rachenraum beherbergen und weiterverbreiten.
Die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) wird mit ein bis zehn Tagen angegeben.
Krankheitsentstehung
Ein gewisser Anteil der gesunden Bevölkerung beherbergt Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum, ohne daran zu erkranken. Diese gesunden Überträger machen im Allgemeinen 2 bis 30% der Gesamtbevölkerung aus, je nach Alter und Lebensbedingungen.
Gesunde Überträger sind eine wichtige Infektionsquelle.
Eintrittspforte für die Meningokokken ist die Schleimhaut des Nasen- und Rachenbereiches. Von dort gelangen die Erreger entweder mit dem Lymphstrom oder auf dem Blutweg zu den Hirnhäuten und verursachen dort Entzündungsreaktionen. Die normalerweise klare Hirnflüssigkeit (Liquor) trübt ein und wird zähflüssig, der Hirndruck steigt.
Die Meningokokken können sich auch im gesamten Blutgefäßsystem verteilen (Sepsis), weiters haben sie eine spezifische toxische Wirkung. So kann es zu Hautblutungen und zum Schock kommen.
Behandlung
Diagnostik
Die Diagnose wird durch die Lumbalpunktion (Kreuzstich) gestellt. Dem Patienten wird mittels einer Kanüle im Bereich des unteren Rückenmarkskanals eine geringe Menge Liquor entnommen. Bei Meningokokken-Meningitis ist die Rückenmarksflüssigkeit durch die entzündlichen Veränderungen trüb. Durch entsprechende Färbemaßnahmen kann man die Erreger im Mikroskop sehen, weiters kann man sie in der Kultur nachweisen.
Bei einer Epidemie ist diese aufwendige Untersuchung aufgrund der hohen Patientenzahlen nicht immer durchführbar. In epidemischen Situationen verwendet Ärzte ohne Grenzen eine klinische Falldefinition zur Diagnosestellung. Hohes Fieber und mindestens drei der folgenden Zeichen müssen festgestellt werden: Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Krämpfe, Koma oder die für Meningokokken typischen Hautblutungen.
Therapie
Der wichtigste Faktor für den Ausgang der Erkrankung ist der rasche Einsatz einer Antibiotikatherapie. Bei guter medizinischer Versorgung und bei wenigen Fällen von Meningitis erhalten die Patienten im Krankenhaus mehrmals täglich Antibiotika in intravenöser Form.
Bei einer großen Epidemie, bei der zum Teil mehrere hundert Fälle am Tag behandelt werden müssen, ist ein solches Vorgehen nicht mehr möglich. In diesem Fall hat sich für Ärzte ohne Grenzen die Gabe einer öligen Suspension des Antibiotikums Chloramphenicol bewährt. In dieser Form hat das Medikament eine lange Wirkungsdauer, so dass eine einmalige intramuskuläre Gabe ausreicht und die Wirkung 24 Stunden und länger anhält. Die meisten Patienten können sogar mit einer einzigen Injektion geheilt werden. Die Vorteile dieser einfachen Behandlung machen sich besonders in abgelegenen ländlichen Gebieten bemerkbar, wo viele weit voneinander entfernt lebende Menschen behandelt werden müssen.
Vorgehen bei Epidemie
In den vergangenen Jahren kam es wiederholt zu großen Epidemien. Vor allem im so genannten Meningitis-Gürtel Afrikas zwischen der Sahara und den Wäldern rund um den Äquator ereignen sich die schwersten Epidemien in der heißen Zeit am Ende der Trockenperiode (März bis April).
Man spricht von einer Epidemie, wenn ein gewisser Grenzwert an Erkrankungen überschritten wird. So zum Beispiel wird bei mehr als 15 Fällen auf 100.000 Einwohner pro Woche über einen Zeitraum von zwei aufeinander folgenden Wochen von einer Meningitisepidemie ausgegangen.
Beim Ausbruch einer Meningokokken-Epidemie geht Ärzte ohne Grenzen zweigleisig vor:
- Impfung:
In der betroffenen Region wird eine Massenimpfkampagne durchgeführt. In der Regel werden alle Personen zwischen zwei und 25 Jahren geimpft. Ältere Personen haben im Allgemeinen bereits zu einem früheren Zeitraum eine Meningokokkeninfektion durchgemacht und verfügen über eine natürliche Immunität. Außerdem verläuft die Krankheit in dieser Altersgruppe meist harmloser. Kinder unter zwei Jahren sind gefährdet, aber sie bauen meist keine gute Immunantwort auf die Impfung auf. Die Impfung älterer Kinder und Erwachsener in ihrer Umgebung verleiht den Jüngeren durch die so genannte "Umgebungsimmunität" ein gewisses Maß an Schutz. - Behandlung:
Ärzte ohne Grenzen benutzt zur Behandlung der Meningitis das Antibiotikum Chloramphenicol als ölige Suspension. Diese Form verleiht dem Medikament eine lange Wirkungsdauer, so dass es als einmalige intramuskuläre Injektion angewendet werden kann und eine Wirksamkeit über 24 Stunden und mehr aufweist. Die meisten Patienten können mit einer einzigen Injektion geheilt werden. Dies ist besonders in abgelegenen ländlichen Gebieten von Vorteil, wo viele weit voneinander entfernt lebende Menschen behandelt werden müssen.
Vorbeugung
Um den Ausbruch einer Meningitisepidemie zu verhindern, wird die Bevölkerung vor einer befürchteten Epidemie geimpft (siehe Vorgehen bei einer Epidemie). Zusätzlich muss für ausreichend Platz und Unterkünfte gesorgt werden, da beengte Lebensverhältnisse die Ausbreitung der Krankheit über Tröpfcheninfektion fördern










