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Tuberkulose
Jährlich erkranken rund neun Millionen Menschen an Tuberkulose, 99 Prozent davon leben in ärmeren Ländern. Tuberkulose und Armut gehen Hand in Hand. Ungünstige soziale Verhältnisse und Massenkontakte, z. B. in Flüchtlingslagern, führen zu einer schnellen Verbreitung.
Tuberkulose ist erneut zu einer der häufigsten Todesursachen für Jugendliche und Erwachsene geworden. Die tuberkulosebedingten Sterbefälle werden weltweit auf 1,7 Millionen pro Jahr geschätzt. Das Tuberkuloseproblem wird durch die HIV/Aids-Epidemie noch verstärkt. Ein Drittel der weltweit an HIV Infizierten stirbt an Tuberkulose.
Symptome
Die Tuberkulose kann sich in sehr unterschiedlichen klinischen Verläufen manifestieren. In den meisten Fällen äußert sich die Tuberkulose durch Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust, weiters durch chronischen Husten, oft mit blutigem Auswurf kombiniert. Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, kann aber auch auf andere Organe übergreifen. Unbehandelt führt die Infektion meist in zwei bis fünf Jahren zum Tod.
Infektionsweg
Die Tuberkulose wird durch das Mycobakterium tuberculosis hervorgerufen und in der überwiegenden Mehrzahl aller Fälle durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Nur zehn Prozent der Infizierten entwickeln eine aktive Tuberkulose.
Krankheitsentstehung
Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Tuberkulose-Erreger infiziert, jedoch nur bei etwa zehn Prozent kommt es zu einer aktiven Tuberkulose. Bei 90 Prozent der Infizierten bleibt die Infektion lebenslang latent, ohne Symptome auszulösen.
Zum Ausbruch der Krankheit kommt es, wenn das Immunsystem eines Menschen durch unzureichende Ernährung oder durch Erkrankungen geschwächt ist. Die Tuberkulose tritt daher häufig als Folge einer Infektion mit HIV auf.
Am häufigsten betrifft die Infektion die Lunge, sie kann sich aber auch an fast allen anderen Organen manifestieren, wie beispielsweise den Nieren, Hirnhäuten, Lymphknoten oder dem Rückenmark.
Die Infektion schreitet langsam fort, bei fehlender Behandlung stirbt etwa ein Drittel innerhalb von zwei Jahren und ein weiteres Drittel innerhalb von fünf Jahren. Die epidemiologische Bedeutung dieser langen Zeitspanne zwischen dem ersten Auftreten von Symptomen und dem Tod liegt darin, dass die Betroffenen in dieser Zeit die Tuberkelbazillen durch Husten an weitere Personen in ihrer Umgebung übertragen können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass sich in jeder Sekunde ein Mensch mit TB infiziert.
Die Tuberkelbazillen lösen zunächst einen entzündlichen Prozess aus, der Verkäsung genannt wird. Das zerstörte Gewebe hinterlässt eine dicke, käsige Substanz, die später vernarbt und ein funktionsunfähiges Gewebe zurücklässt. Besonders beim Befall mehrerer Organe führt dies neben dem Versagen der Organleistung zu einem dramatischen Gewichtsverlust, was der Tuberkulose ihren im 19. Jahrhundert verbreiteten Namen "Schwindsucht" gab.
Behandlung
Die von der WHO empfohlene sorgfältig kontrollierte Therapie, die DOTS-Strategie (Directly Observed Treatment Short Course) ist zwar effektiv, aber oft schwierig umzusetzen:
- Die Patienten müssen über einen Zeitraum von sechs Monaten unter direkter Kontrolle des medizinischen Personals ihre Tabletten einnehmen. Dies ist mit hohen Personalkosten verbunden und meistens mit einem Lohnausfall für die Patienten.
- Kein Antibiotikum allein kann alle Tuberkelbazillen im Körper einer betroffenen Person abtöten. Neben ihrer extremen Widerstandsfähigkeit sind die Tuberkulose-Erreger in der Lage, Resistenzen gegen die angewandten Medikamente zu entwickeln. Die einzig effektive Methode der Behandlung besteht darin, gleichzeitig mehrere unterschiedliche Medikamente über einen längeren Zeitraum (üblicherweise sechs Monate) zu geben.
- Es muss gewährleistet sein, dass die Patienten regelmäßig über den gesamten Zeitraum ihre Medikamente einnehmen. Wenn nach einigen Wochen das Fieber und der Husten zurückgehen, die Patienten wieder an Gewicht zunehmen und das allgemeine Krankheitsgefühl nachlässt, ist die Gefahr groß, dass die Patienten ihre Medikamente eigenhändig absetzen. In diesem Fall kann es einerseits zu einem Rückfall kommen. Andererseits kommt es, wenn die Medikamente weder regelmäßig noch lange genug eingenommen werden, zu der Entwicklung von Resistenzen. Die Behandlung einer multiresistenten Tuberkulose kostet zwischen 8.700 und 13.800 Euro pro Patient und ist somit für die meisten Kranken unerschwinglich. Die Diagnose einer multiresistenten Tuberkulose gleicht so für viele Menschen einem Todesurteil, während sich die Krankheit gleichzeitig weiter ausbreitet.
Vorgehen bei Epidemie
Ärzte ohne Grenzen verfolgt bei der Prävention mehrere Ansatzpunkte:
- Zunächst konzentriert sich die Arbeit auf die Schulung der nationalen Mitarbeiter, so dass diese die DOTS-Strategie (siehe Behandlung) bei den Patienten anwenden können.
- Die Bevölkerung und die nationalen Mitarbeiter müssen über die vielfältigen Symptome der Tuberkulose informiert werden, so dass Infizierte erkannt und einer Behandlung zugeführt werden können. Dies ist besonders wichtig, da diese Betroffenen ihre Mitmenschen durch Ansteckung gefährden.
- Entsprechende Laboratorien müssen eingerichtet werden, um eine adäquate Diagnostik der Tuberkulose zu ermöglichen.
- In Flüchtlingslagern müssen ausreichend Unterkünfte und Platz geschaffen werden, da die Infektionsgefahr in beengten Lebensräumen steigt.
- Spezielle Kontrollprogramme für gesellschaftliche Randgruppen wie Gefangene, Slumbewohner und Obdachlose müssen aufgebaut werden, da diese oft keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.
Die Tuberkuloseschutzimpfung (BCG-Impfung) wurde schon 1921 eingeführt. Sie kann unangenehme Nebenwirkungen haben, wie z. B. starke Geschwürbildung an der Impfstelle oder Einschmelzen der regionalen Lymphknoten.In Ländern mit hoher Tuberkulose-Inzidenz soll die BCG-Impfung allen Kindern verabreicht werden. Sie schützt zwar nicht vor der Infektion mit Tuberkelbazillen, aber eine relativ hohe Schutzrate (etwa 80%) vor besonders schweren Formen der Tuberkulose, wie Meningitis oder generalisierter Tuberkulose (Miliar-TB), konnte nachgewiesen werden.
Es besteht der Bedarf für einen wirkungsvolleren und nebenwirkungsärmeren Tuberkulose-Impfstoff, der aber in den kommenden Jahren noch nicht erhältlich sein wird.
Vorbeugung
Nachdem Tuberkulose bei Erwachsenen nach wie vor die häufigste infektiöse Todesursache ist und die Erkrankungszahlen in den letzten Jahren zugenommen haben, kann man von einer globalen Tuberkulose-Epidemie sprechen. Die höchste Tuberkuloseprävalenz findet man in Afrika südlich der Sahara, in Südostasien und in Gebieten der ehemaligen Sowjetunion.
Das Tuberkuloseproblem wird durch die zunehmende Anzahl an HIV-Infektionen potenziert. Hinzu kommt ferner das Problem vermehrt auftretender Resistenzen gegenüber Tuberkulose-Medikamenten.
Ein funktionierendes Gesundheitssystem, das langfristig und nachhaltig arbeitet, steht in Zeiten, in denen sich die Tuberkulose wieder massiv verbreitet, an erster Stelle.
Ein vorzeitig eingestelltes TB-Therapieprogramm birgt die Gefahr, multiresistente Tuberkulose hervorzurufen.
DOTS (direkt kontrollierte Kurzzeittherapie) wurde von der WHO als weltweit empfohlene Strategie übernommen.
Die Patienten müssen über einen Zeitraum von sechs Monaten täglich unter der direkten Kontrolle des medizinischen Personals ihre Medikamente einnehmen. Der Erfolg wird durch regelmäßige Kontrollen festgestellt.



















