Freitag, 10. September 2010 | 02:33 CEST

Lamno, Indonesien, 31.12.2004: Lamno, Indonesien, Dezember 2004: Kinder zeichnen nach dem Tsunami mit einer Psychologin von Ärzte ohne Grenzen, um ihre Gefühle zu verarbeiten.Foto: Kris Torgeson

Mentale Gesundheit

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln nicht nur physische, sondern auch psychische Wunden, seien sie psychologischer oder psychiatrischer Art.

Kriegszustände, der Verlust von Angehörigen, Flucht oder schwere Krankheit sind schwere Belastungen für die Betroffenen. Auch wenn die Umstände von einem Land oder Volk zum anderen sehr verschieden sind, erleben viele Menschen schwere Krisen: Individuen, Familien oder ganze Gesellschaften fallen aus dem Gleichgewicht. Bei Erwachsenen wie auch bei Kindern kann eine Somatisierung stattfinden - das geistige Leid drückt sich in körperlichen Beschwerden aus.

Oft kommen Menschen wegen körperlicher Probleme in die Sprechstunde. Was wie eine organische Krankheit aussieht, entpuppt sich oft als psychologisches Trauma. Kinder sind besonders stark gefährdet, denn sie können direkt oder indirekt betroffen sein, beispielsweise wenn trauernde oder gebrochene Eltern nicht mehr für sie da sein können.


Psychosoziale Hilfe für am stärksten Betroffene

Die Programme für mentale Gesundheit wenden sich deshalb an Bevölkerungsgruppen, die in einer Krisensituation besonders schwer betroffen sind:

  • Erwachsene und Kinder, die wegen eines Konfliktes oder einer Naturkatastrophe traumatisiert sind
  • Kinder mit Entwicklungsstörungen (z.B. Kinder, die in ein Ernährungszentrum aufgenommen wurden, und die ohne physiologische Betreuung nicht an Gewicht zulegen)
  • Mütter, bei denen die Beziehung zu ihren Babys gestört ist
  • Kinder, die ausgeschlossen wurden (Straßenkinder oder Gefangene)
  • Kinder, die sich nach einer Gefangenschaft nicht wieder in die Gesellschaft eingliedern können. In diesen Fällen werden Krisentherapien organisiert und durchgeführt

Bei diesen Aktivitäten ist die Ausbildung des Personals immer ein wichtiger Bestandteil der Hilfe. Es geht darum, lokale Psychiater und Psychologen auszubilden, aber auch anderes Personal für die grundlegenden psychologischen Bedürfnisse der Patienten zu sensibilisieren. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind in diesen Fällen klinische Psychologen oder Psychiater. Sie arbeiten in Ernährungszentren, Auffangstationen für ehemalige Gefangene, in Elendsvierteln, Gefängnissen oder Ambulatorien.

Die angewendeten Programme erlauben auch, eine Expertise im Bereich mentaler Gesundheit in Krisensituationen zu erstellen und so die Pflege- und Ausbildungstechniken zu verbessern. Das zusammengetragene Know-how kommt dann anderen Einsätzen zugute. Es ist sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen die psychologischen Bedürfnisse einer bestimmten Situation einschätzen können.

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