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Noteinsätze und Naturkatastrophen
Ärzte ohne Grenzen leistet Nothilfe in den Ländern, in denen die Gesundheitsstrukturen zusammengebrochen sind oder Bevölkerungsgruppen unzureichend versorgt werden.
Die wichtigsten Gründe für einen Noteinsatz sind:
- Flucht und Vertreibung
- Konflikte, Kriege
- Hungersnöte
- Naturkatastrophen
- Epidemien
Naturkatastrophen: Das Überleben der Bevölkerung sichern
Erdbeben, Wirbelstürme, Hurrikane, Überschwemmungen und Vulkanausbrüche. Diese Naturereignisse können innerhalb von Minuten ganze Gebiete verwüsten und katastrophale Auswirkungen auf die ökonomischen und sozialen Strukturen haben: zerstörte Verkehrswege, eingestürzte Gebäude, unterbrochene Trinkwassersysteme und Telekommunikationsnetze. Ohne Wasser und Strom können auch Spitäler nicht mehr funktionieren. Ohne funktionierende Kommunikation ist es auch schwierig, Hilfsaktionen für die Betroffenen zu organisieren.
Um möglichst viele Leben zu retten und den Verletzten sinnvoll zu helfen, müssen die Hilfsanstrengungen schnell und gut koordiniert sein. Im Gegensatz zu anderen Hilfsprojekten, wo zur Abklärung der Situation zuerst ein Erkundungsteam vor Ort geschickt wird, muss der Einsatz bei einer Naturkatastrophe umgehend ausgelöst werden. Wenn dann die Regierung des betroffenen Landes einen Hilfsruf an die Internationale Gemeinschaft richtet, integrieren sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen in die von den lokalen Behörden koordinierten Hilfsanstrengungen.
Ärzte ohne Grenzen verfügt über jederzeit einsatzbereites Hilfsmaterial in Form von modulartigen Kits. Das Material liegt fertig abgepackt mit den nötigen Zollpapieren bereit. Die Logistik von Ärzte ohne Grenzen ist fähig, innerhalb von 24 - 48 Stunden ein beladenes Frachtflugzeug in das Katastrophengebiet zu schicken.
1. Schritt:
Die Hilfsgüter müssen ohne Zeit zu verlieren an der jeweiligen Destination am Flughafen oder im Schiffshafen ankommen.
2. Schritt:
Die medizinischen, logistischen oder ernährungstechnischen Hilfsgüter müssen möglichst schnell vor Ort gebracht werden.
Die Prioritäten bei einem solchen Einsatz sind immer folgende: möglichst ungehinderter Zugang zu den Opfern, Verteilung von Hilfsgütern (Noternährung, Planen zum Schutz vor Witterung, etc.), Sicherung der Trinkwasserversorgung und Erstellung von Kommunikationsmöglichkeiten.
Nothilfe bei Naturkatastrophen hat zwei Prioritäten:
Medizinische Hilfe:
- provisorische Errichtung von Feldspitälern und Kliniken
- Versorgung mit Medikamenten und medizinischem Material
- Epidemiologische Überwachung
- bei extremen Notfällen: Trennung der Schwerverletzten von leichter Verletzten, Einsatz von chirurgischen Teams
- Wiederaufbau von lokalen Gesundheitsstrukturen
- Impfung gegen die wichtigsten Krankheiten
- Errichtung und Betrieb von Noternährungszentren
Sanitäre und logistische Unterstützung:
- Unterstützung der Katastrophenopfer: Verteilung von Planen, Zelten und Decken zum Schutz vor der Witterung
- Sanitäre Unterstützung: Beschaffung, Lagerung, Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser, Erstellen von mobilen Trinkwassertanks, Entsorgung von Exkrementen (Bau von Latrinen), Abfalltrennung, Errichtung von Abwassergräben
Eine Adressdatei mit in Nothilfe erfahrenen Spezialisten ermöglicht es, innerhalb kürzester Zeit sogenannte "Emergency-Teams" (Nothilfe-Teams) zu bilden. Das erste Nothilfe-Team ist zumeist aus einem Arzt, einer Krankenschwester und einem Logistiker zusammengesetzt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen engagieren überall lokales Personal zur Durchführung und Unterstützung der Hilfsaktionen.
Ärzte ohne Grenzen verfügt über Nothilfe-Koordinatoren, um bei Katastrophen schnell reagieren zu können. Risikogebiete liegen vor allem in der Karibik und Asien, wo jedes Jahr Naturkatastrophen geschehen. Diese werden ständig überwacht und dort wird auch Hilfsmaterial eingelagert. Dies erhöht die Reaktionsfähigkeit und ermöglicht noch schnellere Hilfe.
Mittelfristige Hilfe und Übergabe an lokale Partner
Sobald die unmittelbarste Not gelindert ist, gilt es, die begonnenen Tätigkeiten auf eine längerfristige Basis zu stellen. Nach einer Naturkatastrophe oder einem bewaffneten Konflikt sind häufig die Gesundheitsinfrastrukturen zerstört. Das heisst, die Gebäude sind eingestürzt, das medizinische Personal ist verschwunden oder die Ausbildungsstätten (Institute und Schulen) funktionieren nicht mehr.
Neben den eigentlichen medizinischen Aktivitäten (zur Behandlung, aber auch zur Prävention, wie etwa bei epidemiologischen Studien) konzentrieren sich Ärzte ohne Grenzen auch auf andere Tätigkeiten. Ärzte ohne Grenzen führt auch Programme durch, die direkt an Noteinsätze anschliessen und mittelfristig angelegt sind - wenn zum Beispiel in einer Region zwar kein akuter Notfall herrscht, aber die Lage als chronische Krise bezeichnet werden muss. Dann hilft Ärzte ohne Grenzen beim Aufbau oder Wiederaufbau des Gesundheitssystems. Diese Programme setzen sich aus den unterschiedlichsten Aktivitäten zusammen, von der Ausbildung sowie technischen und logistischen Unterstützung lokaler NGOs über den Wiederaufbau bis hin zu spezifischen Programmen im Bereich Trinkwasser, Hygiene und sanitäre Anlagen.
Nach dem Abschluss solcher Programme versucht Ärzte ohne Grenzen stets einheimische Partner zu gewinnen, welche die getane Arbeit übernehmen, weiterführen und ausbauen können.






