Ärzte ohne Grenzen startet Masernimpfkampagne für mehr als 688.000 Kinder in Katanga
Im Osten der D.R. Kongo, im Distrikt Tanganyika der Provinz Katanga, ist eine Masernepidemie ausgebrochen. Masern können vor allem für Kinder gefährlich sein, Tausende Kinder in der Region haben jedoch keinen Impfschutz gegen die Viruserkrankung. Ärzte ohne Grenzen hat daher mit einer groß angelegten Impfkampagne begonnen und behandelt bereits infizierte Kinder.
Mehr als 2.000 Kinder sind im Distrikt Tanganyika im vergangenen halben Jahr an Masern erkrankt. Bekannt geworden sind 35 Fälle, in denen Menschen an den Folgen der Epidemie gestorben sind – tatsächlich könnten es aber mehr sein. Komplikationen, die auch noch Wochen nach der Infektion auftreten können, sind dabei die Haupttodesursache. "Masern sind hoch ansteckend, und hier sterben sehr viele Kinder daran", erklärt Josep Prior, Landeskoordinator in der Demokratischen Republik Kongo. "Kinder unter fünf Jahren zählen zu den am meisten Betroffenen, aber auch ältere Menschen können daran erkranken oder das Virus übertragen."
Ärzte ohne Grenzen unterstützt daher das kongolesische Gesundheitssystem. Die Mitarbeiter sorgen dafür, dass Masernpatienten isoliert werden und rechtzeitig Medikamente erhalten. Sie konzentrieren sich auf die akuten Fälle, Patienten mit Komplikationen wie Erkältungen, Durchfälle, Mangelernährung oder Dehydrierung. Die Teams werden zudem in zehn Bezirken Tanganyikas alle Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren impfen – insgesamt mehr als 688.000 Kinder.
Eine Generation von Kindern ohne Impfschutz
Eine ganze Generation von Kindern wurde dort nicht ausreichend geimpft und ist nun sehr gefährdet, sich zu infizieren. "In Tanganyika konnten während der Bürgerkriegsjahre keine effektiven Immunisierungen durchgeführt werden", so Josep Prior. "Viele Menschen sind geflohen und waren über Jahre abwesend. Sie haben sich an anderen Orten – auch außerhalb der D.R. Kongo - niedergelassen oder sich im Busch versteckt. Erst in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Lage wirklich beruhigt, und die Bevölkerung kehrt zurück in ihr Land."
Doch weil viele in sehr abgeschiedenen Gegenden leben, hat ein Teil der Bevölkerung immer noch keinen Zugang zur Basisgesundheitsversorgung. "Die Epidemie hat sich in einem großen Gebiet verbreitet, in dem wir Dörfer mit Autos kaum erreichen können", erklärt Anne Wouter, die ein Impfteam leitet. "Wir werden uns der Situation anpassen und passende Lösungen suchen. Wir benutzen Fahrräder sowie Motorräder, und auf dem Tangayika-Fluß, der den ganzen Distrikt durchzieht, fahren wir mit Booten. Die Organisation dieser Impfkampagne ist ziemlich komplex."
Die Impfkampagne hat am 7. Juli begonnen und wird zusammen mit den lokalen Gesundheitsbehörden durchgeführt. Sie wird mindestens vier Monate dauern. Allein 200 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen werden daran beteiligt sein. Der Distrikt Tangayika umfasst ein Gebiet, das einem Viertel der Fläche von Frankreich entspricht.

