Afghanische Regierung muss Mord vom Juni 2004 aufklären
Anlässlich des Besuchs des afghanischen Präsidenten Karsai in Belgien verlangt Ärzte ohne Grenzen von der afghanischen Regierung erneut die vollständige Aufklärung der Ermordung von fünf Mitarbeitern im Juni 2004.
Entgegen mehrfacher Versprechen der afghanischen Regierung wurden weder die mutmaßlichen Auftraggeber noch die Ausführenden des Verbrechens verfolgt oder festgenommen. Das afghanische Innenministerium ist für die Untersuchung und strafrechtliche Verfolgung der Tat verantwortlich und hat Ärzte ohne Grenzen darüber informiert, dass ein lokaler Polizeikommandant der Hauptverdächtige sei. Er war vor dem Verbrechen von seinem Posten im Distrikt Qadis der Provinz Badghis enthoben worden. Erst kürzlich bestätigte das afghanische Innenministerium jedoch, dass er trotz der Anschuldigungen wieder angestellt worden sei.
Hauptverdächtiger weiter im Amt
"Die Tatsache, dass ein Hauptverdächtiger in der Ermordung von humanitären Helfern erneut einen Posten innerhalb der Polizei bekommen hat, kommt einer offiziellen Billigung dieses Verbrechens gleich", erklärt Gorik Ooms, Geschäftsführer der belgischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "Regierungen wie die der USA und derjenigen europäischen Länder, die das Militär und die Polizei in Afghanistan unterstützen, dürfen nicht hinnehmen, dass unter den Partnern auf afghanischer Seite Personen sind, die mit der Ermordung von humanitären Helfern in Verbindung gebracht werden."
Appell an Verantwortliche
Ärzte ohne Grenzen ruft die Regierung in Afghanistan erneut dazu auf, ihrer Verantwortung nachzukommen, eine vollständige und glaubwürdige Untersuchung des Mordfalls vorzunehmen und die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen. "Das Versäumnis der afghanischen Regierung, die Verantwortlichen ausfindig zu machen und zu bestrafen, lässt den Eindruck entstehen, dass für die Mörder humanitärer Helfer in Afghanistan Straflosigkeit besteht", so Gorik Ooms. "Dieses aber verringert die Chancen, dass die afghanische Bevölkerung jetzt wie auch zukünftig humanitäre Hilfe erhält."

