Als Krankenschwester in Monrovia
Die schladminger Krankenschwester Monika Hutegger befindet sich seit Mai auf Einsatz im Westafrikanischen Liberia. In ihrem Brief berichtet sie von Leben und Arbeit in dem von Bürgerkrieg gezeichneten Land.
Hallo liebe Freunde,
Die Zeit vergeht wie im Flug, und nach sieben Monaten in Liberia steht meine baldige Abreise bevor: Zeit, über meine Erfahrungen, die ich hier als Krankenschwester gemacht habe, Resüme zu ziehen.
Zuerst ein allgemeines Update über die Lage in Monrovia, der Hauptstadt Liberias: Es gibt hier kein umfassendes Elektrizitätssystem, kein Abwassersystem, kein Fließwasser, und die meisten Brunnen sind in schlechtem Zustand und liefern verschmutztes Wasser. Die Armut ist extrem hoch, manche Quellen sprechen von einer Arbeitslosigkeitsrate von über 80 %. Die meisten Menschen in und im Umfeld der Stadt leben in Häusern aus Holz, Plastikplanen und Wellblech. 80 % der Bevölkerung können weder lesen noch schreiben. Es gibt kein Geld zur Instandhaltung von Straßen und Gebäuden. Dementsprechend sind die Hauptstraßen in sehr schlechtem Zustand, voller Schlaglöcher, und sie wurden durch die Regenzeit, die von Mai bis Oktober dauert, noch mehr in Mitleidenschaft gezogen.
Der Verkehr in Monrovias Innenstadt ist höllisch: Die meisten Fahrzeuge sind Wracks, die schwarze Abgaswolken ausstoßen und die Luft verpesten. Die meisten Gebäude wurden während des Bürgerkriegs, der von 1989 bis 2003 tobte, stark zerstört. Sie stehen entweder leer oder sind von Menschen besetzt, die darin Unterschlupf suchen.
Die Menschen hier setzen große Hoffnungen auf die nächste Regierung, die diese Tage gewählt wurde. Die ersten demokratischen Präsidentschaftswahlen fanden am 11. Oktober statt, es konnte jedoch keiner der 22 Kandidaten eine absolute Mehrheit erzielen. In einer zweiten Wahlrunde am 8. November Schlug die ehemalige Finanzministerin Ellen Johnson Srileaf den ?Weltfußballer des Jahres? 1995 Georg Weah. Sie ist damit die erste weibliche Präsidentin in Afrika. Alles Gute!
Trotz aller Tumulte rund um die Wahlen ging die Arbeit für uns weiter, selbst direkt vor dem Wahltag kamen viele Patienten in unser Krankenhaus. Einige Patienten warteten bereits ab 6 Uhr in der Früh auf Hilfe und Behandlung, und ich bin erstaunt, wie geduldig sie sind.
Da ich bereits in zwei Wochen meine Heimreise antrete, kann ich euch den kurzen Überblick über meine Arbeit bereits in der Vergangenheitsform schreiben. Zu meinen Hauptaufgaben zählten die Ausgabe und Überwachung von Medikamenten für alle vier Kliniken, die Supervision über die Krankenpflege (Impfungen, Verbände, Arzneiausgabe...), Gesundheitserziehung, Ernährungs-Screenings, Datenanalyse und das Schreiben monatlicher Berichte.
Während meines Einsatzes hier in Monrovia habe ich gelernt zu verstehen, wie Ärzte ohne Grenzen arbeitet, und ich bin sehr dankbar, für eine Zeit lang Teil dieser Organisation gewesen zu sein und mein Bestes für die Patienten habe geben können. Ein Dank geht auch an all meine Kollegen, mit denen ich hier wie in einer großen Familie zusammengelebt habe (wir sind eine große Gruppe von ungefähr 20 internationalen Mitarbeitern aus aller Welt, die das Badezimmer, die Ausgangssperren und den täglichen Reis zur Mittagszeit miteinander teilen).
Meine Arbeit als Krankenschwester hier in der Klink, die Nachtschichten im Redemption Hospital, meine Erfahrungen auf der Cholera-Station, oder ganz einfach die Treffen mit den Menschen auf der Straße, haben meine Denkweise geändert. Die Werte hier sind so anders und ich muss jetzt ein Gleichgewicht zwischen dem Leben von einem Tag auf den anderen (für die Menschen hier heißt es, Tag für Tag ums Überleben zu kämpfen) und dem Planen für die Zukunft finden.
Die besten Wünsche aus Liberia,
Monika

