Tuesday, 7. February 2012 | 20:44 CET

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Monika Hutegger, Krankenschwester aus Schladming, befindet sich derzeit auf Einsatz in Liberia.
Veröffentlicht am 27.07.2005
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Als Krankenschwester in Monrovia

Monika Hutegger berichtet in ihrem Brief von ihrem Arbeitsalltag als Krankenschwester in einem Gesundheitsprojekt in der von 14 Jahren Bürgerkrieg gezeichneten Hauptstadt Monrovia.

Hallo!



Höchste Zeit mich mal aus dem fernen Afrika zu melden. Nun bin ich ja

schon fast drei Monate hier in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, tätig.

Leider war hier bis August 2003 14 Jahre Bürgerkrieg, der zirka

200.000 Tote forderte und 700.000 Menschen zu Flüchtlingen machte. Nach wie vor sieht man die Auswirkungen: viele Flüchtlingslager, große Armut, zerbombte Häuser, nicht vorhandenes Wasser, fehlendes Kanalsystem, Müllberge und viele Krankheiten um nur einige zu nennen.



Zur Zeit gibt es eine Übergangsregierung und im Oktober finden die ersten Wahlen statt. Das Stadtbild ist geprägt von "Blauhelmen", zirka 15.000 UN-Soldaten sind hier stationiert und patrouillieren durch die Straßen. Sie sind mit vielen Checkpoints überall präsent und sorgen für Sicherheit.



Während des Krieges wurden in Liberia fast alle Gesundheitsstrukturen

zerstört, viele Menschen leben am Existenzminimum. Ärzte ohne Grenzen hat hier in Monrovia ein großes Gesundheitsprojekt aufgebaut, welches aus 2 Krankenhäusern und 4 Tageskliniken besteht. Ich bin die "clinic nurse". Die Kliniken sind unterschiedlich groß, wobei in der größten an die 8.000 Patienten im Monat behandelt werden. Die Patienten kommen in der Früh falls möglich zu Fuß oder werden mit der Schubkarre gebracht und warten dann dicht gedrängt auf die Registrierung und anschließend auf die Behandlung.



Neben der eigentlichen Behandlung gibt es auch die Gesundheitserziehung, weiters werden alle Babys und schwangeren Frauen geimpft. Bei den Kleinkindern wird auf Mangelernährung geschaut; Größe-Gewicht-Oberarmumfang werden gemessen und dementsprechend behandelt, bei schwerer Mangelernährung werden die Kinder ins Krankenhaus geschickt. Ein Schwerpunkt aller Kliniken liegt in der Familienplanung sowie in Vorsorgeuntersuchungen der Schwangeren und Nachsorgeuntersuchungen. Der Geburtenbereich ist in allen Klinken rund um die Uhr offen, da es einfach so viele Geburten gibt. Sehr viele sehr junge Frauen und Mädchen sind schon schwanger, leider gibt es auch sehr viele Vergewaltigungen - ohne Folgen für die Männer.



Alle Behandlungen und alle Tabletten sind kostenlos, sie werden in kleinen

Säckchen mit genauer Stückzahl mitgegeben. In einem eigenen Teil der Klinik werden die Tuberkulose-Patienten behandelt. Jede Klinik hat ein kleines Labor, einen Autoklaven zum Sterilisieren der Instrumente und einen Raum für Verbandswechsel. Einheimische Mitarbeiter gibt es genug und meine Aufgabe liegt nun darin, den Überblick und die Qualität zu bewahren. Zum Beispiel schaue ich wie der Verbandswechsel durchgeführt wird, welches Mittel verwendet wird und welche Verdünnung, ich kontrolliere die Ausgabe der Medikamente, deren Verwahrung und Ablaufdatum, und ob die Einnahme den Patienten richtig erklärt wird, und so weiter.



Ein großer Teil meiner Arbeit liegt aber auch in der Schreibarbeit, in erster Linie im Erfassen von Statistiken: Wie viele blutige Durchfälle, wie viele Atemwegserkrankungen, wie viele Malariafälle unter oder über fünf Jahren. Anschließend folgen die Berichte die es zu schreiben gibt. Langweilig wird mir nie.



Ein weiterer Schwerpunkt ist die Betreuung der Cholerapatienten in der

Cholera-Einheit, die mit ihren zirka 50 Betten zu klein geworden ist, weshalb wir 2 Zelte aufstellen mussten. Die Kinder liegen oft zu zweit im Holzbett, wo in der Mitte ein Loch für die Ausscheidungen ist. Leider ist das Hygieneverständnis nicht nur seitens der Patienten sondern auch seitens des Personals ein ganz anderes als unseres, weshalb mein Reden oft ein Reden in den Wind ist.



Mein Bewegungsradius ist hier sehr eingeschränkt, da die

Sicherheitsvorkehrungen so groß sind. Ich darf das Haus nur mit

Funkgerät verlassen und nur für kleine Strecken, dafür habe ich ein

Zimmer mit Blick zum Meer (zwar durch Gitterstäbe hindurch aber immerhin).



Ich hoffe ich konnte Euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit geben, obwohl es nur ein kleiner Ausschnitt ist und es noch so viel mehr zu sagen gäbe: Seien es die Spulwürmer die ich bei Kleinkinder oft von "hinten" und "vorne" rauskommen sehe oder die gewaschene Wäsche die am Boden ausgebreitet getrocknet wird, oder einfach die Menschen, die trotz der Armut meist freundlich sind und die Musik und den Tanz lieben. Ein Gottesdienstbesuch am Sonntag ,der vier bis fünf Stunden dauern kann, lohnt sich immer.



So grüße ich ALLE sehr herzlich aus dem trotz Regenzeit heute sonnigen Monrovia



Kwaheri Monika Hutegger

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