Als Labortechnikerin in der Zentralafrikanischen Republik
Zwischen Januar und Juni 2007 war ich im Provinzkrankenhaus der Stadt Boguila im Norden der Zentralafrikanischen Republik als Labortechnikerin im Einsatz. Das Krankenhaus wurde bis 2001 von US-amerikanischen Missionaren geführt. Als sich die Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik nach einem Putsch verschlechterte, übergaben die Amerikaner das Krankenhaus an das nationale Gesundheitsministerium, von dem es nur notdürftig weitergeführt wurde. Zu dieser Zeit gab es für das 60-Betten Haus gerade mal einen Chirurgen und eine Schwester. Ende 2005 übernahm Ärzte ohne Grenzen die Leitung mit dem Ziel, das Krankenhaus wieder vollkommen funktionstüchtig zu machen.
Heute gibt es in dem Krankenhaus eine Mutter-Kind-Station, ein Ernährungsprogramm und die Chirurgie. Gleichzeitig wurden ein HIV/Aids- und ein Tuberkulose-Programm integriert. Meine Aufgabe war es, das Krankenhauslabor an die Standards von Ärzte ohne Grenzen heranzuführen. Es war zuvor 10 Jahre lang von dem sehr freundlichen lokalen Labortechniker Peguy geführt worden. Er ist mit seinen 57 Jahren in der Zentralafrikanischen Republik schon jenseits der Pensionsgrenze, hat aber unglaublich große Freude am Arbeiten. Er war auch begeistert davon, etwas Neues zu lernen, als wir gemeinsam eine Qualitätskontrolle eingeführt haben. Qualitätskontrolle heißt hier, dass wir, wenn vorhanden, einen zweiten Test durchführen oder monatlich einige Ergebnisse von einem anderen Labor überprüfen lassen. Zur Professionalisierung des Labors stellte ich Ghislain ein, einen jungen Labortechniker aus der Hauptstadt, der im theoretischen Bereich am neuesten Stand war aber noch wenig Praxis-Erfahrung hatte. Mittlerweile hat er die Leitung des Labors übernommen und ich bin sehr zuversichtlich, dass es in den besten Händen ist. Lokale Mitarbeiter verdienen bei Ärzte ohne Grenzen zwar weniger als in anderen internationalen Organisationen, aber doch deutlich mehr als im staatlichen Gesundheitswesen.
Zirka 50 km von Boguila entfernt hat Ärzte ohne Grenzen in dem Ort Markounda vor kurzem eine kleine Station mit sechs Betten zur Behandlung der Schlafkrankheit aufgebaut. Die Schlafkrankheit, übertragen durch die TseTse-Fliege, war in Afrika eigentlich schon ausgerottet, als sie in den 1980er Jahren durch Armut und schlechter medizinischer Versorgung wieder auftrat. Heute betrifft sie 60 Millionen Menschen. Sie verläuft in mehrere Stadien und ist unbehandelt zu 100 Prozent tödlich. Die ersten Symptome sind meist Aggressivität und irritierendes Verhalten. Später wird das Zentralnervensystem angegriffen. Patienten haben dann tagsüber Schlafattacken und werden antriebslos. Leider ist die einzige Behandlungsmöglichkeit veraltet. Die Diagnose bedarf mehrerer verschiedener Tests, die zuerst die Krankheit und dann den Grad des Fortschritts regelrecht einkreisen. Zur Behandlung gibt es zwei Medikamente. Eines stammt aus den 1940er Jahren und ist hoch giftig. 5 Prozent aller Patienten sterben an den Nebenwirkungen. Das andere bedingt vier Mal am Tag Injektionen, die unglaublich schmerzhaft sind. Diese Behandlung dauert drei Wochen. Danach müssen bis zu zwei Jahre lang regelmäßig Tests durchgeführt werden, um sicher zu gehen, dass die Krankheit nicht wiederkommt.
Da die Schlafkrankheit nur in Afrika vorkommt, gibt es keinen lukrativen Markt für Pharmakonzerne. Daher gibt es keine neuen Forschungsanstrengungen dazu. Eines der Medikamente wurde auch schon vom Markt genommen und zynischerweise erst wieder eingeführt, nachdem der Wirkstoff sich auch als Bestandteil von Enthaarungscreme nutzen ließ.
Mein Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik wird mir als spannende und bewegende Zeit in Erinnerung bleiben. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Mitarbeitern war sehr gut und es war besonders interessant, an einem Programm gegen die Schlafkrankheit mitzuarbeiten.

