Als Logistiker in Liberia
Der niederösterreichische Elektronik-Ingenieur Hugo Grimm ist seit Mai auf Einsatz im westafrikanischen Liberia. Als logistischer Administrator koordiniert er derzeit die Umbauarbeiten eines Gesundheitszentrums in einem Flüchtlingslager. In einem E-Mail berichtet er von seiner Arbeit.
Hallo,
Seit einigen Jahren betreibt Ärzte ohne Grenzen hier in Saclepea am Gelände eines Flüchtlingslagers ein kleines Spital mit etwa 70 Betten, das ursprünglich aus Holzstangen und Plastikplanen errichtet wurde. Ziel unserer Bautätigkeit sind permanente Gebäude für die Aufrechterhaltung der dringend benötigten Gesundheitsleistungen. Auf dem Foto sieht man die Verlegung einer Drainage, um das Regenwasser von unserem Baugrund auf die andere Straßenseite zu leiten – eine der Vorbereitungen für die eigentliche Bautätigkeit am neuen Gesundheitszentrum. Die Produktion von komprimierten Erde-Zement-Ziegeln haben wir mit einem 2-wöchigen Training begonnen. In dieser Jahreszeit regnet es hier in Saclepea fast täglich, so haben wir den Platz für die Ziegelfertigung und -lagerung überdacht.
Als logistischer Administrator gebe ich mein Bestes bei der Vorausplanung der Tätigkeiten auf der Baustelle, bei Beschaffung und Transport der Materialien, bei Recruitement und Bezahlung der Arbeiter, Buchaltung, Lohnverrechnung, der Erstellung von Lieferverträgen... Mein Aufgabengebiet ist ganz schön vielseitig. Durch die Trennung der Bau-Administration vom regulären Betrieb des "Zeltspitals" habe ich beim Aufbau der separaten Administration die Gelegenheit, alles von Grund auf kennen zu lernen. Als "Nebenbei" zur Arbeit im Zeltspital ist das allerdings auch eine ganz schöne Herausforderung ist.
Auf der Baustelle arbeite ich je nach Arbeitsaufkommen mit 5-15 Arbeitern zusammen. Neben einem Grundstock an Facharbeitern beschäftigen wir für einfache, kurzfristige Tätigkeiten auch Arbeiter als sogenannte "daily hire". Für diese Arbeiter haben wir ein System eingerichtet, das durch wöchentliche Ablöse möglichst vielen Bewerbern die Möglichkeit bietet, zumindest ein wenig Geld zu verdienen. Es reicht das Gerücht, dass wir neue Arbeiter aufnehmen, und es bildet sich eine Schar Arbeitssuchender vor unserem Tor. Kein Wunder, sind wir gemeinsam mit anderen internationalen Organisationen einer der wenigen Arbeitgeber in der Region. Die Zusammenarbeit mit den Arbeitern ist einer jener Augenblicke, wo ich die Alltagsprobleme der Menschen im Flüchtlingslager und der Ortschaft selbst hautnah erlabe.
Während ich derzeit als einziger internationaler Mitarbeiter für das Bauprojekt arbeite, sind wir in unserer gemeinsamen Unterkunft ein 6-koepfiges Team, bunt aus allen Erdteilen zusammengemischt. Nach einer Phase des (Kennen)Lernens – da es mein erster Einsatz ist, ist ja fast alles neu – spüre ich allmählich das schöne Gefühl, nützlich zu sein.
Liebe Grüße aus Liberia
Hugo

