Tuesday, 7. February 2012 | 19:57 CET

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Das Lager für Amputierte und Kriegsverletzte am Stadtrand von Freetown. Es ist nur eines der zahlreichen Einsatzgebiete von Ärzte ohne Grenzen in Sierra Leone.
Veröffentlicht am 01.01.2001
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Armes reiches Land

Die Wienerin Ariane Bauernfeind war medizinische Koordinatorin in Sierra Leone. Hier ihre Eindrücke nach einer ersten Reise durch das Land.

Ankunft in Sierra Leone

How di body! Das ist Kreo und die Begrüßung hier in Sierra Leone.

Es ist Mitte Juni und ich lande in Lungi Airport. Über mir unzählige Hubschrauber, Uniformierte laufen herum. Mein Einsatz in Ruanda liegt sechs Jahre zurück. Ich muss mich erst wieder an den Anblick eines im Krieg befindlichen Landes gewöhnen.

Ein Land im Krieg

Ein Checkpoint. Das bedeutet Licht andrehen, Funkgerät leiser drehen und höflich, aber nicht übertrieben lächeln.

Der Fahrer bringt mich zu unserem Büro am Hügel von Freetown. Es erwarten mich freundliche, aber erschöpfte Kollegen. Erst vor zwei Wochen sind sie nach über vier Wochen Evakuierung im Nachbarland Guinea zurückgekehrt. Ein paar wenige konnten die Stellung halten. Alle im Land zu behalten wäre für den Fall einer weiteren Evakuierung zu schwierig gewesen, falls die Lage sich noch mehr zugespitzt hätte.

Im Spital

Ich werde ins Connaught-Spital geführt. Dort betreibt Ärzte ohne Grenzen ein chirurgisches Projekt für bedürftige Menschen. Bedürftig - ein häufig verwendetes Wort in Sierra Leone. Wer bestimmt darüber, wer "bedürftig" ist? Wir, von außen, müssen uns dabei auf das Urteil der einheimischen Ärzte in der Aufnahme verlassen. An die 50 Operationen pro Woche führen wir hier durch. Wir werden akzeptiert, da hier jeder weiß, wofür Ärzte ohne

Grenzen steht. ?Das sind jene, die uns beigestanden haben. Sie laufen nicht einfach davon?, sagen sie. Im Jänner 1999 und heuer im Mai, als die Unruhen ausbrachen, zog sich das einheimische Personal nämlich aus Angst zurück. Ärzte ohne Grenzen blieb und versorgte die Verwundeten. Ganze Nächte verbrachten die Teams im Spital. Seither steht immer eine Box mit Essen und Wasser als eiserne Reserve im Spital bereit.

Lager für Amputierte

Die nächste Station meiner Inspektionstour ist das "Murray Town Amputee Camp", ein Lager für Amputierte und Kriegsverletzte. Es beherbergt rund 400 Verletzte und 600 Angehörige. Hier werden Prothesen angefertigt, und es wird an einem Programm zur Integration gearbeitet. Als ich dem Camp-Manager vorgestellt werde, reicht er mir seinen Armstumpf zur Begrüßung. Ich versuche so ungezwungen wie möglich zu wirken, weiß aber trotzdem nicht genau, wo ich meinen Blick hinwenden soll.

Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Es sind nicht immer dramatische Situationen wie Kämpfe, Amputationen und Kriegsführung. Nein, es ist viel unspektakulärer. Es ist der Kampf ums tägliche Überleben. Sollte nichts Ungewöhnliches sein, wenn man schon so oft in Afrika gearbeitet hat. Ist es aber doch für mich.

Acht Checkpoints

Die Westcoast Airline bringt mich nach Kenema. Es ist eine alte russische Propellermaschine, und ich danke Gott, dass ich sicher gelandet bin. Auf der Straße zwischen Bo und Kenema passieren wir acht Checkpoints. Anfangs noch UN-Checkpoints und dann CDF (Civil Defence Force). Bestückt von ehemaligen Kriegern. Muscheln und Knochen zieren ihren Hals. Rote Kopftücher sind ihr Markenzeichen. Ich kann nur hoffen, dass sie heute nicht hungrig oder eingeraucht sind. Sonst wüsste ich nicht, was ihnen im nächsten Moment einfällt. Sie sind freundlich, der einfache Checkpoint mit Nagelbrettern "öffnet" uns den Weg.

Stadt der Diamanten

Kenema ist die Stadt der Diamanten. In den Geschäften werden Fährräder, Decken und Batterien verkauft. Aber jeder weiß, dass dahinter die wahren Geschäfte ablaufen. Auf Tüchern werden Diamanten ausgebreitet. Nicht unweit der Stadt ist eine Diamantenmine. Unspektakulär, im Sand wird geschürft. "Man braucht gar nicht tief zu graben", erklärt mir unser Fahrer Dady Bock. Er erzählt auch von einem einheimischen Arzt, der ihm von seinem Besuch in Antwerpen berichtet hat. Immer, wenn er Diamanten in den Schaufenstern sah, dachte er: "Das sind die Steine, auf denen das Blut meiner Brüder klebt."

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