Aus dem Arbeitsalltag eines Logistikers in Nigeria
Nach vielen Überlegungen wie er helfen kann, und auf der Suche nach der geeigneten Organisation, traf Christian Prugger auf Ärzte ohne Grenzen. Hier kann er sein breites Wissen und seine technischen Kompetenzen als Logistiker sinnvoll einsetzen. Sein erster Einsatz führt in nach Nigeria, wo rund 350 verschiedene ethnische Gruppen leben. Die religiösen, ethnischen und sozioökonomischen Unterschiede führen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Hallo Freunde!
Ich sitze wieder mal vor meinem Kommunikationscomputer und versuche mich beim lauten Knattern des Generators (da schon 4 Monate ohne Strom) zu konzentrieren, um euch ein paar Zeilen zu schreiben. Zehn Monate bin ich nun schon im Yenagoa Büro und mittlerweile der Senior im Team der internationalen Mitarbeiter, auch wenn der Ausdruck Team vielleicht etwas übertrieben ist, da es derzeit von fünf auf zwei dezimiert ist (Projektkoordinator und Logistiker). Außerdem sind wir die meiste Zeit getrennt unterwegs. Es sieht so aus, als würde ich in der kommenden Urlaubszeit insgesamt drei Leute vertreten. Auch wenn mein Idealismus immer noch ungebrochen ist, zähle ich die Tage bis zu meinem Urlaub, um meinen Kopf wieder mal frei zu bekommen. Die letzten Wochen brachten jeden Tag schlechte Neuigkeiten und unser Projekt kam immer wieder zum Stocken. Sei es, dass das Gesundheitsministerium unser gesamtes Krankenhauspersonal an andere Orte transferiert, das Krankenhauspersonal aus vielerlei Gründen nicht zur Arbeit erscheint, die verantwortlichen Gesundheitsbehörden nicht zu unseren Meetings erscheinen oder weil wir aus Sicherheitsgründen verschiedene Orte nicht passieren können. Hinzu kommt, dass die Regenzeit begonnen hat und dass die Freizeitmöglichkeiten nun auf nahezu Null reduziert sind. Das alles lässt meinen drastischen Energiepegel etwas sinken. Wenn ich mir all diese Probleme vor Augen halte, denen wir oft ausgesetzt sind, dann ist es für mich immer wieder bemerkenswert, wie die kleinen Sachen dich immer wieder zum Weitermachen, zum Durchhalten bewegen, wie kürzlich in einem kleinen Krankenhaus in einem weit abgelegenen Dorf: Ich hatte ein bisschen Zeit und so entschloss ich mich, dem Training des Gesundheitspersonals im Labor beizuwohnen, um meinen medizinischen Horizont zu erweitern. Am Programm standen Malaria-Theorie und Praxis Training Paracheck (Schnelltest Malaria). Ich saß in meinem Stuhl, beobachtete und lauschte. Ich war wirklich bewegt von dem Einsatz und der Motivation unserer nationalen Mitarbeiter, die immer wieder versuchen, ihr Wissen an die lokalen Laboranten weiterzugeben. An diesem Tag waren besonders viele Kinder und Babys mit Malaria in unserer Klinik, manche von ihnen in schlechtem Zustand mit Sturzbächen von Tränen in ihren Augen wenn Sunday und Austin (unsere Labormitarbeiter) ihnen Blut am Finger abnehmen. Nach ein paar Tagen siehst du, dass sie dank unserer Behandlung wieder gesund sind und dann vergisst du wieder jede schwierige Stunde und du weißt, warum du immer noch da bist.
In diesem Sinne
All the best to you guys wherever you might be and keep up the spirit
CHRIS

