Ausmaß der Choleraepidemie in Simbabwe übertrifft Worst-Case-Szenario
Am vergangenen Donnerstag überschritt die Choleraepidemie in Simbabwe das von der WHO prognostizierte Worst-Case-Szenario von 60.000 Verdachtsfällen. Die kommende Woche wird die Schlimmste seit Beginn des Ausbruchs – als dritte Woche in Folge. "Zum ersten Mal erwarten wir mehr als Zehntausend neue Fälle innerhalb einer Woche", berichtet ein Notfall-Koordinator von Ärzte ohne Grenzen aus Simbabwe.
Alleine in Kadoma City wurden in der Woche vom 19. Jänner 1.752 neue Cholerafälle bekannt, mehr als drei Mal so viele als bei der letzten Spitze. Für 14 Erkrankte kam in der 98.000 Einwohner Stadt jede Hilfe zu spät. Ein Team von 12 internationalen und 30 lokalen Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische Hilfe, half, die Kapazitäten des städtischen Cholerabehandlungszentrums auszubauen, Wasser- und Abwassersysteme zu verbessern und Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung der Cholera-Bakterien zu setzen.
Nachdem die Zahl an Patienten die Kapazitäten des vorhandenen Cholerabehandlungszentrums überschritt, wurde nach Möglichkeiten zur Erweitung des Behandlungsangebots gesucht. Nach umfassenden Evaluierungen wurde ein Fußballfeld als beste Alternative für die Errichtung eines weiteren Behandlungszentrums mit 250 Betten, einem 30.000 Liter Tank, 20 Latrinen und einem Stromgenerator ausgewählt. Der Aufbau erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem spanischen Roten Kreuz und der Deutschen Welthungerhilfe.
Aufgrund anhaltender Wasser- und Abwasserprobleme gilt Kadoma als besonders anfällig für Cholera. Der plötzliche Anstieg an Cholerafällen deutet auf eine verseuchte Wasserquelle hin. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen bleibt in Kadoma um die Hilfe in Kadoma City, dem umliegenden Distrikt, sowie in Chegutu fortzusetzen und die Situation in Kwekwe weiter zu beobachten.
Kein Ende in Sicht
Auch in den ländlichen Gebieten zeichnet sich kein Ende der Epidemie ab. In Teilen der Provinz Masvingo steigt die Zahl der Fälle weiter an, in anderen Teilen gehen die Zahlen zurück. Neue Fälle tauchen zunehmend auch im Süden des Landes, im Distrikt Chiredzi, auf. MSF-Teams machen sich weiterhin auf die Suche nach neuen Cholerafällen und bauen wo notwendig Behandlungszentren auf. Zu den größten Herausforderungen zählt die Rekrutierung von lokalem Personal für die Behandlungszentren, da in Simbabwe ein Mangel an Krankenschwestern- und Pflegern herrscht. Ärzte ohne Grenzen tut das Möglichste, dabei zu Helfen, die Lücke bei Gesundheitspersonal zu schließen.
Aufgrund der Schwierigkeiten, abgelegene Dörfer zu erreichen, sowie der Distanz zwischen den Krankenhäusern, wird derzeit eine neue Strategie umgesetzt. Ärzte ohne Grenzen bildet ausgewählte Dorfbewohner aus, Trinklösungen an Erkrankte auszugeben und darüber Buch zu führen. Außerdem werden zur Vorbeugung Chlor-Tabletten verteilt.
Vergangene Woche wurde in Gebieten, die einen Anstieg an Neuerkrankungen verzeichneten, Informationskampagnen durchgeführt. Informationsmaterial (Zeichnungen und Poster) wurde an alle Behandlungseinrichtungen, die das MSF-Team besuchte, ausgegeben. Durch verschiedene Aktivitäten wie Fokusgruppentreffen und Diskussionsrunden über Hygienemaßnahmen werden lokale Gemeinschaften aktiv in den Kampf gegen die Cholera eingebunden.


