Tuesday, 22. May 2012 | 21:23 CEST

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© Reuters/Danilo BalderramaNach einem Monat der Zusammenstöße zwischen der bolivianischen Regierungsarmee und Tausenden Demonstranten, bei denen viele Menschen ums Leben kamen, trat Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada zurück. Ihm wurde seine unpopuläre Wirtschaftspolitik zum Verhängnis.
Veröffentlicht am 23.10.2003
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Bolivianer demonstrieren gegen Gasexporte nach Mexiko und USA

Während der seit Wochen anhaltenden Unruhen in Bolivien wurden Hunderte Zivilisten verletzt und mindestens 53 Menschen getötet. Bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften war es Ärzte ohne Grenzen nicht möglich, die Verletzten angemessen zu versorgen, weil die Arbeit der Nothilfekräfte nicht respektiert wurde. Nach dem Rücktritt von Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada hat sich die Lage im ärmsten lateinamerikanischen Land zunächst beruhigt.

Misstrauen erschwert die Arbeit der Hilfsteams

"Das Recht auf den Zugang zu verletzten Opfern muss während eines Konflikts von allen Seiten respektiert werden", beklagt Silvia Moriana, Projektleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Bolivien. Die unzufriedene Bevölkerung begegnet der Nothilfe mit Misstrauen, seit die Behörden während der Unruhen im Februar dieses Jahres die Einsätze der Rettungswägen missbrauchten. Seither haben die Rettungsteams Schwierigkeiten, sich während der Auseinandersetzungen fortzubewegen und zu den Verletzen durchgelassen zu werden. Sie werden mit Steinen beworfen oder zum Anhalten gezwungen, weil die Demonstranten vermuten, dass sich nicht verletzte Zivilisten sondern Polizeikräfte oder Militär in den Transportern befinden.

Material für größtes Krankenhaus von La Paz

Das Team von Ärzte ohne Grenzen ist zur Zeit damit beschäftigt, das größte Krankenhaus von La Paz, Hospital de Clínicas, wieder mit Material auszustatten. "Im Augenblick ist es ruhig. Die Menschen warten ab, wie es weitergeht", bestätigt die Projektleiterin von Ärzte ohne Grenzen, Silvia Moriana. "Am schlimmsten war es in jener Nacht, in der wir festellten, dass die Ambulanzen keine Medikamente mehr hatten", stellt Silvia Moriana fest. "Daher haben wir ihnen so genannte "basic kits" gegeben, die eine medizinische Grundausstattung enthalten."

 

In dieser Nacht arbeitete Ärzte ohne Grenzen mit anderen bolivianischen und internationalen Organisationen in einem Nothilfe-Komitee zusammen, um während der Unruhen die medizinische Versorgung für die etwa 800.000 Einwohner aufrecht zu erhalten. Ärzte ohne Grenzen wird die Situation im "Hospital de Clínicas" weiterhin beobachten und zudem etwa 250 Menschen mit Nahrungsmitteln und Kleidung versorgen, die im zentralen Busbahnhof der Stadt Schutz gesucht haben.

Darüber hinaus unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Netzwerk der Ambulanzen, da es Defizite bei der Versorgung von Patienten während der Einlieferung gibt. Fehlende Vorräte und Material werden ab sofort von Ärzte ohne Grenzen geliefert.

Hintergrund

Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas, verfügt aber nach Venezuela über die zweitgrößten Erdgasvorkommen. Die seit Wochen anhaltenden Demonstrationen richten sich vor allem gegen geplante Gasexporte nach Mexiko und in die USA. Die verarmten Kokabauern, die Gewerkschaften und andere Regierungskritiker mahnen die niedrigen Gewinnspannen für das Land an und fordern u.a. den Austritt aus der amerikanischen Freihandelszone. Nach dem Rücktritt von Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada hat sich die Lage zunächst beruhigt.

Ärzte ohne Grenzen in Bolivien

Das Team von Ärzte ohne Grenzen in Bolivien besteht aus sieben internationalen Mitarbeitern, darunter sind zwei Ärzte und eine Krankenschwester. Die Organisation arbeitet seit 1986 in Bolivien. Zurzeit gibt es dort zwei Programme: Eines zur Behandlung der nur in Lateinamerika vorkommenden Chagas-Krankheit, die bei Kindern unter 13 Jahren tödlich verlaufen kann; ein weiteres Projekt unterstützt die Mutter-Kind-Gesundheit.

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