Tuesday, 22. May 2012 | 21:30 CEST

Veröffentlicht am 14.11.2008
Share |
A A

Cholera in Harare - Ärzte ohne Grenzen reagiert auf Ausbruch in simbabwischer Hauptstadt

In der simbabwischen Hauptstadt Harare leisten Teams von Ärzte ohne Grenzen Hilfe nach einem Cholera-Ausbruch, der vom lokalen Gesundheitsministerium als „größter jemals in Harare stattgefundener“ bezeichnet wurde. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben Cholera-Behandlungszentren in der Budiriro Polyklinik und dem Harare Krankenhaus für Infektionskrankheiten eingerichtet, bisher wurden dort 500 Patienten behandelt und täglich werden durchschnittlich 38 Patienten neu aufgenommen. Ungefähr 78 Prozent der Patienten kommen aus zwei dicht besiedelten Vororten im Südwesten Harares – Budiriro und Glen View – in denen insgesamt ca. 300.000 Menschen leben. Der Choleraausbruch betrifft auch Bewohner der benachbarten Vororte Mbare, Kambuzuma, Kwanzana und Glen Norah. Bis zu 1,4 Millionen Menschen könnten durch den aktuellen Ausbruch gefährdet sein, falls es zu einer weiteren Ausbreitung kommt.

Nach einem entsprechenden Hilfsaufruf hat Ärzte ohne Grenzen Personal und medizinische wie logistische Unterstützung in den beiden Cholera-Behandlungszentren bereitgestellt. In einem derzeit aus 40 lokalen Mitarbeitern bestehenden, wachsenden Team arbeiten Pflegepersonal, Logistiker, Mitarbeiter, die für die Chlorierung zuständig sind, sowie weitere Gesundheitsmitarbeiter, die eine wichtige Rolle in der Hinderung der Ausbreitung der Cholera spielen, indem sie Häuser von Betroffenen desinfizieren, Personen identifizieren, mit denen die Erkrankten in Kontakt waren, und Begräbnisse überwachen, bei denen die traditionelle Praxis des Waschens der Toten, gefolgt von Händeschütteln und Essen, einen wesentlichen Faktor für die Ausbreitung darstellen.

Überbelastete medizinische Teams

Precious Matarutse, Wasser- und Sanitär-Beauftragter von Ärzte ohne Grenzen, beschreibt die Situation in Budiriro: „Im Cholera-Behandlungszentrum laufen die Dinge aus dem Ruder. Es kommen so viele Patienten, dass das Pflegepersonal kaum mit der Arbeit nachkommt. In der Beobachtungsstation starb ein Mädchen, während es auf einer Bank wartete. Das Personal nutzt jeden verfügbaren Raum, und dennoch müssen auf der Beobachtungsstation Patienten auf dem Boden liegen. Ein Mann kam gestern zur Behandlung in die Klinik. Seine Frau war kurz zuvor zuhause verstorben, daraufhin erkannten seine Verwandten wie ernst die Erkrankung ist und brachten ihn hierher. Sie wollten wissen, was sie mit dem Körper der Verstorbenen machen sollten. Die Menschen haben Angst davor, sich mit der Cholera zu infizieren. Die Aufklärung der Bevölkerung muss intensiviert werden.“

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in den Cholera-Behandlungszentren sind mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Vittorio Varisco, Logistiker, über den Kampf gegen die Krankheit: „Es ist eine ständige Herausforderung, den wachsenden Patientenzahlen gerecht zu werden. Uns gehen der Platz und die Betten für die Patienten aus. Heute liegen Patienten hier im Krankenhaus für Infektionskrankheiten draußen im Gras, und wir müssen Zelte mit zusätzlichen Betten aufstellen, da die Stationen überfüllt sind.“ Dr. Bauma Ngoya erklärt die Wichtigkeit von zusätzlichem Personal, um die Patienten effektiv behandeln zu können und den Ausbruch einzugrenzen: „Die Patienten benötigen ständige Supervision, um die Versorgung mit ausreichender Flüssigkeit zu garantieren, ohne die sie sterben. Da die Patientenzahlen steigen, müssen wir weiteres Personal rekrutieren und ausbilden.“

Verwahrloste Infrastruktur als Hauptursache

Cholera ist im krisengeplagten Simbabwe kein neues Phänomen. In manchen ländlichen Gebieten Simbabwes ist die Krankheit endemisch und tritt Jahr für Jahr auf. In urbanen Gebieten des Landes war Cholera bis vor wenigen Jahren jedoch relativ rar, da es in den meisten Häusern Wasserleitungen und Toilettenspülungen gab. Von der anhaltenden wirtschaftlichen Krise und den konstant schlechter werdenden Lebensbedingungen sind jedoch auch die Städte mehr und mehr betroffen.

Das Cholerabakterium wird von bereits infizierten Menschen über Stuhlgang und Erbrechen ausgeschieden. Verwahrloste Infrastruktur, gebrochene Abflussrohre und Ausfälle in der Wasserversorgung sind für den aktuellen Ausbruch hauptverantwortlich, da sie die Menschen zwingen, ungeschützte Brunnen zu graben und sich im Freien zu entleeren. Während der von November bis März andauernden Regenzeit werden stehende Abwässer durch heftige Regenfälle in ungeschützte Brunnen geschwemmt. Die Tatsache, dass die jüngsten Cholera-Ausbrüche vor der Regenzeit begonnen haben, sind ein klarer Indikator für die schlechter werdende sanitäre Situation und für Engpässe in der Versorgung mit sauberem Wasser und damit ein beunruhigender Vorbote für die Regenzeit.

Themen

Schlagworte

Mediathek und Archiv