Tuesday, 22. May 2012 | 21:30 CEST

Veröffentlicht am 29.11.2004
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Clara Breiteneckers persönliche Eindrücke von ihrem Einsatz in Malawi

Malawi ist ein kleines Land, könnte man sagen, ungefähr so groß wie Österreich. Klein. Und sehr arm. Kennern auch als das "warme Herz Afrikas" vertraut. Aber wer kennt schon Malawi? Wir – ich und mein Mann – bis vor kurzem auch nicht. Seit Mitte Oktober aber sind wir hier auf Einsatz. Mit Ärzte ohne Grenzen.

Die Menschen hier in Dowa, im Zentrum Malawis gelegen, sind sehr freundlich, sehr bunt gekleidet, und ? die meisten von ihnen ? sehr jung. Denn alt werden sie hier nicht. Die Lebenserwartung der Bevölkerung ist in den letzten Jahren auf Grund der sich rasant verbreitenden AIDS-Epidemie um 18 Jahre gesunken, von 56 auf 38. Alle Bereiche der malawischen Gesellschaft sind immens von der Epidemie betroffen. HIV/AIDS-Patienten belegen mehr als 50% der Spitalsbetten, die Mutter-Sterblichkeit hat sich zumindest verdoppelt, 700.000 Kinder sind zu Waisen geworden, geschultes Personal im Bildungs- und Agrar-Sektor stirbt schneller weg, als neues ausgebildet werden kann.

Kombinationstherapie: Hoffnung für viele

Am 6. Dezember wird hier im Spital des Distrikt-Zentrums, Dowa Boma, mit der Kombinations-Therapie begonnen. Sie soll HIV/AIDS-Patienten, die früh genug ins Spital kommen, ein Leben mit dem Virus ermöglichen. Vorerst stellt Ärzte ohne Grenzen die Medikamente zur Verfügung, aber bereits nächstes Jahr sollen die Gelder für die Therapie von der Regierung selbst (beziehungsweise vom Global Fund) kommen. Geplant ist, im Laufe des nächsten Jahres mit der Therapie in die umliegenden Gesundheitszentren zu expandieren, denn den meisten Menschen hier reicht das Geld nicht einmal für den Transport ins Distrikt-Spital. Der rasche Beginn der Behandlung ist dringend notwendig, denn ein Großteil der Patienten ist bereits in einem höchst fortgeschrittenen Krankheitsstadium. Für einige Patienten wird es am 6. Dezember zu spät gewesen sein.

Aufklärung als Präventionsmaßnahme

Für sehr viele Kinder und junge Menschen in Malawi ist es aber noch lange nicht zu spät. Deshalb hat sich Ärzte ohne Grenzen in Dowa auch dazu entschieden, zusätzlich zur medizinischen Behandlung, präventiv gegen die Epidemie vorzugehen. Sprich, die Bevölkerung über die Übertragungs- und Präventions-Möglichkeiten von HIV zu informieren, Ängste zu nehmen, Fragen zu klären und etwaige wüste Mythen als solche zu entlarven. Generell schon ein schwieriges Unterfangen, machen Faktoren wie hoher Analphabetismus (40%), die (unterlegene) Rolle der Frau, traditionelle Heiler und Rituale wie die wichtige Stellung der Kirche die Sache noch um einiges schwieriger.

"Kondome sind tabu"

Letzte Woche wurden wir von einem katholischen Pfarrer im Ort gebeten, in seiner Kirche einen Vortrag über HIV und AIDS zu halten. ?Eines?, hat er gesagt ?muss Ihnen aber klar sein, Kondome sind tabu. Wir glauben an Abstinenz.? Ein Umdenken findet hier nur sehr langsam statt, die Diskriminierung und Ausgrenzung HIV/AIDS-Betroffener ist in Folge dessen noch immens, wobei wir hoffen, dass sich auch das im Zuge der Kombinations-Therapie bessern wird.

Die wichtigsten Daten und Fakten zu Malawi

  • 90% der Bevölkerung leben in ländlichen Gegenden

 

 

  • 65% leben unter der Armutsgrenze (25-30 USD/Monat)

 

 

  • AIDS ist für fast drei von vier Todesfällen verantwortlich

 

 

  • 130 von 1.000 Kindern sterben in ihrem 1. Lebensjahr

 

 

  • Über 900.000 Menschen leben heute mit HIV/AIDS

 

 

 

Text und Fotos: Clara Breitenecker

Clara Breitenecker, 24, arbeitet für Ärzte ohne Grenzen in Malawi in den Bereichen Information, Education, Communication.

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