Tuesday, 22. May 2012 | 21:31 CEST

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August 2007: Aufbau eines Cholera-Behandlungszentrums in Ratoma, GuineaFoto: © MSF
Veröffentlicht am 24.10.2007
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Conakry - Cholera als ständiger Begleiter

Seit Anfang dieses Jahres verzeichnet Guinea über 7.000 Cholerafälle, die Hälfte davon alleine in der Hauptstadt Conakry. Es sind bereits rund 260 Tote zu beklagen. Die Epidemie, die 2007 noch stärker wütet als in den Vorjahren, beansprucht die gesamte Energie vieler Mitglieder des Gesundheitspersonals und anderer beteiligter Akteure. Sie wirkt sich auch stark auf die übrige Arbeit des Gesundheitsdienstes aus, der an sich schon über wenige Ressourcen verfügt. Wenn im Bereich der Wasser- sowie der Abwasser- und Abfallversorgung keine strukturellen Massnahmen ergriffen werden, könnte sich dieses Szenario Jahr für Jahr wiederholen.

Die Epidemiologen von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) sahen es voraus: In Anbetracht der steigenden Zahl von Cholerafällen in Guineas Hauptstadt Conakry war nicht mit einem raschen Ende der Epidemie zu rechnen. Sechs Monate nach Auftreten der ersten Erkrankungen in der Hauptstadt verzeichneten die drei von MSF unterstützten Cholerabehandlungszentren rund 3.730 Fälle.

Obwohl sich erste Anzeichen einer Besserung der Lage bemerkbar machen, ist weiterhin Vorsicht angesagt. "Trotz des Rückgangs der Neuerkrankungen ist in dieser Stabilisierungsphase verstärkte Wachsamkeit geboten. In Anbetracht der über fünf Monate anhaltenden Epidemie sind die Teams erschöpft und demotiviert", erklärt Isabelle Lessard. Die vor Ort im Einsatz stehende Krankenschwester von MSF kennt sich mit der Cholerabehandlung bestens aus.

In der Woche vom 8.-14. Oktober hatten die drei von Ärzte ohne Grenzen unterstützten städtischen Cholerabehandlungszentren in Donka (Zentralspital), Dabompa (Matoto-Quartier) und Kaporo (Ratoma-Quartier) noch 147 Fälle zu verzeichnen. Auch wenn inzwischen nur noch wenige Tote zu beklagen sind (5 in der betreffenden Woche, davon 2 ausserhalb von Behandlungszentren), hat die Epidemie in der Hauptstadt allein in diesem Jahr rund 120 Menschen das Leben gekostet.

Am stärksten betroffen ist Conakry. In geringerem Ausmass hat das Choleravibrion auch auf andere Regionen des Landes übergegriffen. Dies gilt insbesondere für Fria, Boké und Kindia, wo die Teams von MSF punktuell im Einsatz stehen. "Wenn die Krankheit nicht rasch behandelt wird, kann das fatale Auswirkungen haben", erklärt Dr. Jean Claude Djoumessi, der ebenfalls für das Choleraprogramm von MSF in Guinea zuständig ist. "Nach einer 2-3-tägigen Behandlung insbesondere durch Rehydratierung über oral einzunehmende Lösungen und Infusionen sind die Patienten meist geheilt. Die Gesundheitsinfrastrukturen müssen unbedingt über genügend Kapazitäten verfügen, um diese Kranken betreuen und allenfalls medizinisch versorgen zu können."

Eine Ansteckung mit Cholera lässt sich durch geeignete Präventionsmassnahmen verhindern. Mit der Sensibilisierung für eine bessere Hygiene und die Bedeutung von sauberem Trinkwasser können zahlreiche Erkrankungen vermieden werden. Die strukturellen Probleme, die zur Verbreitung der Krankheit führen, sind deswegen aber noch lange nicht gelöst.

Obwohl die Probleme allgemein bekannt sind, lassen die städtische Abwasser- und Abfallversorgung sowie die Versorgung mit sauberem Wasser weiterhin zu wünschen übrig. Punktuelle Aktionen zur Desinfizierung von Brunnen und Latrinen, Desinfektion der Wohnungen, in denen sich Kranke aufgehalten haben, und Chlorierung von Trinkwasser während der Epidemie sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung können – wenn auch nur vorübergehend – zu einer Entschärfung der Lage beitragen.
Die Tatsache, dass die Epidemie in Guinea seit 2004 ohne Unterbruch wütet und seit Mitte der Neunzigerjahre fast nicht zurückgegangen ist, ist nach Ansicht des medizinischen Personals auf die Verschlechterung der Gesundheitssituation im Lande zurückzuführen. Sergio Martin Esteso, ein weiterer Verantwortlicher von MSF in Conakry, bringt es auf den Punkt: "Wenn die im Präventionsbereich tätigen Organisationen effizient zusammenarbeiten und gut planen, liesse sich 2008 das Schlimmste verhindern. Das könnte Hunderte von Menschenleben retten." Bleibt zu hoffen, dass diese Anregungen zu einem entsprechenden Gesundheitsprogramm für Guineas Hauptstadt führen.

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