Tuesday, 22. May 2012 | 21:32 CEST

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Den Traum von einem längeren Auslandsaufenthalt erfüllte sich die Oberösterreicherin Elke Feichtinger durch eine mehrjährige Tätigkeit in einem schwedischen Krankenhaus. Nach Abschluss eines Diplomkurses über Internationale Gesundheit kam sie wieder nach Österreich zurück und bewarb sich bei Ärzte ohne Grenzen, um Menschen auf der ganzen Welt helfen zu können.
Veröffentlicht am 14.04.2005
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Der Arbeitstag einer OP-Schwester in Westdarfur

Seit Mitte Dezember arbeitet Elke Feichtinger als Anästhesie-Krankenschwester im Krankenhaus von Garsila in Westdarfur. In einem Brief schildert sie einen typischen Arbeitstag mit Ärzte ohne Grenzen.

Liebes Büro von Ärzte ohne Grenzen!

Garsila ist ein ziemlich abgelegener Ort in Westdarfur ohne Infrastruktur und etwa 9 Stunden Autofahrt über holprige Sandpisten, von der Provinzhauptstadt Nyala entfernt. Vor dem Konflikt in Darfur war Garsila eine kleine Stadt mit etwa 7.000 Einwohnern. Inzwischen haben ca. 30.000 Menschen, die gewaltsam aus den Dörfern in Westdarfur vertrieben wurden, dort Zuflucht gefunden. Das 50-Betten-Krankenhaus in Garsila ist das einzige Krankenhaus für einen Großteil der Bevölkerung Westdarfurs.

 

Um Euch einen kleinen Eindruck von meiner Arbeit im Krankenhaus zu vermitteln, werde ich Euch einen Tag dort beschreiben.

 

Ich beginne meinen Tag im Krankenhaus um 8:00 Uhr damit, nach den Patienten zu sehen, die wir am Vortag operiert haben bzw. die kritisch krank sind und erkundige mich, ob es während der Nacht irgendwelche Besonderheiten gab. Danach beginne ich mit der Visite im Ernährungszentrum in dem wir stark unterernährte Kinder behandeln. Meist haben wir ca. 12 sehr schwache oder kranke Kinder, die wir dort behandeln. Ranja ist eines dieser Kinder: Sie ist 3 Jahre alt und wog als sie ins Krankenhaus gebracht wurde 5,1 kg. Wir mussten sie anfangs mit einer Sonde ernähren, da sie zu schwach war, um selber die hochkalorische Milch zu trinken. Ranja ist nun seit 2 Wochen hier und inzwischen isst sie Plumpynut, interessiert sich wieder für ihre Umgebung und heute sehe ich sie das erste Mal lächeln...

 

Inzwischen ist es 9:30 Uhr. Ein Chirurg, ein weiterer Arzt und ich machen gemeinsam mit den zuständigen Krankenschwestern die restliche Visite. Unser Krankenhaus hat 50 Betten und die Bettenauslastung ist ca. 150%, da sich die meisten Kinder zu zweit ein Bett teilen. Heute gibt es keine Besonderheiten während der Visite und somit sind wir kurz nach 11:00 Uhr fertig. Es ist Zeit für unseren täglichen Besuch bei der Teeverkäuferin am Krankenhausgelände um extrem süßen Tee zu trinken.

 

Danach erledigen wir alle Verbandswechsel. Danach widme ich mich allen möglichen administrativen Tätigkeiten bzw. Fragen des Pflegepersonals usw. Nach dem Mittagessen kehren wir um ca. 14:30 Uhr ins Krankenhaus zurück. Für den Nachmittag haben wir eine Hauttransplantation an einer jungen Frau mit großflächigen schweren Verbrennung geplant.

 

Plötzlich wird eine hochschwangere Frau auf einem Eselkarren gebracht und die Angehörigen der Frau teilen uns mit, dass die Frau seit 2 Tagen starke Wehen hätte und die traditionelle Hebamme keinen Rat mehr wüsste und sie deshalb ins Krankenhaus kämen. Nach einer kurzen Untersuchung der Frau entscheidet sich unser Chirurg für einen Kaiserschnitt. Eine Stunde später sind sowohl die Frau als auch ihr Neugeborenes den Umständen entsprechend wohlauf.

 

Inzwischen ist es fast 16:00 Uhr und wir verschieben die Hauttransplantation auf den nächsten Tag. Ich vergewissere mich, dass die Krankenschwestern genug Medikamente im Medikamentenschrank haben, Therapieanordnungen verstanden haben usw.

 

Um kurz nach 17:00 Uhr kommt das erste Auto aus einem der mobilen Kliniken von Ärzte ohne Grenzen zurück und bringt zwei Patienten für das Krankenhaus: Ein stark unterernährtes Kleinkind und ein Baby mit Lungenentzündung. Ca. 45 Minuten später kommt ein weiteres Auto von Ärzte ohne Grenzen von einer anderen mobilen Klinik mit drei Patienten: Ein junger Mann mit einem Abszess, ein Kind mit Malaria mit neurologischen Komplikationen und eine junge, stark blutende Frau nach einer Fehlgeburt. Wir behandeln zuerst die junge Frau und danach kümmern wir uns um die beiden anderen Patienten.

 

Das Krankenhaus in Garsila hat ein sehr großes Einzugsgebiet und betreut einen großen Teil der Bevölkerung von Westdarfur. Ohne die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen würden hier fast täglich Frauen an Komplikationen bei Geburten versterben, die Zahl der Kinder, die vor dem 5. Lebensjahr sterben, wäre viel höher und andere einfach behandelbare Krankheiten und Verletzungen würden unbehandelt bleiben. Ärzte ohne Grenzen bietet der schwer traumatisierten Bevölkerung hier nicht nur medizinische Hilfe, sondern gibt auch eine gewisse Sicherheit und etwas Hoffnung.

 

Trotz der anstrengenden Arbeit und der oft großen psychischen Belastung, arbeite ich gerne hier. Ich erlebe auch sehr viele schöne Dinge und ?kleine Wunder? in und durch die Arbeit mit den Menschen in Westdarfur.

 

Liebe Grüße!

 

Elke Feichtinger

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