Tuesday, 22. May 2012 | 21:38 CEST

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Hilfe für Georgien: Die oberösterreichische Krankenschwester Eleonore Lobmeyr arbeitete acht Monate lang mit Ärzte ohne Grenzen in Tiflis.
Veröffentlicht am 31.12.2002
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Die Großfamilie als Lebensversicherung

Wie die Georgier ihre schwierige politische und ökonomische Lage bewältigen – sechster und letzter Teil der Standard-Serie zur Herbst-Kampagne von Ärzte ohne Grenzen.

Die jüngste Festnahme vier muslimischer Extremisten bei Paris rückt erneut den südlichen Kaukasus in den Blickpunkt. Zwei der Männer haben laut französischer Polizei eine Ausbildung im georgischen Pankisi-Tal erhalten und Rebellenführer der abtrünnigen russischen Republik Tschetschenien getroffen.

Russland wirft Georgien seit langem vor, nichts gegen terroristische Aktivitäten, die vom Pankisi-Tal ausgingen, zu unternehmen. Moskau übt starken diplomatischen und militärischen Druck auf die Regierung in Tiflis (Tbilissi) aus. Seit Oktober gibt es gemeinsame Grenzpatrouillen.

 

Russland unterhält nach wie vor zwei Militärstützpunkte in Georgien, über deren Räumung jetzt nach längerer Unterbrechung wieder verhandelt wird. Dazu kommt, dass zwei georgische Regionen - Abchasien und Südossetien - von moskaufreundlichen Kräften regiert werden und nicht unter Kontrolle von Tiflis stehen. Der georgische Präsident Eduard Schewardnadse will seinerseits das Land binnen weniger Jahren in die Nato führen.

Die geopolitische brisante Lage Georgiens verschärft noch die wirtschaftliche Misere. Von gut ausgebildeten etwa 30-Jährigen fänden 60 bis 80 Prozent keine Arbeit, schildert Eleonore Lobmeyr ihre Erfahrungen. Die Krankenschwester aus Oberösterreich arbeitete acht Monate lang, bis vergangenen Sommer, für "Ärzte ohne Grenzen" (Médecins sans Frontières/MSF) in Tiflis. Sie half beim Aufbau einer Arztpraxis, wo die Patienten kostenlos versorgt werden. Eine Krankenversicherung gibt es in Georgien nicht. Auch in den Spitälern muss alles bezahlt werden - was oft von MSF übernommen wurde und wird. Größtes Gesundheitsproblem ist die Ausbreitung der Tuberkulose.

Ein MSF-Nothilfeprogramm für Flüchtlinge aus dem Pankisi-Tal wurde im März 2001 beendet. Jetzt werden nach wie vor Verwundete aus Tschetschenien, aber auch viele vom Krieg traumatisierte Kinder mit MSF-Hilfe in georgischen Spitälern behandelt.

 

Wenn von tschetschenischen "Terroristen" die Rede gewesen sei, hätten die Georgier oft mit einem Lächeln oder Schmunzeln reagiert, berichtet Lobmeyr. Wohl eine Art der "Bewältigung" eines Konflikts, den viele nicht wahrhaben wollten.

 

Was die Alltagsprobleme betrifft, so habe sie vor allem die familiäre Solidarität beeindruckt: In jeder Großfamilie gebe es irgendjemanden, oft auch im Ausland, dem es besser gehe und der die anderen mit ernähre. Und trotz der bedrückenden Situation hätten sich die Georgier ihre Lebensfreude bewahrt. Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2002

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