Tuesday, 7. February 2012 | 21:15 CET

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© MSF/Dieter Telemans

Ganz oben auf der Liste ist das Flüchtlingsdrama im Tschad, wohin Zehntausende vor Gefechten im Sudan und Zentralafrika geflüchtet sind. Mit den Neuankömmlingen im Dezember 2003 sind die Aufnahmekapazitäten der Region erschöpft.
Veröffentlicht am 21.01.2004
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Die Top-10-Liste der vergessenen Krisen 2003

Ärzte ohne Grenzen hat soeben die Top-Ten-Liste 2003 der medial am meisten vernachlässigten humanitären Krisen herausgegeben: Gewalt gegen Zivilisten, fehlender Zugang zu Medikamenten und das Schicksal von Flüchtlingen stehen im Vordergrund dieses jährlich erstellten "Rankings der anderen Art".

Überblick

Zu den zehn von den Medien am meisten vernachlässigten humanitären Katastrophen gehören laut dem soeben von Ärzte ohne Grenzen herausgegebenen jährlichen Ranking die eskalierende Flüchtlingskrise entlang der Grenze zwischen dem Sudan und dem Tschad sowie chronische Konflikte in Kolumbien, Tschetschenien, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo. Weiters weist diese zum sechsten Mal veröffentlichte Liste auch auf die ständig steigende Zahl an Malariatoten, die anhaltenden Konflikte in Nordkorea und Somalia, den Krieg in der Elfenbeinküste und den durch regionale Handelsabkommen gefährdeten Zugang zu lebensrettenden Medikamenten in armen Ländern hin.

Berichte abseits des Mainstreams gefordert

"Wenige Österreicher sind sich im klaren darüber, dass in diesem Moment im Sudan in der Region Darfur Hunderttausende Menschen vor massiver Gewalt auf der Flucht sind oder dass kürzlich in Tschetschenien Zehntausende Menschen einfach in ein Kriegsgebiet zurück geschickt wurden", erklärt DI Franz Neunteufl, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. "Trotzdem sagen uns viele Menschen in Österreich immer wieder, dass sie über diese humanitären Krisen auch informiert werden möchten, so dass sie sich öffentlich dazu äußern und dagegen auftreten können."

Sicherheitsrisiken behindern Berichterstattung

Die zunehmende Brutalität gegen die Zivilbevölkerung hat sich im Jahr 2003 auch gegen die Helfer gerichtet: Arjan Erkel, freiwilliger Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, befindet sich nach über 500 Tagen noch immer in Gefangenschaft, nachdem er am 12. August 2002 in Dagestan entführt wurde. Solche Sicherheitsrisiken tragen dazu bei, dass immer weniger Journalisten über die gefährlichsten Regionen der Welt berichten.

Allumfassende Darstellung in den Medien fehlt meist

Bestimmte internationale Themen wie der Krieg im Irak, die US-Politik, EU-Themen oder der Nahost-Konflikt fanden in der österreichischen Berichterstattung 2003 zwar ihren Niederschlag, die humanitären Aspekte oder andere große humanitäre Krisen wurden aber oft völlig ausgeklammert. "Zum Beispiel wurde auch immer wieder über Nordkorea berichtet", erklärt Neunteufl. "Aber die furchtbare Lage der Menschen dort oder die Verfolgung der nordkoreanischen Flüchtlinge blieben praktisch unerwähnt. Es ist genau dieses Schweigen und diese Gleichgültigkeit, die es ermöglichen, dass solche Ungerechtigkeiten weitergehen."

Die Liste als PDF-Download

Unter "Downloads" finden Sie die Liste der 10 medial am meisten vernachlässigten humanitären Krisen und eine Kurzversion des Jahresberichts 2002/2003.

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