Die Waffen schweigen, doch das Sterben geht weiter
Erster Teil der Standard-Serie zur neuen Herbst-Kampagne von Ärzte ohne Grenzen.
Trügerische Ruhe
Nach 20 Jahren Bürgerkrieg und zwei Millionen Toten kamen die Zentralregierung in Karthoum und die Aufständischen der "Sudanesischen Volksbefreiungsarmee" (SPLA) im Oktober überein, die Waffen ruhen zu lassen. Seither sei es zwar einfacher, an die hilfsbedürftigen Menschen heranzukommen, erklärt Kampmüller, die als Krankenschwester selbst jahrelang im Sudan war und nun in der Österreich-Sektion von "Ärzte ohne Grenzen" arbeitet. Die Bedingungen für die vertriebenen, ausgemergelten Flüchtlinge vor allem in der Oberen Nilprovinz (West Upper Nile) hätten sich aber kaum verbessert.
Flucht vor dem Öl
"Besonders die Auseinandersetzungen um die vermuteten Ölfelder in der Region (auch die OMV ist an einem Konsortium beteiligt, das dort explorieren will, Anm.) verhindern, dass die Menschen wieder in ihre angestammte Heimat zurückkehren können", erläutert Kampmüller. Hunderttausende seien samt ihrem Vieh noch immer auf der Flucht - weitab von einer Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung.
Schwarzes Fieber
Die Ärzte ohne Grenzen behandeln derzeit vor allem Menschen, die am schwarzen Fieber erkrankt sind. Die Infektion (auch Kala Azar oder viscerale Leishmaniose genannt) wird von Sandflöhen übertragen. Sie schwächt die Abwehrkräfte der ohnehin schon ausgezehrten Menschen und führt unbehandelt zum Tod. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs 1983 starben 100.000 Menschen am schwarzen Fieber.
Hilfe aus Österreich
"Mit unseren Basisgesundheitsprogrammen versuchen wir, möglichst vielen eine Chance zu geben", so Kampmüller. Allein: Die Behandlung der Krankheit ist sehr teuer (150 US-Dollar) und kompliziert. Es müssen über viele Tage Injektionen verabreicht werden. 2002 fließen aus Österreich 491.000 Euro für "Ärzte ohne Grenzen" in den Sudan. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2002)
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