Tuesday, 7. February 2012 | 20:48 CET

Veröffentlicht am 19.12.2007
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Die zehn vergessenen Krisen 2007

Das Leid von Millionen von Menschen in Konflikt- und Krisengebieten bleibt für die Weltöffentlichkeit weitestgehend unsichtbar. Über Krisen wie die in der Zentralafrikanischen Republik, in Somalia oder in Sri Lanka wurde 2007 wie in den vorangegangenen Jahren in den Medien kaum berichtet. Auf der Liste der vergessenen Krisen 2007 von Ärzte ohne Grenzen stehen auch die Demokratische Republik Kongo, Kolumbien, Myanmar (Burma), Simbabwe, Tschetschenien, Tuberkulose und Mangelernährung.

“Zweifellos arbeiten viele Journalisten hart daran, über die Geschehnisse in Konfliktregionen weltweit zu berichten”, erklärt Reinhard Dörflinger, Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich. “Doch Millionen von Menschen, die zwischen Kriegsparteien gefangen sind, aus ihrer Heimat vertrieben oder ohne die einfachste medizinische Versorgung überleben müssen, erhalten nicht die ihrem Schicksal entsprechende Beachtung.“

Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte die erste Liste vergessener Krisen 1998, nachdem US-Medien über eine verheerende Hungerkatastrophe im Südsudan kaum berichtet hatten. Die Organisation versucht mit dieser Liste, auf das Ausmaß und die Schwere von Krisen und Konflikten hinzuweisen, die nicht in den Medien widergespiegelt werden - denn mediale Aufmerksamkeit ist für die Reaktion auf eine Krise häufig entscheidend. Ein Beispiel hierfür ist Unterernährung bei Kindern. Mehr Berichterstattung über effektive Methoden zur Behandlung von mangelernährten Kindern erzeugt größeres Bewusstsein dafür, internationale Nahrungsmittelhilfestrategien zu verändern.

Über die Krisen der Liste für 2007 wurde von Januar bis November in den drei großen US-amerikanischen Fernsehsendern nur 18 Minuten in den abendlichen Nachrichten berichtet. Dies zeigt eine Untersuchung von Andrew Tyndall, dem Herausgeber des Online-Magazins "The Tyndall Report". Nicht eingeschlossen ist die Berichterstattung über Myanmar (Burma) und Tuberkulose. Über beide Themen wurde breit berichtet, jedoch kaum unter humanitären Aspekten. Tschetschenien, Sri Lanka und die Zentralafrikanische Republik wurden nicht ein einziges Mal in den Nachrichten der untersuchten Sender erwähnt.

Die Liste wird in diesem Jahr zum zehnten Mal herausgegeben. In den vergangenen Jahren sind die Demokratische Republik Kongo und Kolumbien - beides Länder mit anhaltenden zivilen Konflikten und massiven internen Vertreibungen - neun Mal auf ihr erschienen. Die humanitären Auswirkungen des Konfliktes in Tschetschenien waren acht Mal auf der Liste. Somalia, wo in den vergangenen Wochen durch Kämpfe in der Hauptstadt Mogadischu Tausende Menschen starben und Hunderttausende fliehen mussten, wurde bereits sieben Mal genannt.

Die zehn vergessenen Krisen 2007

  • Somalia: Hunderttausende Vertriebene durch Konflikt in dramatischer Lage
  • Simbabwe: Politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten lösen Gesundheitskrise aus
  • Tuberkulose: Medikamentenresistente Tuberkulose schreitet voran, während neue Arzneimittel ungetestet bleiben
  • Mangelernährung: Verstärkter Einsatz von nährstoffreicher Fertignahrung erforderlich, um Mangelernährung bei Kindern zu verringern
  • Sri Lanka: Zivilbevölkerung gerät ins Kreuzfeuer des Konfliktes
  • Demokratische Republik Kongo: Verschlechterung der Lebensbedingungen
  • Kolumbien: Prekäre Lage für die Menschen in den Konfliktzonen
  • Myanmar: Humanitäre Hilfe nur sehr eingeschränkt möglich
  • Zentralafrikanische Republik: Zivilisten zwischen Kämpfen bewaffneter Gruppen
  • Tschetschenien: Obwohl Konflikt abebbt, bleibt hoher Bedarf an humanitärer Hilfe

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