Eindrücke von der Arbeit einer Labortechnikerin in Tansania
Nach sorgfältigen Überlegungen wagte die gebürtige Oberösterreicherin Elisabeth Sommer den Sprung von einem Tiroler Institut in ein Land Afrikas mit Ärzte ohne Grenzen. Als Medizinisch-technische Analytikerin in Tansania liegt der Hauptschwerpunkt der Arbeit von Elisabeth Sommer in der Einschulung neuer Mitarbeiter in Labortätigkeiten.
Hallo alle miteinander!
Die Zeit hier vergeht wie im Flug! Laut meinem ursprünglichen Vertrag hätte ich nur mehr 2 Wochen!!! Ich konnte mir gar nicht vorstellen, schon so bald heimzufahren. Seit einem Monat ist im Gespräch, für das Bezirks-Krankenhaus eine Maschine für die CD4-zell-zählung anzuschaffen. Jetzt ist es fix und ich bleibe für die Einlernphase noch 2 Monate länger. Nachdem die beiden Missionsspitäler mittlerweile selbständig arbeiten und wir nur mehr auf Anfrage kommen, freue ich mich schon darauf wieder mehr im Labor zu arbeiten. Außerdem kann ich so die hart erkämpfte Erfahrung mit dem Gerät weitergeben.
Nicht nur im Laborbereich hat sich viel geändert: Selbst im Bezirks-Krankenhaus versuchen wir uns zurückzuziehen und mehr von außen zu beobachten. Der klinische Schwerpunkt des Projekts hat sich mittlerweile mehr in Richtung Information und Prävention verlagert.
Gemeinsam mit zwei Volontärinnen von SPW (Students Partnership Worldwide) und den Schulen planen wir Infoveranstaltungen für die Schüler und Trainings für die Lehrer. In den Dörfern gibt es zwar seit 2 Jahren ein 2-köpfiges AIDS-Komitee, aber das existiert nur auf dem Papier. Also werden wir diese Leute jetzt in Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung ausbilden. Außerdem sind Selbsthilfe-Gruppen von HIV-positiven im Entstehen. 6 Gruppen treffen sich bereits regelmäßig in ihren Dörfern. Und dann ist da noch mein neuer Bereich, den ich gemeinsam mit unserer einheimischen Pharmazeutin organisiere: Ursprünglich war die Idee, unserem lokalen Personal das Basiswissen über HIV/AIDS zu vermitteln. Die Präsentation dauerte viel länger als geplant weil es so viele Fragen gab und schließlich wurde beschlossen, 2 Mal monatlich einen neuen Schwerpunkt zu behandeln. Nachdem es so gut angekommen ist, überlegen wir, wo wir diese Präsentationen noch anbieten können. Von der Bezirksverwaltung über die Polizei bis hin zum Gefängnis - jede Menschenansammlung wird anvisiert.
Wir bereiten die Vorträge in English vor, damit ich auch etwas verstehe, aber dann übersetzen wir alles in Kiswahili. Die Präsentationen werden dann von den medizinischen Mitarbeitern abwechseln bestritten. Nur dadurch, dass wir die Inhalte kennen, haben wir eine Idee, worum es geht – und oft sind wir auch auf der falschen Fährte. Heute gab es z.B. eine Tuberkulose-Fortbildung im Labor. Für die 3 schwach bis gar nicht englischsprachigen habe ich John um Unterstützung gebeten und ich habe mich gefragt, warum er ständig über die Nation (taifa) spricht, bis ich realisierte, dass es um Information (tarifa) geht :-) Nur ein Buchstabe, aber der macht den Unterschied. Wie bei umeelewa (= hast du verstanden) und umelewa (= bist du betrunken).
Zurück zur Massenansammlung: Immer am 3. Sonntag im Mai ist Candle-Memorial-Day zum Gedenken an die AIDS-Opfer. In Österreich geht so etwas eher unter, aber hier gab es eine Gemeinschaftsveranstaltung von allen lokalen NGOs und Organisationen. Am Samstagabend gab es einen Kerzenmarsch. Singend und mit Transparenten zogen wir in beide Richtungen der Hauptstraße – war echt eine beeindruckende Stimmung.
Am Sonntag gab es dann vor vollbesetzter Ehrentribüne und jeder Menge Publikum eine Darbietung der Frauentheatergruppe, selbstgedichtete Raps der Schüler, Tänze, Reden von HIV-positiven usw. Wir hatten ja geglaubt, dass die 3 Stunden auf der Ehrentribüne für Txema, unseren arbeitswütigen Koordinator, eine Zwangspause bedeuten. Weit gefehlt – amüsiert stellten wir fest, dass er und der neben ihm sitzende Bezirkschef einen regen Erfahrungsaustausch betrieben und natürlich hatten sie danach für die folgende Woche eine weitere Besprechung vereinbart :-)
Ursprünglich als Strandtuch eingesetzt, laufen wir jetzt auch immer öfter wie die Einheimischen mit unseren Kangas und Kitenges herum. Kanga = Stoffbahn von ca. 3 Metern, die in 2 Teile geschnitten wird - mit Muster, Rand und einem Spruch. Ein Teil dient als Rock und der andere als Umhang. Im Gegensatz zu den Kangas sind die Kitenges einfach nur durchgehend gemustert. Wobei wir sie anstatt nach Sprüchen nach Farben aussuchen. So bin ich neulich aufgeklärt worden, was der Spruch meines Lieblingskangas folgendes bedeutet: "Ich lebe mit dir in guten und in schlechten Zeiten" :-) Unsere Köchin hat mir diese Woche auch versprochen, einen Kuchen zu backen, wenn ich in Tansania heirate – wenn das kein Grund ist. Habe zur Sicherheit aber doch heute selbst einen Kuchen gebacken. Einen Geburtstagskuchen fur Maria, denn morgen wird gefeiert!!!!
Liebe Grüße in alle Ecken,
Elisabeth
Länderinformation
Einwohner:
43.739.051
Lebenserwartung:
56 Jahre
Kindersterblichkeit:
108 von 1.000 Kindern sterben vor ihrem fünften Geburtstag
Quelle: data.worldbank.org
