Tuesday, 22. May 2012 | 21:45 CEST

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Foto: © Misha Galustov/agency.photographer.ru
Veröffentlicht am 13.11.2006
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Endlich wieder schmerzfrei gehen

Der Konflikt in Tschetschenien ist für die Bevölkerung zwar immer noch zermürbend, doch gibt es zumindest keine flächendeckende Bombardements und Straßenkämpfe mehr. Für viele Tschetschenen sind schlecht verheilte Wunden und Narben jedoch eine schmerzhafte Erinnerung an den Krieg. Seit kurzem bietet Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Grosny rekonstruktive Chirurgie im Krankenhaus Nr. 9 an, dem wichtigsten Referenzkrankenhaus der Republik.

"Viele Menschen haben alte Verletzungen und chronische Behinderungen durch den Krieg oder auch durch Verkehrsunfälle, aber sie konnten nicht operiert werden", sagt die Ärztin Manana Anjaridze, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Russland. "Die meisten können nur dann Geld für eine Operation zusammenkratzen, wenn es ums Überleben geht. Dabei gibt es viele operative Möglichkeiten, die ihre Lebensqualität enorm verbessern würden."

Patienten, die in die ambulanten Trauma- und Orthopädiekliniken kommen, werden zunächst vom Krankenhauspersonal untersucht. Diejenigen, die eine Operation benötigen und denen Ärzte ohne Grenzen helfen kann, werden in das Projekt aufgenommen. Die Kosten für die OP und die Medikamente trägt die Organisation. Das Team besteht aus einem Unfallchirurgen, plastischen Chirurgen und Anästhesisten. Ein Physiotherapeut kümmert sich zudem um die operative Nachbehandlung. 20 Betten stehen für diese Patienten zur Verfügung. Sie liegen auf einer Abteilung mit den Menschen, die einen gefäßchirurgischen Eingriff benötigen. Auch diese Operationen werden von Ärzte ohne Grenzen unterstützt.

Fachlicher Austausch erwünscht

Patientengeschichten wie die von Rustam, dessen Bein und Fuß bei einer Minenexplosion vor fünf Jahren verletzt wurden, kommen häufig vor: "Als er zu uns kam, hatte er bereits einige schmerzhafte und missglückte Operationen hinter sich. Wir haben sein Schienenbein jetzt in einen externen Metallrahmen gelegt, so dass der verletzte Knochen sich erneuern kann. Der nächste Schritt wird sein, den verdrehten Fuß wieder auszurichten. Wir hoffen, dass er in drei Monaten wieder laufen kann", erklärt Chirurgieprofessor Yandarov.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet mit renommierten tschetschenischen Chirurgen wie Professor Yandarov. Gefäßspezialist, Dr. Khunarikov, koordiniert das Projekt. Beide Männer haben während der heftigsten Kriegsphasen in Tschetschenien gearbeitet. Sie hoffen, dass sie sich durch dieses Projekt auch mit französischen Kollegen über neue Entwicklungen und operative Techniken austauschen können. Drei tschetschenische Chirurgen haben sich bereits Krankenhäuser in Lyon und Fontainebleau ansehen können. Weitere Besuche sind vorgesehen.

Seit Beginn dieses Projektes im Juli 2006 wurden 52 Patienten operiert. Alle Unfälle, Verbrennungen, Schusswunden und Minenverletzungen werden von Ärzte ohne Grenzen katalogisiert. Einige Operationen, die in den vergangenen Jahren in Tschetschenien oder in den Nachbarrepubliken ausgeführt wurden, sind leider missglückt oder erzielten schlechte Resultate. Die Patienten müssen jetzt erneut rekonstruktive chirurgische Eingriffe über sich ergehen lassen, damit die Fehler korrigiert werden können.

Schlecht verheilte Wunden

"Eine meiner Patientinnen hieß Madina. Sie war 18 Jahre alt, als sie 2002 zu mir kam. Sie lebte in Vedeno, im Süden des Landes. Ein Heckenschütze hatte sie erwischt", erinnert sich Professor Yandarov. "Beide Hüftknochen wurden dabei zerschmettert und ihre Beine mit Kugelsplittern durchlöchert. Sie hatte sehr viel Blut verloren und brauchte zwei Tage, bis sie über schreckliche Straßen und zahlreiche Kontrollpunkte endlich im Krankenhaus ankam. Sie war kaum noch am Leben, aber ich schaffte es, ihren Zustand zu stabilisieren. Ich operierte sie mit den wenigen Möglichkeiten, die mir damals zur Verfügung standen. Allerdings habe ich sie zu früh entlassen, denn wir brauchten dringend ihr Bett. Im August dieses Jahres hat sie mich besucht. Das eine Bein, das ich operiert hatte, war in Ordnung. Doch das andere war nicht gut verheilt. Sie lief an einer Krücke und hatte ziemliche Schmerzen. Dieses Mal konnte ich ihr erfreulicherweise richtig helfen: Wir haben ihr Bein erneut gebrochen, es richtig ausgerichtet, ein Knochentransplantat benutzt und eine Metallplatte fixiert. Jetzt kann sie endlich wieder ganz normal laufen."

"Am Anfang konnten die Patienten es gar nicht glauben, dass sie eine solche Operation kostenlos bekommen würden", sagt Dr. Khunarikov. "Sie wollten uns unbedingt Geld geben, was wir verweigerten. Ich bin sicher, dass die Patientenzahlen steigen werden." Geplant sind jedenfalls monatlich 25-30 Operationen unterschiedlicher Komplexität.

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