Enormer Bedarf an chirurgischer und psychologischer Hilfe in Konfliktgebiet in Sri Lanka
Noch immer sind ungefähr 150.000 Menschen inmitten von Kämpfen in der Region Vanni gefangen. Jene Zivilisten, die aus der Region fliehen konnten, leben oft getrennt von ihren Angehörigen und traumatisiert von Gewalt und Flucht in überfüllten Camps. Viele erlitten Schusswunden oder Verletzungen durch Granatsplitter. Ärzte ohne Grenzen unterstützt ein lokales Krankenhaus, in dem Verletzte aus Vanni behandelt werden, und hat bei den Behörden die Erlaubnis beantragt, in den Camps psychologische Hilfe zu leisten.
Während der ersten zwei Märzwochen konnten offenbar nur wenige Menschen aus der Konfliktregion Vanni im Norden Sri Lankas fliehen. Der Kontakt mit den in Vanni festsitzenden Menschen ist sehr schwierig, doch Vertriebene aus der Region berichten, dass es für die noch festsitzenden Zivilisten kaum möglich ist, die Region zu verlassen.
Ein Team von Ärzte ohne Grenzen arbeitet weiterhin in dem an der Grenze zur Region Vanni gelegenen Krankenhaus von Vavuniya. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf Chirurgie und der Unterstützung des Labors.
Die Zivilbevölkerung Vannis leidet schwer unter der Gewalt. Von knapp 1000 aus Vanni evakuierten Patienten zwischen Mitte Februar und Mitte März benötigten fast 600 chirurgische Eingriffe. 92 Prozent der chirurgischen Fälle sind direkt auf Gewalt zurückzuführen, am häufigsten sind Schusswunden und Verletzungen durch Granatsplitter.
MSF ist extrem besorgt über die Situation der ungefähr 150.000 Zivilisten, die noch immer in Vanni eingeschlossen sind.
Überfüllte und isolierte Camps
Die ca. 34.000 Menschen, die in den ersten beiden Monaten des Jahres 2009 aus Vanni flüchten konnten, leben in 13 Camps in Vavuniya, 3.000 Vertriebene haben Zuflucht in temporären Unterkünften in der Region Jaffna an der nördlichen Spitze Sri Lankas gefunden.
Die Camps in Vavuniya sind geschlossene Areale, meist um ein öffentliches Gebäude wie eine Schule oder einen Universitätscampus herum errichtet. Die Menschen leben in Zelten oder in leer stehenden Gebäuden. Die Camps sind extrem dicht bevölkert: Manchmal leben 600 Menschen auf der Größe eines Basketballfeldes. Die Menschen sind von Stacheldraht umgeben und dürfen die Camps nicht verlassen und auch nicht mit Bewohnern anderer Camps sprechen. Sie dürfen keine Besucher empfangen, und oft sind Familien auf verschiedene Camps aufgeteilt.
Die Bewohner der Camps können nicht selbst kochen und sind auf Gemeinschaftsküchen angewiesen. Die Regierung sorgt für die Gesundheitsversorgung zur Verfügung und überweist Patienten bei Bedarf in das Krankenhaus. In 10 der 13 Camps betreibt MSF zusätzliche Ernährungsprogramme für Kinder unter 5 Jahren und für schwangere Frauen und stillende Mütter.
Steigender Bedarf an psychologischer Hilfe
Viele Menschen in den Camps leiden unter akuten psychischen Problemen. Viele wurden durch das, was sie in Vanni bzw. auf ihrer Flucht erlebten traumatisiert, viele haben Verwandte oder sogar ihre gesamte Familie verloren. Sie haben keinen Kontakt zu ihren Verwandten in Vanni und wissen oft nicht, ob sie noch am Leben sind. Wann immer neue Flüchtlinge ankommen versammeln sich Menschenmengen um sie und suchen nach ihren Angehörigen.
Manche leben seit Monaten in den Camps. In den Camps gibt es keine Jobs, keine Schulen, und nichts zu tun außer zu warten. Das Leben der Menschen befindet sich im Stillstand und sie haben Angst um die Sicherheit ihrer Angehörigen.
Ärzte ohne Grenzen ist darauf vorbereitet, unabhängige und vertrauliche psychologische Hilfe in den Camps zu leisten und verhandelt derzeit mit den srilankischen Behörden über eine entsprechende Genehmigung.
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