Tuesday, 22. May 2012 | 21:47 CEST

Veröffentlicht am 09.06.2004
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Florian Breitenecker berichtet von seinem Einsatz in Thailand

Der erste Einsatz des Wiener Arztes führte ihn nach Thailand, wo er das gesamte Jahr 2003 verbrachte. Florian Breitenecker betreute mit dem Einsatzteam in der Provinz Surin fünf Spitäler mit Schwerpunkt auf der Behandlung und Prävention von AIDS.

Thailand - "Das Land des Lächelns"

Ungefähr 700.000 Menschen in Thailand ist nicht unbedingt zum Lächeln zumute. Sie sind HIV positiv.

2003 verbrachte der junge Wiener Arzt für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz, um die fast 8.000 HIV-Positiven und AIDS-Erkrankten in Surin und Umgebung im Kampf gegen den tödlichen Virus zu unterstützen. Die teilweise erschreckend jungen Patienten und deren Angehörige lächelten, als "Dr. Flo" - wie das lokale Spitals-Team ihn nannte - sich an ihr Bett setzte und ihre Hand hielt. Mütter standen fächernd an den Krankenbetten ihrer Kinder, verscheuchten die Fliegen, machten Mut und ein bisschen Wind.

"Manchmal ist es schwer zurückzulächeln, wenn man weiß, dass man nichts mehr für sie tun kann. Aber zum Glück haben wir dank der Kombitherapie eine relativ geringe Sterberate. Das heißt, wenn die Patienten sich rechtzeitig testen lassen und dann auch ins Spital kommen" , was laut Breitenecker oftmals nicht gegeben ist. "Trotz der Präventionsbemühungen der thailändischen Regierung ist AIDS hier noch ein großes Tabuthema. Die gesellschaftliche Ausgrenzung der Erkrankten ist manchmal enorm. Gerade Kinder und Jugendliche leiden stark unter der Isolation."

Prinzessin mit HIV

Mit Hilfe der lokalen Ärzte und Schwestern versucht Ärzte ohne Grenzen jedoch Infizierte auf die bevorstehenden Behandlungen vorzubereiten und psychologisch zu unterstützen. Auch für Florian Breitenecker war es oft nicht leicht mit den traurigen Umständen fertig zu werden. "Ich war auf Hausbesuch bei einem siebenjährigen Mädchen. Sie saß den ganzen Tag unter einem Moskitonetz im Bett, ging nicht zur Schule, hatte keine Freunde. Neben dem Bett lag eine Zeichnung, die sie lachend in einem Kreis von lauter schönen Prinzessinnen zeigte. Das geht schon nahe."

Die Hausbesuche waren allerdings nur ein relativ geringer Anteil seiner Arbeit. Täglich fuhr Breitenecker in eines der fünf Spitäler, die an dem seit 1996 bestehenden AIDS-Projekt beteiligt sind. Spätestens 2005 soll das Projekt vollständig an die lokalen Institutionen abgegeben sein. Wie in vielen anderen Projekten von Ärzte ohne Grenzen ist auch hier die Grundidee "Hilfe zur Selbsthilfe".

Frühes Engagement für Menschen in Not

Helfen ist für Florian Breitenecker schon lange ein großes Thema. Bereits mit jungen 20 Jahren hat er von seinem Studentenzimmer aus einen Verein gegründet, der Menschen in Not helfen sollte, "Vergissmeinnicht". So scheint es fast eine logische Konsequenz, dass er sich nach Abschluss seines Turnus bald für ein Auslandsjahr mit Ärzte ohne Grenzen entscheidet. Auch wenn es nicht leicht für ihn war, Freunde und Familie für ein Jahr zu verabschieden, schöpfte er immer wieder neue Motivation: "Jedes Mal, wenn ein Patient nach nur wenigen Monaten Therapie wieder ein funktionierendes Immunsystem oder zehn Kilogramm und mehr zugelegt hatte, wieder die Kraft hatte zu arbeiten oder sich um die Familie zu kümmern, wieder Mut und Hoffnung und eine Lebensperspektive hatte, wusste ich, wozu ich dort war. Ich bereute es keine Sekunde."

Hoffnung für die Zukunft

Die Infektionszahlen in Thailand konnten in den letzten Jahren deutlich gesenkt, die Lebenserwartung bereits Infizierter, die die Möglichkeit haben Therapie zu beziehen, drastisch erhöht werden. Was den jungen Wiener Arzt manchmal frustrierte ist jedoch die traurige Tatsache, dass - wie so oft in finanzschwächeren Ländern - Geld über Leben und Tod entscheidet. Trotz Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen kann das thailändische Gesundheitssystem derzeit nur für die Behandlung einer geringen Anzahl von Patienten aufkommen. Dies soll sich aber im Laufe der nächsten Jahre ändern. Der von UNO-Generalsekretär Kofi Annan gegründete Fond "Global Aids and Health Fund", der die AIDS-, Malaria- und Tuberkulosebehandlung in 2. und 3. Welt-Ländern ermöglichen soll, übernahm ab Juli 2003 einen Teil der Kosten für die AIDS- und Tuberkulose-Medikation in Thailand, um so das lokale Gesundheitssystem zu entlasten. Obwohl sich bereits Probleme bei der Finanzierung dieses Fonds abzeichnen, ist Florian Breitenecker optimistisch was die Übergabe des Projekts betrifft. "Die jungen Ärzte und Schwestern dort sind sehr engagiert und nehmen unsere Hilfe gerne an. Es ist ein gutes Gefühl so warm und vorurteilslos aufgenommen und akzeptiert zu werden. Obwohl man Westler ist."

AIDS in Thailand

  • offiziell 665.000 HIV-Infizierte (Die Schätzungen der NGOs belaufen sich jedoch auf 1 Million)
  • davon 67.000 AIDS-Erkrankte
  • 25.000 Neuinfektionen im Jahr 2001
  • 55.000 Todesfälle durch HIV/AIDS im Jahr 2001

Projekthintergrund

Das Engagement von Ärzte ohne Grenzen in Surin reicht bereits ins Jahr 1996 zurück, als ein Projekt zur Heimbetreuung Aidskranker etabliert wurde. Die wirksame Kombinationstherapie und damit die einzige Chance, der tödlichen Immunschwäche zu entkommen, steht den Kranken jedoch erst seit 2 ½ Jahren zur Verfügung. Die Behandlung, Aufklärung und Versorgung der Patienten sowie die Finanzierung der Medikamente wird von Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit fünf lokalen Spitälern durchgeführt. Personal: Drei internationale und zwölf lokale Mitarbeiter.

Interview auf FM4

Unter dem Thema "Aid Organistations and their work abroad" brachte der bundesweite Radiosender FM4 am Samstag, den 12. Juni ein Interview mit Florian Breitenecker und Anton Petter, der in einem AIDS-Projekt in Südafrika gearbeitet hat. Ein mp3-file des Interviews ist am Ende dieses Artikels abrufbar.

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