© alle Fotos MSF/Peter Casaer
Peter Casaer aus der Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen in Belgien hat Ende Januar 2004 die Flüchtlingslager in Tine und Birak besucht.Seine Fotos in der Fotogalerie veranschaulichen das Leid der Menschen in der Region. Bitte beachten: Es kann ein wenig dauern, bis die 7 Fotos (130 KB) vorausgeladen sind.
Peter Casear: Es hat mich sehr erstaunt, dass mir in den Flüchtlingslagern so viele Menschen mit einem Lächeln im Gesicht begegneten. Erst wenn man mit ihnen näher ins Gespräch kommt, kann man erahnen, was sie durchgemacht haben müssen. Dann erzählen sie von schlimmen Erlebnissen wie Bombardierungen, von Überfällen, Plünderungen und Vergewaltigungen.
Dieses Bild ist in Birak entstanden, einer kleinen Stadt im Tschad, die vollkommen von Flüchtlingslagern umgeben ist. Die Menschen sind nicht immer leicht zu erreichen, und manchmal muss man stundenlang fahren, um sie zu finden. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige humanitäre Organisation vor Ort. Die beiden Kinder auf dem Foto kommen gerade von einer medizinischen Untersuchung. Im Hintergrund ist das Zelt zu sehen, in dem wir unser Gesundheitszentrum eingerichtet haben. Ärzte ohne Grenzen behandelt dort auch unterernährte Kinder.
Das ist Lucy, eine Krankenschwester aus Belgien, die in Birak arbeitet. Sie behandelt einen kleinen Jungen, der unterernährt war. Bisher sind zum Glück nicht so viele Kinder dabei, die wir aufpäppeln müssen. Allerdings befürchten wir, dass es mehr werden könnten, wenn nicht bald mehr Hilfe für die Region eintrifft.
Eine alte Frau, die aus Darfur geflohen ist, sucht Schatten unter einem Baum. Wir trafen sie dort mit ihrer Familie, bzw. denjenigen, die von ihrer Familie übrig geblieben sind: ihrer Tochter mit sieben Kindern. Der Ehemann der jungen Frau wurde in Darfur von Milizen getötet. Eine Woche verbrachten die Frauen und Kinder ohne jegliche Hilfe. Die Menschen in manchen Flüchtlingslagern überleben dank der Hilfe der Bevölkerung im Tschad. Aber die ist selbst arm, und deswegen sind auch ihrer Solidarität Grenzen gesetzt. Mittels mobilen Teams hilft Ärzte ohne Grenzen in dieser Region.
Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Tine: Zwei ältere Frauen auf dem Weg in das Zelt, in dem die Frauen- und Kinderstation untergebracht ist. Die meisten von ihnen werden allgemeinmedizinisch behandelt, aber einige Patienten und Patientinnen wurden Opfer von Kämpfen und haben Verwundungen davongetragen. Sie müssen chirurgisch versorgt werden.
Petra, eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen, kümmert sich um einen jungen Mann, der bei einem Bombenabwurf schwer im Gesicht verletzt wurde. Der Angriff ging von einem Antonov-Flugzeug aus. Während unseres Besuchs lag er da, zeigte mit seinem Finger in die Luft und wiederholte nur das eine Wort: "Flugzeug, Flugzeug, Flugzeug ...", um uns zu erklären, was passiert war.
In einem Flüchtlingslager wartet eine Frau zusammen mit vielen anderen auf eine medizinische Untersuchung. Zu unserer Überraschung hatten die Menschen dort bereits selbst eine Hütte gebaut, damit wir unsere medizinischen Sprechstunden abhalten können. Abgesehen von unserer medizinischen Unterstützung, hat die Flüchtlinge hier noch keine weitere Hilfe erreicht. Wie sich ihre Lage in den nächsten Wochen entwickeln wird, das hängt entscheidend davon ab, ob endlich internationale Hilfe in den Westen des Tschad kommt.
Veröffentlicht am 09.03.2004
Flüchtlinge aus dem Sudan brauchen dringend Hilfe
Seit rund einem Jahr ist die westsudanesische Region Darfur Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Etwa eine Million Menschen in der Provinz sind davon betroffen. Davon suchen ca. 100.000 Schutz im benachbarten Tschad. Ärzte ohne Grenzen ist praktisch die einzige Hilfsorganisation, die den Vertriebenen in der Grenzregion hilft.
Der Konflikt in der sudanesischen Region Darfur ist im vergangenen Frühjahr eskaliert. Die betroffenen Zivilisten befinden sich in einer äußerst bedrohlichen Lage, viele brauchen dringend Wasser, Lebensmittel und Unterkunft. Die benötigte internationale Hilfe bleibt jedoch weiterhin aus. Ärzte ohne Grenzen kümmert sich in den Grenzstädten Tine, Birak und Adre seit September 2003 um die medizinische Versorgung der Flüchtlinge, um Ernährungsprogramme für unterernährte Kinder, und führt Impfkampagnen durch.
Einwohner:
11.206.152
Lebenserwartung:
49 Jahre
Kindersterblichkeit:
209 von 1.000 Kindern sterben vor ihrem fünften Geburtstag
Quelle: data.worldbank.org
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