Tuesday, 22. May 2012 | 21:51 CEST

img414.jpg
Veröffentlicht am 12.04.2001
Share |
A A

Flüchtlinge im Süden Guineas in Gefahr

Wien, 12. April 2001. Tausende Flüchtlinge aus Sierra Leone, die in Südguinea Zuflucht gesucht hatten und in der Region "Parrots Beak" festsaßen, versuchen, vor den Kampfhandlungen in der Region zu fliehen.

Zu Fuß nach Sierra Leone

Seit Januar ist etwa die Hälfte der 140.000 Flüchtlinge von dort ins Landesinnere von Guinea geflüchtet oder zu Fuß nach Sierra Leone zurückgekehrt. Viele mußten die Rebellengebiete in Sierra Leone durchqueren. Pro Tag kommen im Durchschnitt 50 Menschen in der Stadt Kenema im Süden Sierra Leones an, wo ein Team von Ärzte ohne Grenzen arbeitet. In den letzten Wochen wurden dort insgesamt 5000 Personen registriert.

Flucht vor Kampfhandlungen

Die meisten dieser Sierraleoner sind aus Sicherheitsgründen aus Guinea geflohen. Denn in der Region "Parrots Beak" an der Grenze zu Liberia und Sierra Leone, in der sie Zuflucht gesucht hatten, finden seit mehreren Monaten Kampfhandlungen statt. Viele der 50.000 Flüchtlinge werden von den bewaffneten Gruppen immer wieder angegriffen.

Die Flüchtlinge, die in Kenema im Regierungsgebiet ankommen und vom dortigen Team von Ärzte ohne Grenzen befragt werden, haben im Durchschnitt 8 Tage Fußmarsch hinter sich. Viele mußten Familienmitglieder hinter sich lassen. Einige berichten, daß sie auf dem Weg angegriffen wurden. Gleichzeitig hat ein Erkundungsteam von Ärzte ohne Grenzen in Kailahun, einem Gebiet, das in den Händen der RUF-Rebellen (Revolutionäre Einheitsfront) ist, etwa 300 Flüchtlinge aus Guinea registriert.

Instabile Lage

Aufgrund der äußerst unstabilen Lage in Sierra Leone ist es für die Flüchtlinge aber noch nicht sicher, zurückzukehren. Es besteht die Gefahr, daß sie neuerlich mit jener Gewalt konfrontiert werden, vor der sie vor ein paar Jahren geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen fordert, daß jene, die aus eigenem Willen mangels anderer Möglichkeiten zurückkehren, den Schutz und die Hilfeleistung bekommen, auf die sie aufgrund ihres Flüchtlingsstatus Anspruch haben.

Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz für Flüchtlinge

Ärzte ohne Grenzen hat das UNHCR (Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen) und die lokalen Behörden bereits mehrmals aufgefordert, den Schutz der Flüchtlinge, die im Süden Guineas festsitzen, durch den Transfer in sicherere Gebiete im Norden des Landes zu gewährleisten. Dort wurden mit der Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen bereits Lager aufgebaut. Ärzte ohne Grenzen ist bereit, an einer Evakuierungsaktion dieser bedrohten Bevölkerungsgruppen teilzunehmen.

Mediathek und Archiv