Tuesday, 22. May 2012 | 21:51 CEST

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Ärzte ohne Grenzen ist seit über 20 Jahren im Einsatz in Afghanistan und hilft, die Gesundheitsversorgung im Land aufrechtzuerhalten.
Veröffentlicht am 02.06.2004
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Fünf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen getötet

Mit großer Trauer bestätigt Ärzte ohne Grenzen die Ermordung von fünf Kollegen am Mittwoch, den 2. Juni 2004, auf der Fahrt zwischen Khairkhana und Qala-I-Naw in der afghanischen Provinz Badghis.

Die Namen der Opfer:

 

Hélène de Beir, Projektkoordinatorin aus Belgien

Willem Kwint, Logistiker aus den Niederlanden

Egil Tynaes, Arzt aus Norwegen

Fasil Ahmad, Übersetzer aus Afghanistan

Besmillah, Fahrer aus Afghanistan

 

Zum Hergang

 

Sie fuhren in einem Toyota Landcruiser um 15.00 Uhr von Khairkhana ab. Um 15.45 Uhr war Funkkontakt vereinbart worden, dieser Kontakt hat allerdings nicht stattgefunden. Zwei Autos wurden ausgeschickt, um das Fahrzeug zu suchen, eines aus Khairkhana, das zweite aus Qual-I-Now. Das Fahrzeug wurde ca. um 17.20 Uhr gefunden, und zwar in einer Distanz von ca. 25 Minuten von Harikhana in der Richtung von Qala-I-Naw. Die ersten Berichte lokaler Behördenvertreter (Dorfälteste) deuteten bereits darauf hin, dass eine Katastrophe passiert war. Durch die Hilfe dieser lokalen Behörden wurde der Landcruiser zurück zum Stützpunkt von Ärzte ohne Grenzen in Khairkhana gebracht, wo es um 19.45 Uhr zurück einlangte. Dort konnten die verbliebenen vier Teamkollegen und nationalen Mitarbeiter nur mehr bestätigten, dass die fünf Kollegen erschossen worden waren.

 

Das Fahrzeug war durch die Windschutzscheibe zerschossen, ebenso durch das vordere Fahrerfenster und die Heckscheibe. Weiters waren auf der Seite des Fahrzeuges Granatsplitter, die darauf hinweisen, dass eine Granate detoniert war.

 

Es ist für Ärzte ohne Grenzen zur Zeit unmöglich, weitere Details bekannt zu geben, da wir derzeit noch nicht genau wissen, was passiert ist. Auch wer hinter der Ermordung steht und was für Motive dahinterstehen, können wir derzeit noch nicht sagen.

 

Wir werden Hélène, Pim, Egil, Fasil Ahmad und Besmillah sehr vermissen und drücken ihren Familien und Freunden unser tiefstes Mitleid aus.

 

Heute sind unsere Gedanken bei den Familien der Getöteten, aber auch bei den Menschen in Afghanistan, deren Zugang zu Gesundheitsversorgung und humanitärer Hilfe zunehmend gefährdet ist.

 

In den kommenden Wochen werden wir dieses Ereignis genau analysieren, aber jetzt müssen wir uns zuallererst um jene kümmern, die von dieser Tragödie am meisten betroffen sind. Unsere Hilfsaktionen im ganzen Land werden vorübergehend eingestellt, bis auf direkt lebensrettende Aktivitäten. Die internationalen Teams der holländischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen sind auf dem Weg nach Kabul und die nationalen Mitarbeiter aus Khairkhana werden an einen sicheren Ort gebracht. Zunächst werden alle an diesen Orten bleiben.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1999 in der Provinz Badghis tätig. In Khairkhana sind wir seit 2001, wo wir ein ambulantes Gesundheitszentrum betreiben. In den ersten vier Monaten dieses Jahres führten wir 6.500 Untersuchungen durch. Vor kurzem hat Ärzte ohne Grenzen ein Tuberkulose-Behandlungsprogramm gestartet, wo wir derzeit 45 Patienten in Behandlung haben, wobei eine Ausweitung des Programms gerade in Planung ist. Vor zwei Wochen hat Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit der lokalen Dorfgemeinschaft die Eröffnung eines Mutter-Kind-Gesundheitszentrums gefeiert.

 

Ärzte ohne Grenzen ist in Afghanistan in 12 Provinzen mit etwa 80 internationalen Mitarbeitern und etwa 1.400 nationalen Mitarbeitern im Einsatz. Unsere Aktivitäten reichen von Basisgesundheitsversorgung bis zur Unterstützung von Provinzspitälern und regionalen Spitälern. Außerdem betreiben wir Tuberkuloseprogramme und Programme zur psychologischen Betreuung von traumatisierten Kriegsopfern. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1979 in Afghanistan.

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