Gaza: Ärzte ohne Grenzen in Bereitschaft
Seit die Metallmauer, die Ägypten vom Gazastreifen trennt, vergangenen Mittwoch zu etwa zwei Drittel zerstört wurde, überqueren Hunderttausende Palästinenser die Grenze, um sich in ägyptischen Geschäften mit Lebensmitteln einzudecken und so der gegen Gaza verhängten Blockade zu entkommen. Ärzte ohne Grenzen evaluiert die Lage in Krankenhäusern in Gaza und hält sich für die mögliche Behandlung von Verwundeten bereit.
Die israelische Blockade ist nach wie vor in Kraft. Nur Treibstoffe und Medikamente dürfen phasenweise in den Gazastreifen geliefert werden. Der Grenzübergang für Personen in Erez ist nur für internationale humanitäre Helfer und Journalisten sowie für dringende Krankentransporte geöffnet.*
Medizinische und sanitäre Lage
Am Donnerstag hat ein MSF-Arzt eine neuerliche Evaluierung der Krankenhäuser im Gazastreifen durchgeführt, in denen nur Notfälle behandelt und nach wie vor keine geplanten Operationen durchgeführt werden können. Nur drei Spitäler verfügen über genug Treibstoffe für die Stromgeneratoren, und während der Stromausfälle ist der Betrieb auf die Intensivstation, die Notaufnahme und die Operationssäle reduziert.
Die Verteilung der Medikamente erfolgt nach dem Zufallsprinzip: Am vergangenen Mittwoch landeten Medikamentenlieferungen aus Ägypten direkt in der pharmazeutischen Zentrale des palästinensischen Gesundheitsministeriums. Die Hälfte der Patienten von Ärzte ohne Grenzen, die eine post-operative Betreuung benötigen, sind am Mittwoch nicht in der MSF-Klinik erschienen. 10 Prozent von ihnen kamen auch am Donnerstag nicht. Aufgrund der fehlenden Treibstoffe funktionieren auch die Tankstellen nur sporadisch, und etwa 50 Prozent der Bevölkerung des Gaza-Streifens hat keinen Zugang zu Trinkwasser.
Anpassung der medizinischen Aktivitäten
Ärzte ohne Grenzen bleibt wachsam und wird weiterhin die Lage in den Spitälern regelmäßig evaluieren. Ein Vorrat an medizinischem Notmaterial (Verbände, Medikamente und anderes Material) liegt in der zentralen MSF-Apotheke in Gaza Stadt bereit.
Ärzte ohne Grenzen setzt seine Aktivitäten im Bereich der psychologischen und medizinisch-sozialen Betreuung sowie der postoperativen Versorgung fort. Die medizinische Hilfe wird an den weiteren Verlauf der Ereignisse und an den Bedarf angepasst. So könnte die Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Khan Younis, im Süden des Gaza-Streifens, gegebenenfalls Verwundete aufnehmen und behandeln.
* ) Laut Angaben von OCHA konnten zwischen dem 18. und dem 23. Januar 79 palästinensische Patienten die Grenze zu Israel überqueren

