Gewalt an Spanisch-Marokkanischer Grenze
Ein soeben fertiggestellter Untersuchungsbericht von Ärzte ohne Grenzen zeigt, dass immer mehr Einwanderer aus dem subsaharischen Afrika vor den Toren Europas einem hohen Maß an Gewalt durch marokkanische Polizeikräfte, Verbrecherbanden und durch spanische Ordnungskräfte ausgesetzt sind.
Der aktueller Bericht von Ärzte ohne Grenzen belegt durch medizinische Daten und Zeugenaussaugen der letzten 27 Monate, dass etwa 25 Prozent der ärztlichen Behandlungen, die Ärzte ohne Grenzen in der Spanisch-Marokkanischen Grenzregion um die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta durchgeführt hat, auf direkte oder indirekte Gewaltanwendung zurückzuführen sind. Von insgesamt 10.232 Konsultationen, die Ärzte ohne Grenzen durchgeführt hat, waren 2.544 direkt auf Gewalt zurückzuführen und nicht auf Krankheiten, die durch die schwierigen Lebensumstände der Immigranten verursacht werden.
Auch spanische Ordnungskräfte unter Urhebern
Den Aussagen der von Ärzte ohne Grenzen behandelten Gewaltopfer zufolge waren in 44 Prozent der Fälle marokkanische Polizeikräfte die Urheber, in 17 Prozent der Fälle Verbrecherbanden, in 18 Prozent der Fälle spanische Ordnungskräfte, in 12 Prozent der Fälle Schlepperbanden, in 2 Prozent der Fälle waren die Verletzungen durch Schlägereien unter den Einwanderern und in 7 Prozent der Fälle durch Unfälle verursacht. Die Verletzungen der Betroffenen reichen von schweren Knochenbrüchen, die sie sich beim Fall vom Grenzzaun zuziehen, über typische Spuren von Schlägen und Hundebissen bis hin zu Schussverletzungen. Es kam auch zu Todesfällen.
Lebensbedingungen verbessern
Ärzte ohne Grenzen ist bestürzt über diese Situation und unterstreicht, dass Gewaltanwendung und entwürdigende Behandlung das Leid und die Ausgrenzung von Menschen vergrößern, die sich auf der Suche nach einem besseren Leben ohnehin extremer Mittellosigkeit und nicht selten inhumanen Bedingungen aussetzen.
Ärzte ohne Grenzen versucht, durch medizinische und humanitäre Hilfe gemeinsam mit den spanischen Gesundheitsbehörden die Lebensbedingungen der Einwanderer zu verbessern. Derzeit konzentrieren sich die Aktivitäten der Organisation auf die Regionen Tanger, Nador und Oujda im Norden Marokkos.
Der gesamte Bericht steht rechts in französischer und englischer Sprache zum Download bereit.

