Großer Bedarf an medizinischer Hilfe
Vor vier Jahren wurde in Sierra Leone Frieden geschlossen. Die letzten Truppen der Vereinten Nationen verließen das Land 2005. Das Ende des Krieges bedeutet aber leider nicht, dass das Leid vorbei ist. Ärzte ohne Grenzen half in den vergangenen Jahren vor allem Vertriebenen und Flüchtlingen. Jetzt verlagern sich die Projekte auf die medizinische Hilfe für die einheimische Bevölkerung.
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen wollten die Hilfsprogramme in Sierra Leone ursprünglich verkleinern, nachdem die Flüchtlinge und Vertriebenen in ihre Heimatregionen zurückgekehrt sind. Doch während sich die Lager leerten, kamen immer mehr Menschen aus der lokalen Umgebung in die Gesundheitszentren von Ärzte ohne Grenzen.
"Der lokalen Bevölkerung geht es gesundheitlich viel schlechter, als wir das angenommen haben. So kommen monatlich beispielsweise 10.000 Patienten mit Malaria in unsere Gesundheitszentren. Das ist eine wirklich hohe Zahl", so Susanne Elofsson von Ärzte ohne Grenzen.
Sehr viele Patienten sind an Malaria erkrankt
Mehr als 500 Patienten werden pro Monat in der Referenzklinik in Gondama behandelt, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Die meisten Patienten leiden an Malaria, Unterernährung und Atemwegserkrankungen. In den Gesundheitszentren in Bandajuma, Gerihun, Jembe, Jimmi Bagbo und Gondama werden weitere 20.000 Behandlungen monatlich durchgeführt.
Ärzte ohne Grenzen wird die Aktivitäten in vier Bereichen erweitern: Die Teams werden in die Dörfer in der Nähe der Gesundheitszentren fahren, um dort die Bevölkerung über Hygienemaßnahmen, die Verhütung von Krankheiten und das Angebot medizinischer Hilfe zu infomieren. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Behandlung von Malaria sein.
Die Menschen kämpfen mit der Armut
Ärzte ohne Grenzen hatte 1986 begonnen, in Sierra Leone zu arbeiten. Als 1989 in Liberia der Krieg ausbrach, begann die Organisation Flüchtlingen zu helfen, die die Grenze überquert hatten. Der Konflikt dehnte sich schnell nach Sierra Leone aus und führte zu einem elf Jahre anhaltenden Bürgerkrieg. Ärzte ohne Grenzen blieb als eine von wenigen Organisationen während all dieser Jahre im Land.
Während der Kriegsjahre flohen zwei von fünf Millionen Einwohnern aus ihren Heimatregionen. Die Rebellen der RUF (Revolutionary United Front) wurden für ihr grausames Vorgehen bekannt, politisch Andersdenkenden die Hände abzuhacken. In dieser Zeit wurden auch Mitarbeiter von Krankenhäusern ermordet - die Gesundheitsinfrastruktur wurde zerstört. Die Hälfte der Bevölkerung hatten keinen Zugang mehr zu einer Gesundheitsversorgung, und die Lebenserwartung sank auf 39 Jahre. Die Narben, die diese Jahre hinterließen, sind bis heute zu spüren, obwohl die Lage im Land relativ stabil ist. Und die Menschen kämpfen weiterhin mit der Armut.
Obwohl noch sehr viel zu tun ist, bis es den Menschen wirklich besser geht, gibt es doch kleine Hoffnungsschimmer. Susanne Elofsson beispielsweise hofft darauf, dass der Betrieb der Klinik in Godama später einmal ganz von den lokalen Behörden übernommen werden kann.

