Tuesday, 22. May 2012 | 21:59 CEST

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Faradje (Haut Uélé), Dezember 2008: Opfer eines Angriffs der Rebellengruppe "Lord`s Resistance Army"Foto: © MSF
Veröffentlicht am 21.01.2009
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Haut-Uélé (Dem. Rep. Kongo): Neue Angriffe der Lord`s Resistance Army

Über drei Wochen nach den Angriffen auf die Städte Faradje und Doruma in Haut-Uélé zu Weihnachten setzt die Lord’s Resistance Army (LRA) ihre tödlichen Anschläge gegen die Zivilbevölkerung in der im Osten des Kongo gelegenen Provinz fort und dringt immer weiter in Richtung Dungu vor. Zu den Opfern, die die Anschläge zu Weihnachten forderten, kommen nun weitere hinzu, und diese Morde scheinen sich durch nichts stoppen zu lassen.

Das MSF-Team in Dungu, das die angegriffenen Städte dank der Organisation Aviation sans Frontières (ASF), die Flüge in entlegene Krisenregionen durchführt, erreichen konnte, um der Bevölkerung Hilfe zu leisten, ist höchst beunruhigt: Die Angreifer bewegen sich immer mehr in Richtung der Stadt Dungu, die bereits am 1. November letzten Jahres überfallen wurde.

Zehntausende Menschen auf der Flucht

In den Tagen vor dem jüngsten Angriff auf Tora - am 17. Jänner - wurden die Dörfer Sambia, Subani, Akwa und Tomati eines nach dem anderen überfallen. Nun hat das Team von Ärzte ohne Grenzen die ersten Menschen getroffen, die aus diesen Gebieten geflohen sind.

Zehntausende Menschen befinden sich südlich des Garamba-Parks auf der Flucht - auf der Suche nach einem Ort, an dem sie Schutz finden. "Für das Team wird es immer schwieriger, sich in diese Orte zu begeben, um die Bedürfnisse dieser vertriebenen Bevölkerung zu erheben, mobile Kliniken einzurichten und gegebenenfalls Überweisungen von Verletzten in das Krankenhaus von Dungu durchzuführen," erklärt Charles Gaudry, der Projektverantwortliche von Ärzte ohne Grenzen vor Ort. "Die Sicherheitslage ist sehr beunruhigend."

Arbeit unter enorm schwierigen Bedingungen

Vor allem aufgrund der Sicherheitslage sind die Möglichkeiten, Hilfe zu leisten, eingeschränkt. Sogar die Flüge können gefährlich sein, da niemand weiß, was in den kleinen Orten passieren kann, wo die Teams von Ärzte ohne Grenzen landen. Die Schritte der LRA sind nicht vorhersehbar. Die MSF-Teams können daher immer nur ein paar Stunden an einem Ort bleiben, um rasch die Lage der Patienten in den Gesundheitseinrichtungen abzuschätzen, die am schlimmsten verletzten Patienten zu evakuieren, und um Medikamente und medizinisches Material in die Gesundheitszentren zu bringen, die oft geplündert wurden.

Derzeit muss Ärzte ohne Grenzen - ebenso wie die anderen wenigen Hilfsorganisationen vor Ort - eingestehen, dass es sehr schwierig ist, zu wissen, was in dieser Region, in der die Angriffe ständig zunehmen, wirklich passiert. Die Anzahl der Vertriebenen und auch der Ermordeten in dieser großen Gegend, in der die Dörfer und die kleinen Städte sehr verstreut sind, ist schwer abzuschätzen.

Kaum Verletzte

Allerdings gibt es dazu nun die ersten Zahlen: Ein Team von "Human Right Watch" hat vor Ort eine Untersuchung durchgeführt, und die Ergebnisse belegen leider die Richtigkeit des bisher befürchteten Ausmaßes. Allein in der Weihnachtszeit wurden über 600 Männer, Frauen und Kinder ermordet, sowie über 500 Jugendliche en. Die Anzahl der Verletzten hingegen ist sehr gering.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen, das sich sofort nach den Angriffen vor allem nach Faradje und Doruma begeben hat, um Nothilfe zu leisten, hat von Anfang an festgestellt, dass die Angreifer nur wenige Verletzte zurücklassen. "Ihre Strategie ist es ganz offensichtlich, die Menschen umzubringen," erklärte vor kurzem Matthieu Bichet, ein MSF-Arzt, der soeben aus Faradja, Doruma und Bangadi zurückgekehrt ist. "Die einzigen Verletzten, die wir behandeln konnten, wurden eindeutig für tot gehalten bzw. dort zum Sterben zurückgelassen. Das hat sie gerettet!"

Im MSF-Einsatzzentrum in Genf wird der Einsatz in Haut-Uélé als Notfall behandelt: "Wir verstärken unsere Teams, um direkt nach den Angriffen schneller reagieren zu können," so Marc Poncin, Programmverantwortlicher in Genf. "Wir müssen allerdings zugeben, dass es in einer solchen Situation sehr schwierig ist, jenen Menschen zu helfen, die nicht nur einen großen Bedarf an Hilfe, sondern auch und vor allem ein großes Bedürfnis nach Schutz haben," betont Poncin. "Denn, wenn derzeit sogar die Sicherheit unserer medizinischen, nationalen und internationalen Mitarbeiter gefährdet ist, kann man sich vorstellen, wie die Lage erst für die gesamte Bevölkerung sein muss!"

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