Hilfe für die Opfer sexueller Gewalt in Darfur
Bei ihrer Arbeit in den Kliniken und Ernährungszentren in Darfur begegnen die Helfer von Ärzte ohne Grenzen regelmäßig Frauen und Mädchen, die vergewaltigt wurden oder sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren. Häufig geschah dies während des Angriffs auf ihre Dörfer oder beim Verlassen der Vertriebenenlager auf der Suche nach Feuerholz. Im Interview der Krankenpfleger und Therapeut Joop Hegeman, der in Süd-Darfur daran arbeitet, eine Anlaufstelle für Hilfe suchende Frauen einzurichten.
Wie helfen Sie Frauen und Mädchen, die Opfer einer Vergewaltigung oder anderer Formen sexueller Gewalt wurden?
Wir bilden unsere lokalen Gesundheitshelferinnen in Kass und Kalma aus. Während ihrer wöchentlichen Besuche im Vertriebenenlager und in den Siedlungen bemühen sie sich herauszufinden, welche Frauen betroffen sind. Sie erhalten soziale und psychologische Unterstützung. Unsere Helferinnen ermitteln, woran die Frauen und Mädchen leiden, ob sie bereits medizinisch behandelt wurden und was sie am dringendsten brauchen.
Wir bitten die Mitarbeiterinnen, diese Fälle mit äußerster Diskretion und Verschwiegenheit zu behandeln. Die Frauen und Mädchen werden dann an unser Gesundheitszentrum überwiesen. Wir versuchen, auch dabei so diskret wie möglich zu sein, und bringen sie wenn nötig durch die Hintertür in die Klinik. Dort werden sie von medizinischem Personal untersucht und erhalten je nach Bedarf Medikamente gegen sexuell übertragbare Krankheiten oder auch die ?Pille danach?. Ebenso wichtig ist es, sich die Geschichten der Frauen genau anzuhören und sie über die medizinischen Folgen zu informieren. Das ist auch wichtig für ihre Ehemänner, die ebenfalls dem Risiko einer Ansteckung durch eine sexuell übertragbare Krankheit ausgesetzt sind.
Mit welchen Erlebnissen werden die Helferinnen konfrontiert, was berichten die Frauen und Mädchen?
Ursprünglich haben die Helferinnen Mütter unterernährter Kinder betreut, die aus unseren Ernährungsprogrammen entlassen worden waren. Dabei trafen sie auf Frauen, die vergewaltigt worden waren, mitunter mehr als einmal. Denn nach der ersten Vergewaltigung mussten die Frauen häufig wieder das Lager verlassen, um Feuerholz zum Kochen zu suchen. Den Helferinnen begegneten auch Frauen, die Opfer einer Gruppenvergewaltigung mit bis zu 40 Männern geworden waren oder in die Lager ihrer Angreifer verschleppt und dort misshandelt worden waren.
Suchen die Frauen und Mädchen selbst Hilfe?
Nicht unbedingt. Unsere Mitarbeiterinnen achten besonders auf Mädchen, die deprimiert sind und sich nicht trauen zu sprechen. Diesen Fällen schenken sie besondere Aufmerksamkeit und versuchen, ihr Vertrauen zu gewinnen, in dem sie die Mädchen zunächst in praktische Aktivitäten einbinden, wie in die Herstellung von Körben.
In Kass, wo wir einige sehr junge Vergewaltigungsopfer von 11, 13 oder 15 Jahren betreuen, haben wir für die Mädchen wöchentliche Treffen mit einer lokalen Gesundheitshelferin organisiert. Für erwachsene Frauen ist es im Allgemeinen leichter, über ein traumatisches Erlebnis zu sprechen.
Unterstützend kommt hinzu, dass die ?Communityleader? sich dafür verantwortlich fühlen, was den Frauen und Mädchen passiert und unsere Hilfsangebote anerkennen und unterstützen.
Wie leisten Sie psychologische Unterstützung?
Wir dürfen die Mädchen nicht zum Reden zwingen. Sie haben ein starkes Schutzbedürfnis und Angst. Wir versichern den Frauen und Mädchen, dass ihre Ängste normal sind, dass es in Ordnung ist, wenn sie sich nach Gesundheit und Sicherheit sehnen. Diese Ängste sind gesunde Verarbeitungsmechanismen, die normalerweise nach drei Monaten langsam verschwinden. Nur diejenigen, die unter posttraumatischen Symptomen leiden, bekommen ihr Leben häufig nicht wieder in den Griff. Sie benötigen spezielle Hilfe, die aber leider zurzeit noch fehlt.
Nehmen viele Frauen und Mädchen die Hilfsangebote wahr?
Inzwischen nehmen in Kass und Kalma jeweils um die 40 Frauen und Mädchen an den Programmen teil.
Länderinformation
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