Tuesday, 22. May 2012 | 22:01 CEST

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© MSF/Joanne WongHIV/Aids-Projekt in Xianfang: Ein kleiner Bub wird untersucht.
Veröffentlicht am 12.08.2004
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Hilfe für Verstoßene

Noch immer werden HIV-Infizierte in China häufig von der Gesellschaft verstoßen und selbst von engen Freunden und Familienangehörigen gemieden. Denn die Angst vor HIV ist groß. Dies liegt auch daran, dass so wenige über die Krankheit und ihre Ansteckungswege Bescheid wissen. In der Stadt Xiangfan hat Ärzte ohne Grenzen damit begonnen, HIV/Aids-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten zu behandeln. Doch der Erfolg der Therapie hängt nicht allein von den lebensverlängernden Arzneimitteln ab – diese sind nur ein Teil der umfassenden Versorgung der Patienten.

?Bei der HIV/Aids-Behandlung verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz?, erklärt die Ärztin Polin Chan, die Hand in Hand mit dem ?Chinese Centre for Disease Control? für Ärzte ohne Grenzen in Xiangfan arbeitet. ?Medizinische, psychologische und soziale Unterstützung müssen zusammenwirken.? Zur medizinischen Hilfe gehört neben der antiretroviralen Therapie auch die Behandlung so genannter opportunistischer Infektionen wie Tuberkulose, die häufig aufgrund der HIV-Infektion auftreten. Darüber hinaus werden Heimpflegedienste und Selbsthilfegruppen für die Patienten organisiert. Freiwillige und vertrauliche HIV-Tests sowie Beratungsgespräche tragen dazu bei, die Bevölkerung über die Krankheit aufzuklären.

 

Auch soziale und wirtschaftliche Aspekte müssen berücksichtigt werden. ?Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Patienten den Transport zu unserem Behandlungszentrum auch leisten können und dass sie bei Bedarf auch Zugang zu einer guten stationären Versorgung haben?, erläutert die Ärztin.

Diskriminierung in Krankenhäusern

Eine der großen Herausforderungen für Ärzte ohne Grenzen und das ?Chinese Centre for Disease Control? in Xiangfan ist die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in der Region. Denn es kommt immer wieder vor, dass die Patienten an Spezialisten der unterschiedlichsten Disziplinen überwiesen werden müssen. Allerdings ist die Diskriminierung von HIV/Aids-Patienten in chinesischen Krankenhäusern derzeit so stark, dass ihnen die Behandlung dort oft ganz verwehrt bleibt. Viele Krankenpfleger und -schwestern haben aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung Angst davor, HIV-Infizierte zu behandeln oder gar zu berühren. Sie wissen noch zu wenig über die Übertragungsmöglichkeiten des Virus und sind kaum darüber informiert, wie sie sich selbst und andere Patienten schützen können. Denn die Angst vor einer Infektion ist unbegründet, wenn die allgemeinen Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden.

 

?Für uns ist es zurzeit ? sogar im Fall von lebenswichtigen Operationen ? unmöglich, unsere Patienten an ein Krankenhaus zu überweisen?, erklärt Polin Chan. ?Deshalb haben wir damit begonnen, Trainingskurse für das Pflegepersonal durchzuführen, um die Aufklärung über HIV zu verbessern und gegen die Stigmatisierung von Patienten anzugehen. Allerdings muss dieses Problem in ganz China in sehr viel größerem Maßstab angegangen werden. Ein nationales HIV-Aufklärungsprogramm für Mitarbeiter medizinischer Berufe würde sich sehr positiv auswirken.?

Ambulante Pflegeangebote müssen aufgebaut werden

Selbstverständlich ist die Aufklärungsarbeit für die allgemeine Bevölkerung ebenso wichtig. Deshalb werden Informationsbroschüren verteilt, die die Einwohner von Xiangfan über die Möglichkeit informieren, sich freiwillig und kostenlos auf HIV testen zu lassen. In der chinesischen Öffentlichkeit herrscht große Unwissenheit über die Krankheit. Die Folgen sind ein Klima der Angst und eine starke Diskriminierung der Betroffenen. ?Wir motivieren diejenigen, bei denen der Test positiv ausfällt, sich den Selbsthilfegruppen anzuschließen, die wir ins Leben gerufen haben. Dort können sie andere Menschen mit denselben Problemen treffen und ihre Erfahrungen austauschen?, erklärt Polin Chan.

 

Schließlich verfolgt Ärzte ohne Grenzen auch das Ziel, die Heimpflege zu ermöglichen. Denn die Pflege von HIV/Aids-Patienten in ihrem Zuhause, ist in China aufgrund der starken sozialen Stigmatisierung von HIV-Infizierten derzeit noch ein großes Problem.

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