Tuesday, 22. May 2012 | 22:13 CEST

Veröffentlicht am 01.09.2008
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Indien: Teams von Ärzte ohne Grenzen erreichen überschwemmte Gebiete im Bundesstaat Bihar

Ein Notfallteam von Ärzte ohne Grenzen hat die am schwersten von den jüngsten Überschwemmungen betroffenen Gebiete im indischen Bundesstaat Bihar erreicht. Das aus einem Logistiker, einem Wasserexperten und einem Arzt bestehende Team erhebt derzeit den Bedarf an humanitärer Hilfe in Araria und Purnea-Madhepura. Außerdem verteilen die Mitarbeiter Hilfsgüter an die betroffene Bevölkerung.

Am 28. August erklärte der indische Premierminister die Überschwemmungen zur "nationalen Katastrophe" und richtete einen Appell an internationale Hilfsorganisationen. Ärzte ohne Grenzen entsandte vier LKWs mit 15.000 Planen, 4.000 Decken, 15.000 Kanistern und Chlortabletten zur Verteilung an die Betroffenen.

Die Überschwemmungen sind die Folge eines Dammbruchs auf der nepalesischen Seite des Flusses Kosi am 20. August. Dadurch suchten sich die Wassermassen neue Wege durch den östlichen Teil des Supaul-Distrikts. Der Dammbruch ist derzeit 3 Kilometer breit und wächst täglich um 200 Meter. Die Regierung schätzt, dass etwa 5 Millionen Menschen von den Fluten betroffen sind und eine Million Menschen vertrieben wurden. "Wir sprechen hier nicht über normale Überschwemmungen im Zuge des Monsuns. Das Problem ist, dass der Kosi seinen Lauf geändert hat und die Dorfbewohner und Behörden vollkommen unvorbereitet von dieser Krise getroffen wurden. Es gab keinerlei Katastrophenmanagement, und die Behörden haben Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen um Hilfe bei der Bekämpfung der Katastrophe gebeten", erklärt Mari-Carmen Vinoles, Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Delhi.

Noch keine genauen Berichte über Opferzahlen

Aufgrund der starken Strömungen in den Überschwemmungsgebieten sind Motorboote die einzig sichere Möglichkeit, die Menschen zu evakuieren. Oberste Priorität hat die Suche nach und die Rettung von Opfern. Es stehen nur sehr wenige Motorboote zur Verfügung, und bisher wurden nur 50.000 Menschen evakuiert. Der Mangel an Motorbooten erschwerte auch die Evaluierung der Lage. Daher sind nur sehr wenige Daten über die Anzahl der Toten oder noch zu rettende Opfer vorhanden. Manche Gebiete sind völlig abgeschnitten, und Überlebende haben berichtet, dass dort ganze Dörfer von den Überschwemmungen zerstört wurden, in denen niemand überlebt hat. In diesen Gegenden herrscht nun akuter Nahrungsmittelmangel.

Die Vertriebenen suchen in provisorischen Lagern, auf freien Feldern, an Uferböschungen und an Straßenrändern Zuflucht. Die meisten Menschen haben keine ordentlichen Unterkünfte, und da die Priorität derzeit bei der Suche und Rettung von Opfern liegt, sind die Lager nur schlecht organisiert: Es gibt nicht genügend Trinkwasser in den Lagern, und jene, die im Freien leben, trinken Flusswasser, das nicht zum Trinken geeignet ist. Schätzungen gehen davon aus, dass in den nächsten Tagen weitere 400.000 Menschen in die Lager kommen werden.

Die unmittelbarsten Bedürfnisse für die Bevölkerung sind nun die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Plastikplanen zur Errichtung provisorischer Unterkünfte, Tabletten zur Wasserreinigung, Kochutensilien, Eimern und Hygienekits. Medizinische Hilfe und Beutel zur Flüssigkeitszufuhr sind ebenfalls von nöten, um der Verbreitung von Krankheiten unter der Bevölkerung vorzubeugen.

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