Jänner: Hilfe für die Erdbebenopfer im Iran
Wenige Tage vor Jahresbeginn 2004 erschüttert im Iran ein schweres Erdbeben die Stadt Bam. Ärzte ohne Grenzen ist bereits am gleichen Tag vor Ort und schickt u.a. Dialysegeräte in das Chafa-Krankenhaus in Kerman. Nierenspezialisten helfen dort bei der Behandlung des so genannten Crush-Syndroms, das infolge einer Verschüttung entstehen kann. Nur eine schnell eingeleitete Dialyse-Therapie sichert das Überleben der Betroffenen. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht auch darin, den Menschen, die innerhalb weniger Augenblicke alles verloren haben und buchstäblich vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens stehen, psychologische Hilfe zu geben. Bis Ende März 2004 leistet Ärzte ohne Grenzen für die Überlebenden in Bam diese psychologische Unterstützung.Foto: MSF/Anne Pillot
Februar: Gewalt im Norden Ugandas
Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellen der "Lord´s Resistance Army" (LRA) im Norden Ugandas führen zu brutalen Angriffen auf Hunderttausende Zivilisten. Ärzte ohne Grenzen startet dort ein Nothilfeprogramm für Zehntausende Vertriebene, die vor den Gewaltakten fliehen. Die Städte, in denen sie Zuflucht suchen, verfügen oft nicht einmal über die notwendigsten Bedingungen, um das Überleben so vieler Menschen zu garantieren. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Betroffenen mit medizinischer Versorgung, Ernährungsprogrammen und hilft bei der Wasser- und Sanitärversorgung.Foto: MSF/Jehad Nga/Corbis
März: Humanitäre Katastrophe in Darfur, Sudan
Seit Februar 2003 ist die Region Darfur im Westen des Sudans Schauplatz eines Konflikts zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen leben dort im März 2004 bereits 700.000 Vertriebene, 170.000 sind in das Nachbarland Tschad geflohen. Ärzte ohne Grenzen warnt vor der sich verschlimmernden Ernährungslage und fordert mehr internationale Hilfe für die Menschen in Darfur. Für die Organisation bleibt der Einsatz im Sudan während des Jahres 2004 einer der größten in ihrer Geschichte. Mehr als 200 internationale und rund 2.000 sudanesische Mitarbeiter arbeiten Ende 2004 an 26 Orten in Darfur.Foto: MSF/Didier Ruef
April: Tschetschenien/Russland - Entführter Mitarbeiter Arjan Erkel kommt frei
Am 11. April 2004 wird Arjan Erkel, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Dagestan, nach 20 Monaten Geiselhaft im Nordkaukasus freigelassen. Ärzte ohne Grenzen ist sehr erleichtert über seine Freilassung. 16 Kilo leichter, aber den Umständen entsprechend in guter gesundheitlicher Verfassung, konnte er noch am gleichen Tag zu seiner Familie zurückkehren. Die Entführung von Erkel hat eine wirkungsvolle Hilfe für die vom Krieg betroffene Zivilbevölkerung in der Region nahezu unmöglich gemacht.Foto: MSF/Yassukovich
Mai: Lage der sudanesischen Flüchtlinge im Tschad spitzt sich zu
170.000 Menschen aus der sudanesischen Region Darfur sind vor dem Konflikt zwischen Regierungstruppen und Rebellen in das Nachbarland Tschad geflohen. Dort spitzt sich die Lage der Flüchtlinge zu. Die Lager sind überfüllt, Lebensmittel- und Wasservorräte sind völlig unzureichend. Zudem gibt es weiterhin gewalttätige Angriffe sudanesischer Milizen in der Grenzregion, die die Flüchtlinge bedrohen. Angesichts der eskalierenden Krise appelliert Ärzte ohne Grenzen an die internationale Hilfsgemeinschaft, sofort im Sudan und im Tschad zu handeln.Foto: MSF/Gael Turine
Juni: Fünf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan getötet
Am 2. Juni werden fünf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan erschossen. Sie starben, als ihr Fahrzeug in der nordwestlichen Provinz Badghis angegriffen wurde. Dieser gezielte Mordanschlag ist beispiellos in der Geschichte der Organisation, die seit mehr als 30 Jahren in vielen der gewalttätigsten Konflikte weltweit tätig ist und über 24 Jahre in Afghanistan tätig war.
Ärzte ohne Grenzen trauert über den Verlust von fünf seiner Mitarbeiter. Von links nach rechts: Hélène de Beir - Projektkoordination aus Belgien, Pim Kwint - Logistiker aus den Niederlanden, Egil Tynaes - Arzt aus Norwegen, Besmillah - Fahrer aus Afghanistan, Fasil Ahmad - Übersetzer aus Afghanistan.Foto: MSF
Juli: Ärzte ohne Grenzen verlässt Afghanistan
Ärzte ohne Grenzen kündigt die Beendigung aller Projekte in Afghanistan an, nachdem am 2. Juni fünf Mitarbeiter der Organisation erschossen wurden. Obwohl Ärzte ohne Grenzen von Regierungsvertretern glaubwürdige Beweismittel erhalten hatte, dass lokale Kommandeure den Angriff ausgeführt haben, wurden diese weder verhaftet noch wurde ihre Festnahme öffentlich verlangt. Dies zeigte, dass die afghanische Regierung ihrer Verantwortung nicht nachkam, die Sicherheit von humanitären Helfern im Land zu gewährleisten. Bis zur Ermordung der fünf Mitarbeiter arbeitete Ärzte ohne Grenzen mit 80 internationalen sowie 1.400 afghanischen Mitarbeitern in 13 Provinzen des Landes.Foto: MSF/Jean-Marc Giboux
August: In Tschetschenien geht das Trauma des Krieges weiter
Ärzte ohne Grenzen befragte Anfang 2004 Menschen, die als Vertriebene in Tschetschenien leben oder nach Inguschetien geflohen sind nach der Geschichte ihrer Vertreibung, nach ihren Lebensumständen sowie nach ihrem allgemeinen, psychischen und gesundheitlichen Befinden. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass sowohl bei den Vertriebenen als auch bei den Flüchtlingen Unsicherheit und unterdurchschnittlich schlechte Lebensbedingungen vorherrschen. Sieben Prozent der Menschen in Tschetschenien und neun Prozent in Inguschetien berichten, dass innerhalb eines Zeitraums von zwei Monaten vor Befragungsbeginn ein Familienmitglied gestorben sei - oftmals aufgrund von Gewalt. Verhaftungen oder das Verschwinden von Freunden zählen auf beiden Seiten der Grenze zu den Erfahrungen der Befragten.Foto: MSF/Gazelle Gaignaire
September: Der Tropensturm "Jeanne" wütet in Haiti
Nachdem Ärzte ohne Grenzen erst im Februar 2004 Hilfe für die Opfer der Unruhen in Haiti geleistet hat, werden die Teams im September erneut für die Notfallhilfe gebraucht. Am 18. September wütet der Tropensturm "Jeanne" in Haiti. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen gehören zu den ersten, die hier Hilfe leisten: Sie arbeiten in Gesundheitszentren - unter anderem in Raboteau, einem Slum im Westen der stark betroffenen Stadt Gonaives. Neben der medizinischen Hilfe organisiert ein Psychologenteam von Ärzte ohne Grenzen Konsultationen im Gesundheitszentrum in Raboteau und kümmert sich auch um die Bevölkerung in ländlichen Gebieten außerhalb der Stadt.Foto: MSF/Dieter Telemans
Oktober: Tuberkulose gerät außer Kontrolle
Ärzte ohne Grenzen warnt davor, dass Millionen Menschen in ärmeren Ländern weiter an der heilbaren Krankheit Tuberkulose (TB) sterben werden. Die Organisation fordert einen radikalen Wechsel in der globalen Bekämpfung von Tuberkulose. In Guinea und vielen anderen Ländern sehen die Mitarbeiter regelmäßig Patienten, die bereits eine TB-Behandlung erhalten haben und ein oder zwei Jahre später erneut ähnliche Symptome entwickeln. Diese Menschen könnten sich erneut infiziert oder bereits eine multiresistente Form der TB entwickelt haben. In vielen ärmeren Ländern fehlen aber die entsprechenden Tests, um die Medikamentenresistenz zu bestimmen. Es muss dringend in neue Diagnosetests und Medikamente investiert werden. Foto: MSF/Espen Rasmussen
November: Hilfe für Verletzte nach Angriff in der Elfenbeinküste
Am 4. November fliegen Regierungstruppen Luftangriffe auf Bouaké. Die zweitgrößte Stadt der Elfenbeinküste liegt in der von der Rebellenbewegung kontrollierten Hälfte des Landes. Bei der Militäroffensive werden viele Zivilisten verletzt. Die Verwundeten werden in das Krankenhaus der Stadt eingeliefert, in dem ein Team von Ärzte ohne Grenzen die allgemeinmedizinische und chirurgische Arbeit unterstützt. Gleichzeitig gelingt es den Teams einige Menschen, die während der Unruhen im Hauptgefängnis in Abidjan verletzt werden, in das Universitätskrankenhaus Yopougon zu überweisen.Foto: MSF/Jacques Kahn
26. Dezember: Chaos nach Seebeben in Südasien
Bereits einen Tag nach dem schweren Seebeben ist der Einsatz von Ärzte ohne Grenzen voll angelaufen. In allen betroffenen Ländern (Indien, Sri Lanka, Indonesien, Thailand, Bangladesch, Myanmar [Burma], Malaysia, Somalia, Kenia) sind Teams vor Ort und evaluieren die Situation. Sie organisieren außerdem Nachschub und Verstärkung, leisten medizinische und logistische Hilfe und konzentrieren sich auf die Wasserversorgung. Am 31. 12. 2004 startete Ärzte ohne Grenzen eine mobile Klinik in Banda Aceh, der vom Beben vermutlich am stärksten betroffenen Stadt Sumatras. Sechs Tonnen Hilfsgüter sind zu diesem Zeitpunkt bereits vor Ort, weitere 70 Tonnen sind auf dem Weg.