Jänner: Die Hilfe im Kaschmir geht weiter
Knapp drei Monate nach dem katastrophalen Erdbeben vom 8. Oktober 2005 bereitet den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen im Kaschmir vor allem der Winter Sorge: Als Folge der Kälte und der schlechten Lebensbedingungen in den provisorischen Unterkünften nehmen Gesundheitsprobleme deutlich zu. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich darauf, den durch die Katastrophe obdachlos gewordenen Menschen Schutz vor Kälte und Schnee zu geben. Die Teams unterstützen auch weiterhin verschiedene medizinische Einrichtungen.Foto: © Paolo Pellegrin/Magnum Photos
Februar: Kein Ende der humanitären Katastrophe in Teilen der Demokratischen Republik Kongo
Obwohl der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2003 offiziell beendet wurde, hat sich die Situation der Bevölkerung in einigen Landesteilen weiter verschärft. Selbst in weitgehend gewaltfreien Regionen hat nur ein kleiner Teil der kongolesischen Bevölkerung Zugang zu Gesundheitseinrichtungen; die Sterblichkeitsraten weisen erschreckende Werte auf. Die Demokratische Republik Kongo gehört wie schon in den Vorjahren zu den größten Einsatzgebieten von Ärzte ohne Grenzen. Im Februar 2006 zeigt Ärzte ohne Grenzen im MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst in Wien eine Ausstellung der international renommierten Fotografen der Agentur "VII". Diese hatten Ärzte ohne Grenzen in die Demokratische Republik Kongo begleitet. Mit ihren Bildern legen sie Zeugnis ab über das Leid der kongolesischen Bevölkerung, die vom Rest der Welt weitgehend vergessen um ihr Überleben kämpft.Foto: © Joachim Ladefoged/VII
März: Wasserknappheit im Nordosten Kenias
Nachdem drei Regenzeiten hintereinander ausgeblieben sind, herrschen im Nord-Osten Kenias dramatische Bedingungen. Wasser ist knapp, Tausende Tiere verenden, viele Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. Ärzte ohne Grenzen eröffnet mehrere Ernährungszentren und hilft bei der Wasserversorgung der notleidenden Bevölkerung. Foto: © Dieter Telemans
April: Kampf gegen die Cholera
Zehntausende Menschen sind von der schlimmsten Choleraepidemie in der Geschichte Angolas betroffen. Ärzte ohne Grenzen ist zum Höhepunkt des Ausbruchs mit fast 900 Mitarbeitern im Einsatz und versorgt in zahlreichen Cholerabehandlungszentren insgesamt 26.000 Patienten.Foto: © Paolo Pellegrin/Magnum Photos
Mai: Hilfe nach schwerem Erdbeben auf Java
Am 27. Mai erschüttert ein Erdbeben der Stärke 6,2 die Region um die Stadt Yogyakarta auf der indonesischen Insel Java. Mehr als 5.000 Menschen werden durch das Beben getötet, 37.000 erleiden Verletzungen. Ärzte ohne Grenzen leistet mit 35 Hilfskräften – Chirurgen, Ärzten, Krankenschwestern, Psychologen, Logistikern und Wasserexperten – im Erdbebengebiet Hilfe.Foto: © MSF
Juni: Lungenpest-Epidemie in Ituri
Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten im Juni nach einem Ausbruchs der hoch ansteckenden Lungenpest in der Provinz Ituri im Osten der Demokratischen Republik Kongo an der Behandlung und Eindämmung der Krankheit. 269 Patienten werden behandelt, die Ausbreitung der Pest kann auf die Zonen, in denen sie ursprünglich aufgetreten ist, beschränkt werden.Foto: © Rosa Crestani/MSF
Juli: Krieg im Libanon
Der Krieg zwischen Hisbollah und Israelischer Armee führt im Libanon zur Vertreibung von Hunderttausenden Zivilisten. Viele von ihnen haben auf ihrer Flucht kaum Zugang zu medizinischer Versorgung und Trinkwasser. Während der einmonatigen Kampfhandlungen leistet Ärzte ohne Grenzen Hilfe für Zehntausende Vertriebene in verschiedenen Teilen des Libanons, nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes kümmern sich die Teams vor allem um die Bedürfnisse der Rückkehrer.Foto: © Sergio Cecchini/MSF
August: Aids-Konferenz in Toronto
Nach sechs Jahren Erfahrung in der Behandlung von HIV/Aids kann Ärzte ohne Grenzen auf zahlreiche Erfolge zurückblicken: Der Preis von antiretroviralen Medikamenten in armen Ländern ist dank Lobbying drastisch gesunken, Zehntausende Menschen in über 30 Ländern erhalten in Aids-Programmen von Ärzte ohne Grenzen eine wirksame Behandlung der Krankheit. Die Freude über diese positiven Entwicklungen bleibt aber gedämpft: Insgesamt erhalten neun von zehn Menschen mit HIV/Aids in den ärmeren Ländern keine Behandlung, es fehlt an geeigneten Tests und Medikamenten für Kinder, und der Zugang zu neueren, teuren Medikamenten bleibt den meisten Menschen verwehrt.Im August ruft Ärzte ohne Grenzen im Rahmen der 16. Internationalen Aidskonferenz in Toronto dazu auf, neue HIV/Aids-Medikamente in ärmeren Ländern zu erschwinglichen Preisen verfügbar zu machen.Foto: © Ton Koene
September: Zunehmende Gewalt und Unsicherheit in Darfur
Im Jahr 2004 startete Ärzte ohne Grenzen in der Sudanesischen Krisenprovinz den größten Hilfseinsatz in der Geschichte der Organisation. Zwei Jahre später arbeiten noch immer fast 3000 lokale und internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Darfur. Immer häufigere Angriffe auf humanitäre Helfer reduzieren jedoch in der zweiten Jahreshälfte 2006 die Möglichkeit, Hilfe zu leisten. Immer wieder müssen Teams evakuiert werden, Tausende Patienten bleiben dadurch unversorgt.Foto: © Jehad Nga
Oktober: Weiterhin schockierende Gesundheitssituation in Sierra Leone
Mehr als fünf Jahre nach Ende des verheerenden Bürgerkriegs in Sierra Leone ist die dortige Gesundheitsversorgung noch immer katastrophal. Nach wie vor sterben die Menschen an leicht vermeidbaren Krankheiten. Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht im Oktober den Bericht "Lessons from pain" und zeigt darin Auswege aus der Gesundheitskrise auf.Foto: © Dominick Tyler
November: Hilfe nach der Flutkatastrophe in Kenia und Somalia
In der zweiten Novemberhälfte kommt es im Grenzgebiet zwischen Somalia und Kenia nach heftigen Regenfällen zu schweren Überflutungen. Zahlreiche Orte werden von der Außenwelt abgeschnitten, Ärzte ohne Grenzen bringt per Helikopter Hilfsgüter in die am stärksten betroffenen Gebiete.Foto: © Karel Prinsloo
Dezember: Fast zwei Millionen Vertriebene in der Demokratischen Republik Kongo, drei Millionen in Kolumbien, eine neue Welle von Vertreibungen im Osten des Tschad – mehr als 33 Millionen Menschen befinden sich weltweit auf der Flucht vor Gewalt, Krieg oder Unterdrückung, die Mehrheit davon in Afrika. Ärzte ohne Grenzen hilft Flüchtlingen in 25 Ländern, in Österreich thematisiert Ärzte ohne Grenzen die weltweite Flüchtlingskrise in einer Informationskampagne und eröffnet am 8. Dezember die Ausstellung "Leben auf der Flucht" im Wiener Zoom Kindermuseum.Foto: © Kadir van Lohuizen/VU/HRW